Skip to main content
Blog-Zukunft - (C) Geralt Altmann CC0 via Pixabay.de Blog-Zukunft - (C) Geralt Altmann CC0 via Pixabay.de

Erde an Zukunft – Was wird mit Blogs passieren?

Erde an Zukunft – Wie gern ich diese Sendung sehe! Ich bin beeindruckt, wie sich Fernsehmacher mit der Zukunft der Welt beschäftigen können. Moderator Felix Seibert-Daiker bringt Woche für Woche auf dem KIKA von ARD und ZDF spannende Themen rund um die Frage: Wie stellen wir uns die Welt von morgen vor? Für mich eine der besten Sendungen des deutschen Fernsehens. Und Grund genug, mich mal mit der Frage auseinander zu setzen, was mit den Blogs in der Zukunft passieren wird. Der KIKA wird mir hoffentlich die Verwendung des Titels verzeihen.

Blogs gibt es seit vielen Jahren. Wirklich nennenswert sind sie aber erst seit etwa der Jahrtausendwende. Leute kippen ihre Gedanken und Emotionen ins Netz. Leute haben einen Blog in Gemeinschaftsarbeit am Laufen, den sie wie ein Magazin betreiben. Leute betreiben Blogs, um damit Geld zu verdienen. Es gibt Blogs zu allen auch nur entfernt denkbaren Themengebieten. Aber die Welt der Blogger – die so genannte Blogosphäre – ist zersplittert, fragmentiert, steht in einem heißen Neid- und Verdrängungswettbewerb. Jeder tut so, als wäre er der Meister und weiß, wie die Welt tickt.

Sag mal, liebes Internet, wie soll das weitergehen? Wie wird die Zukunft der Blogs aussehen? Wird es überhaupt eine geben? Oder wird sich alles im Laufe der Zeit ändern?

Am Anfang war es so, dass man sich zu allerlei Themen geäußert hat. Das war, bevor es hip wurde, sich in den sozialen Netzwerken und den diversen Video-Plattformen und so herumzutreiben. Man war in seiner eigenen Welt gefangen und wurde schon häufiger als wunderlich angesehen. Um die Gemeinschaft zu stärken, wurde aber aufeinander verlinkt. Damals hat man sich wahrscheinlich einen feuchten Kehricht darum geschert, was irgendwelche Analyse-Werkzeuge da aussagten. Man wollte sich selbst nur eine Stimme im Netz geben.

Und dann ging das irgendwann los, dass sich irgendwelche SEO-Heinis hervortaten, die den Bloggern erzählen wollten, wie sie mehr Reichweite zusammenbekommen könnten. Und plötzlich fingen Blogger an, ihre Blogs zu optimieren. Und es entstanden Blogs, die hauptsächlich darin bestanden, mit Werbeanzeigen Geld zu verdienen. Durch geschicktes Marketing landeten die ganz oben in Suchergebnissen und verdienten so Geld.

Diejenigen, die da einfach nur vor sich hin bloggen wollten, wurden fast gar nicht mehr wahrgenommen. Und es kam der bis heute unfassbare Hype dazu, dass jeder, der etwas auf sich hielt, sich auf Facebook oder so produzierte. Zudem kam dann noch Youtube daher, und neuerdings sind es Snapchat, Periscope und wie sie nicht alle heißen. Aber muss das denn alles sein? Muss ein Blogger denn alle diese Gelegenheiten und Kanäle nutzen? Ich denke, das Ganze könnte anders laufen.

Blogger müssten einfach mal über ihren Schatten springen. Bisher brodeln ja viele nur allein vor sich hin. Niemand muss aber alles machen können. Dem einen sind Videos lieber als Texte, einem anderen vielleicht Grafiken und Fotos, der nächste macht gern Anleitungen, und wieder einer ist eher der Leitartikel. Warum also bildet man nicht einfach Netzwerke? Im Journalismus gibt es das doch auch.

Blogs können doch eigentlich dafür genutzt werden, dass man Dinge einfach mal ausprobiert. Es geht doch nicht darum, dass man schneller ist als die Medien. Niemand muss den Otto-Waalkesken Harry Hirsch nachahmen, wenn es darum geht, den Blog zu befüllen. Es geht vielmehr darum, dass Blogs da anfangen, wo die klassischen Medien immer öfter aufhören. Wo sich Medien mit „Exklusiv!“ und „Breaking News!“ und all dem überschlagen, tröten sie eh die Blogs in die hinteren Ränge. Aber dann ist das jeweilige Thema für die Medien erledigt, und Blogs können anfangen, das Alles durch Recherchen, Tests, Untersuchungen und Analysen aufzuarbeiten und ins rechte Licht zu rücken. Oder wie Robert Basic sagt:

Umgekehrt bedeutet das einen erschreckenden Mangel an Tiefenbohrungen, an ausführlicher und ausgewogener Betrachtung. Sie haben keine Zeit dafür. Selbst ihre sogenannten Dossiers sind erschreckend schwach an Informationstiefe und -qualität. Das ist eure zunehmende Chance, die Verlage exakt da zu schlagen, was sie selbst von sich behaupten: Die Hüter der Qualität zu sein!

