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Facebook-Logo mit Maus - (C) Simon CC0 via Pixabay.de Facebook-Logo mit Maus - (C) Simon CC0 via Pixabay.de

Der Tod kommt – Kondolenzseiten auf Facebook

Wenn Menschen sterben, trauern die Angehörigen. Es ist leichter, das Ganze in der Gemeinschaft zu tun. Bei Facebook kann man kondolieren. In der Gruppe, auf Facebook-Seiten. Es ist einfacher, den Verlust zu ertragen. Vor allem, wenn es um Menschen geht, die uns nahe stehen, die vielleicht nächste Angehörige sind, vielleicht sogar Kinder. Schlimm wird das Ganze nur dann, wenn die Trauer schamlos ausgenutzt wird. Und darüber möchte ich ein paar Worte verlieren.

geralt / Pixabay

Ich bin froh, dass in letzter Zeit niemand aus meinem Bekanntenkreis verstorben ist. Ich muss sagen, jeder trauert anders. Aber muss das über Facebook erfolgen? Nehmen wir einmal an, bei Ihnen würde jemand aus dem engsten Verwandtenkreis sterben. Möglicherweise ist dieser Mensch niemandem aus Ihren Facebook-Kontakten bekannt. Wie sinnvoll ist es dann, das Ganze auf Facebook breit zu treten? Welche Reaktionen ruft das wohl hervor?

„OMG“ oder „Mein Beileid, aber wer war das“ oder, oder, oder. Vielleicht klicken von Ihren 200 Kontakten sogar 175 auf „Gefällt mir“ oder machen sonstwas. Ich denke, damit wird die Trauer verwässert. Und irgendwann kommt vielleicht jemand auf die Idee und missbraucht Ihre Trauer. Es gibt ja die seltsamsten Auswüchse bei Facebook. Hier sollte man wirklich genau schauen, was da los ist.

Bonnybbx / Pixabay

Es gibt irgendwelche Kondolenzseiten bei Facebook. Ich meine jetzt nicht die Facebook-Fanseiten kürzlich gestorbener Stars. Sondern Seiten oder Gruppen, die von Facebook-Nutzern erstellt wurden. Dort kann die oder der Trauernde hinterlassen, um wen getrauert wird, und kann so durch solche Seiten wieder Lebensmut schöpfen und all das. Prinzipiell ist das eine nicht ganz schlechte Idee. Man sagt ja nicht umsonst: Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Aber es gibt eben auch Betrüger unter den Nutzern solcher Seiten und Gruppen. Irgendwann werden trauernde Nutzer in Chats oder Diskussionen verwickelt. Und auch wieder unter dem Geteiltes-Leid-ist-halbes-Leid-Motto werden angebliche Spendengelder eingesammelt, weil die kleine Laura neulich den Eltern aus dem Leben gerissen wurde. Wer trauert, befindet sich eh im Gefühlschaos. Und Trauernde sind dann empfänglich für solche Dinge. Das Problem ist nur, dass es keine kleine Laura gibt. Zum Glück, möchte man sagen. Aber das Geld ist weg.

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Mit Trauer spielt man nicht. Das gehört sich einfach nicht. Und wenn dann eine echte Facebook-Seite zur Kondolenz vorhanden ist, wird man skeptisch, ob die denn auch wirklich echt ist. Unterm Strich kann man da wahrscheinlich am ehesten die Konsequenz ziehen, dass die Trauernden lieber außerhalb von Facebook trauern. Ich kann es gut verstehen, dass man nicht allein trauern will. Aber ich denke, im Kreise der Familie und der Freunde ist man dann besser aufgehoben als bei Facebook.

Wenn nur die Internet-Konzerne die gestorbenen Nutzer auch endlich gehen lassen würden, wäre es vielleicht für reelle und digitale Freunde einfacher, Abschied zu nehmen. Und wer weiß, vielleicht würden dann auch weniger auf die Trauer-Scharlatane hereinfallen. Zu wünschen wäre es denjenigen, die um jemanden trauern. Denn damit spielt man – wie gesagt – nicht. Und damit macht man auch keine Geschäfte. Ich bin skeptisch bei denn Trauerseiten und Trauergruppen. Aber wie sehen Sie diese Dinge?

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 Gedanken zu „Der Tod kommt – Kondolenzseiten auf Facebook

  1. Es ist schon etwas befremdlich, ist aber vielleicht auch der digitalen Zeit geschuldet. Es gibt ja schon länger Seiten, wo man den Verstorbenen etwas schreiben kann.
    Ich habe vor einiger Zeit schon mal über das Thema: „QR-Codes auf Grabsteinen“ geschrieben. Da wurde überlegt, wie man Missbrauch unterbinden kann. Missbrauch, dass man auf einer Seite landet, die Kommentare erlaubt. Das können dann ja auch schlechte und unwahre sein. Oder die Friedhofsruhe würde durch Musik gestört.
    Schlecht über Verstorbene zu reden, gehört sich für mich einfach nicht, daher halte ich von den Möglichkeit, wo man das „theoretisch“ kann, nicht ganz so viel.
    Für meine Generation mag der Online-Nachruf wenig vorstellbar sein. Was aber mit Menschen, die digital aufwachsen und dem Medium viel Zeit und Raum widmen. HG Hans

    1. Hallo Hans, klar ist das Alles der Digitalisierung geschuldet. Ich finde mich aber mit so etwas nicht zurecht. Ich finde es etwas befremdlich, wenn Nutzer in Kondolenz-Gruppen kundtun, ein Bekannter, Freund oder Verwandter sei verstorben, und sie bekommen dafür Likes und dergleichen. Das ist schon irgendwie seltsam. Aber vielleicht liegt das daran, dass wir da wirklich schon etwas in die Jahre gekommen sind.

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