Horst Seehofer und das Kasperletheater

Der ehemalige bayrische Ministerpräsident und heutige Bundesheimatschützer Horst Seehofer hält das politische Treiben in Atem. Es geht wieder um Flüchtlinge. Vor allem sein Masterplan steht zur Disposition. Was der genau enthält, ist nicht absolut zum Ende bekannt. Jedenfalls knüpft Horst Seehofer sein politisches Schicksal an diesen Masterplan. Und damit gibt es ein Kasperletheater, das man eher in Italien vermutet.

Was will Horst Seehofer?

Der ehemalige bayrische Ministerpräsident und Vorsitzender der CSU spielt eine Art „Hopp oder Top“. Horst Seehofer macht das, was vor vielen, vielen Jahren die CSU-Sagengestalt Franz-Josef Strauß eingeleitet hatte. Die CSU tut immer so, als sei sie unbequem und dem bayrischen Volk verpflichtet. Und die CSU – und mit ihr ihr Chef – gibt sich hart und kompromisslos. Das war irgendwie immer schon mal so. So auch derzeit.

Derzeit geht es um den „Masterplan“ zur Flüchtlingskrise. Besteht die denn überhaupt noch in dem Maße? Aber selbst wenn: Politik ist immer ein Abwägen, ein Verhandeln, ein Erzielen von Kompromissen. Im Masterplan von Horst Seehofer geht es nun einmal auch um das Abweisen von Flüchtlingen, die bereits in einem anderen Land der EU registriert wurden. Das lehnt Kanzlerin Merkel ab. Beides hat Berechtigung. Aber irgendwie muss man sich in der Mitte treffen können.

Das ist aber irgendwie nicht möglich. Ich habe oft genug kritisiert, dass es keine echte Flüchtlings- und Asylpolitik in Deutschland gibt. Allerdings befinden wir uns in der Europäischen Union. Und das muss nun mal europäisch verhandelt werden. In Deutschland kritisierte man lange Zeit nationale Alleingänge. Nun will Seehofer selbst einen durchziehen. Das versteht kein Mensch. Und das macht Kanzlerin Merkel auch nicht mit.

Und nun, kleines Menschenkind?

Ich habe ja viel mitbekommen, seitdem der Streit in der Union tobt. Und es lässt schon tief blicken, wenn man so oft wie in den letzten Tagen liest, dass das Theater, das da Horst Seehofer veranstaltet, einzig und allein zur Profilierung dienen soll. Meine Fresse, hier geht es nicht darum, wer die dickeren Eier hat. Hier geht es darum, wie denn diese Demokratie weitergeht und was dies für die Menschen bedeutet.

Aus Bayern hört man außerhalb der CSU, dass Horst Seehofer unbedingt alles für einen Erfolg der CSU bei der bevorstehenden Landtagswahl tun will. Man bekommt auch einfach mal um die Ohren gehauen, dass sich der Bayer verzockt hat und nun keine Wahl mehr anders habe, als zurückzutreten. Und hier ziert er sich. Es ist fast so wie:

Ich gehe jetzt!

Ja ja, machst du eh nicht.

Ich gehe jetzt wirklich!

Ja, dann mach doch.

Ihr könnt mich nicht aufhalten.

Ist schon recht so.

Na gut, ich gebe euch noch eine Chance, mich aufzuhalten.

Orr!

Was wäre wenn?

Wenn nun Horst Seehofer tatsächlich zurücktritt, was würde dann als nächstes passieren? Das weiß kein Mensch. Wenn er diesen Schritt wirklich macht, dann könnte es zur Sprengung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion kommen. Und die würde Angela Merkel politisch auch bloß nicht überleben. Aber wer denn dann? Wer sollte dann diese zerrüttete politische Landschaft in Deutschland leiten? Der Bundespräsident, bis sich irgendwer als Bundeskanzler gefunden hat?

Klar, es haben sich schon Politiker gefunden, die ihre Bundestagsfraktionen anboten, den Platz der CSU einzunehmen. Aber wenn es tatsächlich nun zum großen Knall kommt, wird es danach keine Volksparteien im eigentlichen Sinn mehr geben. Ob nun der CSU-Chef von allen Ämtern zurücktritt oder nicht, ist nur eine Nebensache. Horst Seehofer riskiert hier das Scheitern der Demokratie.

Ja, ich weiß schon, das passiert alles zum Wohl des Landes. Aber ist das so? Mir scheint, als ginge es ausschließlich um persönliche Befindlichkeiten und um eine Regionalwahl. Die Flüchtlinge, auf deren Rücken so viel ausgetragen wurde, sind hier meiner Meinung nach nur Mittel zum Zweck. Mit ihnen als Vorwand so einen Torpedo zu zünden, zeugt von Machtgeilheit um jeden Preis. Und das gehört sich nicht für eine Regierung. Mal sehen, wie es weitergeht.

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