Und das, liebe Mitblogger, geht nur gemeinsam. Wer hat denn schon in jedem Fall die Zeit, die Gelegenheit, das Wissen oder eben die Ausrüstung, das Alles allein zu machen? Wie ich oben skizziert habe, kann man die Kompetenzen anderer nutzen und ihnen auch mit eigener Kompetenz weiterhelfen. Oder wie der Alexander Liebrecht im August letzten Jahres zum Thema schrieb:

Was ich mir aber fest wünsche, dass die deutschen Blogger mehr zusammenarbeiten und zwar so, dass beide Seiten davon profitieren können. Man muss solche Kooperationen schätzen.

Und die Leser sollten auch davon profitieren können. Denn was sind denn Blogs ohne das entsprechende Publikum? Dann wären wir ja auch wieder bei den Gedanken-Müllhalden der Geeks, Freaks und Nerds. Es kommt doch keiner auf die Idee, sich unzählige Blogs zu abonnieren. Dann nämlich wird auch wieder nur unnützer Datenverkehr produziert. Das fand auch Jannis Kuchartz vor 2,5 Jahren:

So genial RSS ist, es ist einfach zu geeky. Eigentlich wäre es doch schön, wenn man einen zentralen Ort hätte, an dem man all die Blogs lesen kann, die man möchte. Neue, interessante Vorschläge bekommt etc.

Nein, es muss so werden, dass die Leser eine App an der Hand haben, die sie so befüllen können, wie sie möchten. Durch einen Artikel eines Blogs, den sie darüber abonniert haben, stoßen sie auf einen weiteren Blog, den sie so genial finden, dass sie ihn auch gleich mit abonnieren. Ohne Werbung, ohne RSS und all dem Firlefanz. Damit will sich doch der Leser gar nicht herumschlagen. Der will dann eher ganz einfach auf dem Smartphone oder dem Tablet irgendwas lesen, was er selbst als lesenswert eingestuft hat. Und diese Abonnements möchte der Leser vielleicht auch mit Lesezeichen oder solchen Dingen auf seinen Computer synchronisiert haben, sodass nicht mehr gesucht werden muss, was bereits gelesen wurde.

Aber dafür muss jeder Blogger erstmal über seinen Schatten springen. Man faselt immer wieder von Schwarmintelligenz und all dem Kram. Aber wirklich intelligent ist das nicht, wenn 30 Blogger das nachkauen, was 20 andere Blogger eine Stunde vorher in die Runde gehauen haben; und wenn all diese 50 Blogger mit „Like uns auf Facebook und abonniere unseren Newsletter“ um Leser und Aufmerksamkeit betteln. Leser, Kunden, Konsumenten werden mit derart vielen Eindrücken über den Tag verteilt bombardiert, die wollen sich dann einfach nicht mehr mit irgendwelchen Bannern und dem unnützen Unsinn herumschlagen. Die wollen es einfach und übersichtlich. Und dann wären die vielleicht auch dazu bereit, für diese Abonnements irgendeinen Betrag zu bezahlen, sodass kein Blogger mehr um „Schalte bitte deinen AdBlocker ab“ betteln muss.

Es wurde ja auch immer wieder behauptet, dass das Bloggen tot sei. Da wird immer wieder auf die Wichtigkeit von sozialen Netzwerken und Videoportalen hingewiesen, dass dieses dem Blog vorzuziehen sei. Aber ich bin davon überzeugt, dass der Blog immer lebendig sein wird, sofern sich die Blogger nicht zu schade sind, sich hin und wieder neu zu erfinden. Das gilt in meinen Augen auch für die PR-Branche. Nur auf einen Kanal zu setzen, ist doch irgendwie 2005. Insofern kann ich die Aussage von Dirk Ploss nicht ganz teilen:

Bloggen? Nice. Social Media? Jo, muss sein. YouTube? Pflicht! Pflicht! Pflicht!

Machen wir uns einfach frei von irgendwelchen festgetrampelten Wegen. Wie gesagt: Es gibt genügend Leute da draußen, die alle irgendwas spezielles können. Man kann sich doch einfach zusammentun. Ob es die verschiedenen Medien (Text, Bild, Video) sind oder das Teilen eines Publizierungskanals (eine große App für alle) – Blogger müssen einfach mal über ihren Schatten springen.

Erde an Zukunft – Wollen wir in Zukunft gehaltvoller informieren und informiert werden, müssen wir zusammenarbeiten. Nicht mehr Inhalt pro Person ist richtig, sondern mehr Gehalt pro Thema ist richtig. Die Zukunft des Bloggens könnte sehr rosig sein. Nicht nur, was Einnahmen für die Blogger betrifft. Auch, was den Mehrwert der Leser betrifft. Man müsste es eben nur in aller Konsequenz wollen.

Ob das Alles so richtig ist? Keine Ahnung. Niemand weiß, wie die Welt in 10, 20 Jahren aussieht. Aber wenn wir es nicht versuchen, werden wir unsere Zukunft niemals mitgestalten können. Und wollen wir das? Wollen wir, dass sich die Welt so verändert, dass wir diese Entwicklung nicht gut finden? Zu viel ist in dieser Art schon schief gegangen. Vielleicht können wir wenigstens in Sachen Blogs etwas positives beitragen. Wer weiß das schon?

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

12 Gedanken zu „Erde an Zukunft – Was wird mit Blogs passieren?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *