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Die Eintrittskarten für "The PUnishment of Luxury" von OMD in Leipzig Die Eintrittskarten für "The PUnishment of Luxury" von OMD in Leipzig

The Punishent of Luxury – OMD live in Leipzig

Sie waren da. Die Herren von der Wirral-Halbinsel suchten am Donnerstag Leipzig heim. Und wir haben das Ganze miterlebt. Es war wie erwartet beeindruckend. Andy McCluskey, Paul Humphreys, Martin Cooper und Stuart Kershaw lieferten für etwa zwei Stunden eine geniale Show ab. Ich habe es genossen. Und die unzähligen Leute im proppevollen „Haus Auensee“ offenbar auch. Es war ein Konzert für Generationen. Denn OMD verband gleich mehrere Jahrgänge miteinander. Und darüber müssen wir reden.

Wer zur Hölle sind Holygram?

Als Vorband heizten Holygram ein. Sie fragen Sie bestimmt jetzt, wer das ist. Und das ist auch eine berechtigte Frage. Ich will aber mal versuchen, Ihnen das Ganze zu beschreiben. Wer sich eine Mischung aus der düsteren OMD-Zeit rund um das Album „Organization“, gepaart mit Einflüssen aus Joy Division, Apoptygma Berzerk und Hurts vorstellen kann, der kann sich auch Holygram vorstellen. Die fünf Kölner Jungs machen eine Art Mischung aus New Wave, Industrial Rock und Postpunk. Es klang schon ziemlich geil, was sie da ablieferten.

Sie spielen mit Effekten, düsteren Grummel-Bässen, Keyboard-Teppichen, einem hämmernden Schlagzeug, und über allem thront die helle Stimme des Sängers. Das klang alles schon ziemlich stimmig. Holygram gehören irgendwie in eine neue Generation des Dark Wave, der eigentlich schon seit etlichen Jahren ausgestorben schien. Und ich kann die Band durchaus empfehlen. Einfach mal reinhören:

Pompöse, glamourös: OMD gegen den Luxus

Und dann begannen die alten Männer aus dem Großraum Liverpool. Wer jetzt gedacht hatte, sie beginnen wie viele Jahre mit der Suite „Dazzle Ships / Stanlow“, der sah sich getäuscht. Sie haben sich halt ausgedacht, sie breiten einen gigantischen Soundteppich aus und lassen aus dem beeindruckenden „La Mitrailleuse“ den Aufruf „Bend your body to the will of the machine“ erklingen. Aus dem wurde dann das für mich beste OMD-Stück seit dem Album „Sugar Tax“, nämlich „Ghost Star“. Das klingt dann so wie in Birmingham:

Es folgte die Hauptsingle „Isotype“ und die zweite Single überhaupt, „Messages“. Dann machten die alten Männer Party mit dem Mitachtziger „Tesla Girls“. Andy McCluskey war wieder so unterwegs, wie er es halt immer ist: Immer Vollgas, immer etwas ungelenk, immer wieder mit verschränkten Armen, deren Hände sich auf die Schulter klopften. Und es war schwer beeindruckend, wie die rund sechzigjährigen Musiker topfit alles gaben.

Das änderte sich auch nicht mit Gassenhauern wie „(Forever) Live and die“, „What have we done“ oder „Souvenir“, die wie immer Paul Humphreys sang. Und auch das tief traurige „One more time“ wurde wie erwartet zu etwas besonderem, weil man eine bittere Trennung auch als tanzbares Mitsing-Stück bauen kann. Und so hangelte sich die Band durch ihre fast 40 Jahre Musikgeschichte und ließ eigentlich kein Album aus. Auch das beeindruckende Stinkefinger-Album „Universal“ wurde mit „Walking on the Milky Way“ bedacht.

Fans und Band sind eine Einheit

Na klar, OMD spielten ihr Programm. Wer etwas anderes glaubt, liegt falsch. Es wäre ja auch sonst absurd. Aber man hatte den Eindruck, als ob Fans und Band eine Einheit bildeten. Es war halt zwei Stunden lang Party angesagt. Auch beim Anti-Atomwaffen-Hit „Enola Gay“, mit dem eigentlich das Konzert zu Ende war.

Davor wurde etwa zur Hälfte das besinnliche „Of all the things we’ve made“ aus „Dazzle Ships“ gespielt, und alle vier Musiker standen am vorderen Bühnenrand, Kershaw nur mit Trommel, Cooper und Humphreys mit tragbaren Keyboards und McCluskey als Sänger. So wie im Sommer in Sheffield:

Natürlich durfte auch die oben angesprochene Ära „Sugar Tax“ nicht fehlen. Und davon durfte man auch das Lied nicht auslassen, was Andy McCluskey 1990 / 1991 mit neuer Band (OMD waren 1988 zerfallen) einspielte und vorher der Legende nach übers Telefon mit dem jetzigen Schlagzeuger Stuart Kershaw komponierte. „Sailing on the Seven Seas“ gilt bis heute als eins der besten OMD-Stücke. Und es ist live eben ein Erlebnis, wie in Leipzig:

Warum aber das „Haus Auensee“?

Mancher mochte sich gefragt haben, warum OMD ausgerechnet im Haus Auensee im Leipziger Nordwesten auftreten mussten. Auf dem Weg zum Konzert nahmen wir den Linienbus, der direkt davor hält. Allerdings standen wir mit ihm im Stau, weil unzählige Autos von überall her auf den Parkplatz wollten. Sicherlich wäre die innerstädtische „Arena“ besser geeignet gewesen. Aber OMD treten traditionell im Haus Auensee auf. Wann immer die Band – in welcher Besetzung auch immer – nach Leipzig kommt, spielt sie dort.

Das war auch vor einem viertel Jahrhundert so, als ich im Haus Auensee war, als Andy McCluskey nach dem Zusammenbruch von OMD Anfang der Neunziger mit neuer Band „Sugar Tax“ durch Europa spazieren führte. Da waren OMD auch in Leipzig. Auch zu diesem Zeitpunkt war Chaos rund um das Haus Auensee, auch damals war man eingepfercht. Und auch damals brannte die Luft. Es war das erste OMD-Konzert in Leipzig. Vielleicht fiel damals die Entscheidung, immer in dieses Gebäude zu gehen.

Zu keinem Konzert auf der Tour zu „The Punishment of Luxury“ gab es einen derartigen Kommentar nach einem Konzert. Nur Leipzig hat die „fantastische Menschenmenge“ abbekommen. Ich glaube, OMD kommen gern nach Leipzig. Hier hat man der 1993 abermals neu erfundenen Band auch noch zugejubelt, als die Zeit für New Wave vorbei war und der Britpop alles platt getrampelt hatte. In Leipzig fand man auch das 1993er-Album „Universal“ geil, nicht zuletzt wegen „Walking on the Milky Way“, wie in Birmingham:

OMD wie immer

Es war zwar erst mein zweites OMD-Konzert. Aber nach dem, was ich alles so gesehen habe, kann ich durchaus behaupten, dass OMD wie immer waren. Immer Vollgas, immer hohe Qualität, immer zusammen mit den Fans. Und sie waren alle da: Fans, die die Band wahrscheinlich seit den Anfangstagen 1978 kannten. Fans, die durch die großen Hits „Maid of Orleans“ oder „Pandora’s Box“ zu OMD kamen. Oder Fans, die durch die Eltern angesteckt wurden.

Die Band ist sich auch immer treu geblieben. Auch nach der schlimmen, schlimmen Trennung nach „Dreaming“ 1988 hat man sich nie aufgegeben und wieder zusammen gefunden. Und man hat auch wieder zusammen gefunden, selbst wenn die Musik nicht mehr chartstauglich ist, wie nach 1993. Die Signatur von OMD war immer so etwas wie „Messages“, was die Band seit 1980 begleitet:

Von 1978 bis 1988 war man – bis auf Gastmusiker – unverändert unterwegs, bis die Trennungen kamen. Die Messages-Besetzung war dann wieder von 2006 bis 2013 zusammen, bis Schlagzeuger Mal Holmes aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste und die Band wieder vor dem Aus stand. Bloß gut, dass es Stuart Kershaw gibt. So werden wir wohl noch ein paar Jahre diese besondere Art an Musik genießen können. Denn sie ist für viele „unsere einzige Energiequelle“ wie in „Electricity“:

Our one source of energy…

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 thoughts to “The Punishent of Luxury – OMD live in Leipzig”

  1. Tolles Konzert (mal wieder), ne spielfreudige Band mit nem (wie immer) lustig hampelnden Andy und geile Stimmung beim Publikum.
    Die Vorband als Mischung von Cure und Joy Division war auch recht angenehm, wenngleich ich mir wieder The Mirrors geünscht hätte…

    Aber der Sound war einfach grottig – die Abmischung kann doch keine Absicht gewesen sein! Die Bässe waren nichtmal das Schlimmste, viel schlimmer empfand ich, dass die Drums jegliche Melodie und Synthieakkorde niedergeknüppelt haben…

    Aber wie gesagt, Spass hats dennoch gemacht… Beim nächsten Mal gerne wieder!

    PS: Auensee, wir sehen uns im März bei Erasure!

    1. Hallo Mirko,

      ja, Andy machte wieder seine Faxen, bei denen man nicht weiß, ob die so gewollt sind. Mit dem Sound hast du natürlich Recht. Da dachte ich immer beim Einsetzen der Bass Drum, dass nun das Dach weg fliegt.

      Oh, Erasure? Das wäre vielleicht auch zu überlegen.

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