Deutsche Blogger sind nicht organisiert

Es ist kein schöner Titel für einen Artikel zu dem Thema, welches ich anreißen will. Es handelt sich wieder einmal um die Vorteile des eigenen Blogs gegenüber sozialen Netzwerken und ums Vernetzen. Mich haben hierzu gleich mehrere Artikel animiert, sodass ich gar nicht anders kann, als darüber zu schreiben.

Ein Blog ist ein Tagebuch. Das ist ja hinlänglich bekannt. Das kann ich ja auch sonstwo führen, nicht wahr? Facebook und Google+ bieten sich gerade dazu an. Ich schreibe darüber, was mich beschäftigt, schimpfe über Dinge, die ich nicht gut finde und so weiter. Tolle Sache. Kostet auch nix. Das bisschen Werbung, was da Facebook einblendet, ist mir doch egal, nicht wahr?

Aber: Ich kann zwar einschränken, wer das Geschriebene alles lesen kann. Aber ich habe keinen Einfluss darauf, ob sich Facebook tatsächlich daran hält. Und was noch viel schlimmer ist: Wenn Facebook irgendetwas, das ich geschrieben habe, nicht toll findet, kann der Betreiber den Beitrag löschen. Facebook gehört schließlich das Netzwerk. Sie sind der Herr im Ring. Und man übt natürlich das Hausrecht aus.

So geschehen beim WDR-Talker Jürgen Domian. Der hatte sich neulich über Papst Franziskus geäußert. Auf Facebook. Und zudem recht kritisch. Überraschung: Wenig später war der Eintrag wieder gelöscht. Und darüber hatte er sich dann auch kolossal aufgeregt.

Das wäre ihm nicht passiert, wenn er das in einem eigenen Blog geäußert hätte. So lang er sich da an die gesetzlichen Gegebenheiten gehalten hätte, wäre nichts passiert, und niemand hätte den Eintrag gelöscht. Hätte ja auch niemand gedurft. Denn in meinem Blog bin ich der Chef und übe das Hausrecht aus.

Aber Blogs sind in Deutschland vergleichsweise schlecht organisiert. Genau genommen, existiert keine Organisation. Es gibt vage Vermutungen, wie viele Leute in Deutschland überhaupt bloggen. Aber echte Zahlen und eine enge Vernetzung gibt es leider nicht. Da ist man zumindest in Deutschland besser über soziale Netzwerke vernetzt. Und das wird wohl Jürgen Domian zu seiner Äußerung über Facebook getrieben haben. Anders kann ich es mir nicht erklären.

Aber warum sind deutsche Blogger nicht organisiert? Es geht ja schon los mit dem Linkgeiz. Der typische deutsche Blogger lebt in seinem Biotop und spielt Eigenbrödler. Verlinkt wird recht selten auf andere Blogs. Und wenn, dann wird mit „NoFollow“ verlinkt. Kommentiert wird unter Bloggern auch recht selten. Warum das so ist, weiß ich nicht. Und vor diesem Hintergrund sollen sich deutsche Blogs organisieren? Oh, my goodness!

Richard Gutjahr, preisgekrönter freier Journalist u.a. für die ARD, für die Münchner Abendzeitung und für den Berliner Tagesspiegel, schreibt in seinem Blog über Domian. Und er findet auch, dass man lieber selbst bloggen sollte als in einem sozialen Netzwerk seine Gedanken abzusondern. Er schließt seinen lesenswerten Artikel mit folgenden Worten:

Diskutiert mit – je konstruktiver desto besser! Mischt Euch ein! Bloggt! Ihr habt sicher mehr zu sagen, als nur alle vier Jahre durch ein Kreuz in der Wahlkabine.

Warum?

Weil Ihr es könnt.

Damit hat er zweifellos Recht. Auch wer nicht so richtig der Schreiberling ist, sollte seine Gedanken einfach niederschreiben. Wenn man dann Korrektur liest oder von anderen Kontrolle lesen lässt, entstehen sicherlich sehr lesenswerte Artikel. Thema: Egal.

Aber organisiert ist man deshalb noch lange nicht. In dem Kommentaren zum Blogartikel von Richard Gutjahr finden sich interessante Ansätze, wie man sich organisieren könnte. Und ehrlich, das ist auch bitter notwendig. Und zwar nicht zuletzt wegen rechtlichen Fragen und Unterstützungen bei sonstwas.

Die Medienverlage schaffen es ja auch, sich zu organisieren (BDZV). Und da ein Blogger in den Gedanken von Christoph Keese, Axel Springer Außenminister, auch ein Verleger ist, sollte man vielleicht ernsthaft über eine gewisse Organisation nachdenken. Der Bundesverband Deutscher Blogger, BDB. Was halten Sie von so etwas?

Ich habe keine Vorstellung, wie man so etwas macht. Aber es sollte tatsächlich gemacht werden. Gern auch mit dem einen oder anderen Euro pro Jahr als Beitrag. Denn sonst ist es doch so, dass solche genialen Aktionen wie im Dezember 2009 in Italien in Deutschland auf ewig nicht denkbar sind. Man schimpft immer nur, aber etwas tun will dann doch niemand.

Also tut etwas. Bloggt. Verlinkt andere. Tauscht euch aus. Organisiert euch.

Amen.

Über Henning Uhle
Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

3 Kommentare

  1. Hallo Henning,
    schöner Artikel und ich bin auch der Ansicht, dass es auf den deutschen Blogs zu wenig passiert. Es wird schon gebloggt und etwas diskutiert, aber es könnte natürlich etwas mehr vom Ganzen sein. Das Hauptgeschehen auf den Blogs gilt den Social Networks und man eröffnet lieber dort Diskussionen aller Art und ob sich das jemals ändern wird, wissen wir ehrlich gesagt nicht. Ich persönlich gebe trotzdem nicht auf und blogge – jetzt regelmässiger und kommentiere auch gerne auf anderen Blogs und verlinke sowieso. Ich würde auch gerne wissen, wie viele Blogger es in Deutschland offiziell gibt. Es gibt da wahrscheinlich keine genauen Statistiken, aber es sind schon Hundert Tausende, nehme ich stark an.

    Antworten
  2. […] könnte nun wieder einmal hervorbringen, dass es doch besser ist, wenn man einen Blog betreibt. Aber das ist jetzt gar nicht das Thema. Wer […]

    Antworten
  3. […] Bereits im März habe ich darüber geschrieben, dass deutsche Blogger nicht organisiert sind. Und dort habe ich etwas geschrieben, das ich einfach mal zum Thema mit zitieren muss: […]

    Antworten

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.