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Rock’n’Roll im Kreml

Seien wir mal ehrlich, Wladimir Putin ist doch eigentlich ein Rocker. Irgendwie stellt man den sich mit schwarzer Lederkluft, Sonnenbrille, unrasiert und mit einer dicken Harley vor. Und eigentlich macht der auch immer mal den Eindruck, als würde er zwischen den Sitzungen im Kreml mal eben Uriah Heep oder Led Zeppelin dröhnen lassen.

Wenn man das so weiterspinnt, kommt man eigentlich auch auf die Idee, dass Putin sich abends eine Perücke aufsetzt und lustig den Head Banger mimt. Und automatisch wäre man bei dem Gedanken, dass der kleine, starke Mann in Moskau Mitglied bei den Hells Angels wäre.

So, wenn wir nun Putin so einordnen, dass er ein Rocker ist und möglicherweise auch Mitglied in einer Rockerbande, dann ergibt alles plötzlich seinen Sinn. Und auch wieder nicht. Ihm wird ja vorgeworfen, dass er auf Beutezug gegangen ist. Die Ukraine und der ganze Konflikt dazu bieten ja genügend Anschauungsmaterial. Jetzt wird sogar erzählt, Putin würde dafür sorgen, dass die Ukraine im bevorstehenden Winter kein Gas erhalten würde. Und man sagt, Russland würde sich wohl gegenüber dem kleineren Nachbarn im Südwesten überfallartig verhalten. Wie sonst wären wohl die Hilfskonvois zu erklären, die in die Ukraine „eingefallen“ sind und dann wieder nicht. Sie haben alle die merkwürdigen Nachrichten dazu mitbekommen, oder? Und jetzt soll Putin eine direkte Landverbindung zwischen Russland und der Krim erreichen wollen, weshalb er auch die Kampfhandlungen in der Ostukraine wohlwollend betrachten soll.

Sagt man alles. Man sagt aber auch, dass es Putin gar nicht so sehr in den Kram passen würde, was da vor sich geht. Es wird nämlich auch behauptet, dass zum Beispiel die Krim einfach nur teuer ist. Die Krim wäre ein gewaltiger Klotz am russischen Staatsbein. Und die Ostukraine mit dem Donbaz ist schlichtweg heruntergewirtschaftet und eigentlich ökonomisch am Ende. So, wie es hier und da klingt, kann man fast denken, dass Russland gewaltig viel Geld investieren müsste, um aus den faktisch eroberten Gebieten „blühende Landschaften“ zu fabrizieren. Das hatte ja vor 25 Jahren im Osten Deutschlands auch nicht so reibungslos geklappt. Erinnern Sie sich?

Mich plagt mehr und mehr der Verdacht, dass Wladimir Putin ein Stück weit die Kontrolle darüber verloren hat, was mit Mütterchen Russland passiert. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass da einiges ohne Zustimmung durch den Kreml abläuft. Und wenn man das einfach mal so weiter spinnt, dann landet man wieder bei diesen schwerst konservativen Leuten, die sich angeblich auf die historische Rus berufen und diese alten Zeiten wieder aufleben lassen wollen. Diese werden, so erfährt man immer wieder, vom Kreml und explizit von Putin immer wieder äußerst skeptisch betrachtet. Und nun ist es so, dass Außenstehende etwas erzählen, was man irgendwie einsortieren will.

Es ist nämlich äußerst interessant, dass man nun ganz unverblümt behauptet, dass Russland geopolitisch losgelöst sei und daher zu allem fähig sei. Und man strickt Parallelen zum Deutschland von 1933, das in einer ähnlichen geopolitischen Situation war und deshalb dieser wahnsinnige Krieg durchgezogen wurde. Würde man diesen Gedanken folgen und diese weiter denken, dann müsste man sich aber ganz schnell in Deckung begeben, da bald größeres Donnergrollen aus dem Osten vernehmbar sein dürfte. Das Ziel sei eine eurasische Allianz mit ähnlich losgelösten Staaten wie China, der Mongolei und Nordkorea. Und das wäre fatal.

Darum bleibt uns normalsterblichen eigentlich nur die Hoffnung, dass Putin wirklich nur zu viel Head Banging veranstaltet hat, dass Metallica einfach zu viel „Exit Light“ gebrüllt haben und dass sich die Situation in absehbarer Zeit beruhigen wird. Wenn allerdings Putin gar nichts dafür kann, weil die ultranationalistischen Rus-Befürworter den ganzen Kram vorantreiben, dann gilt: Kopf einziehen und Loch buddeln. Das Problem ist nämlich, dass sich viele Auskenner darin ergötzen, ewig zu mutmaßen. Und was wird dann? Wer weiß, vielleicht werden wir alle noch kolossal überrascht von russischen Entwicklungen.

Bildquelle: Blick auf den Moskauer Kreml von der Großen Steinernen Brücke über dem Moskwa-Fluss (2007) – By Минеева Ю. (Julmin) (retouched by Surendil) (Own work) [CC-BY-SA-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/1.0)], via Wikimedia Commons

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

One thought to “Rock’n’Roll im Kreml”

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