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Gesichtspalme #32 – Browser mit integriertem Werbeblocker?

Die Webseiten-Betreiber sind allesamt Wegelagerer mit ihrer Werbung. Die muss geblockt werden. Am besten gleich vom Browser her, nicht wahr? Gestern habe ich noch darüber geschrieben, was das Bloggen so kostet, und heute lese ich von einem Browser, der einen Werbeblocker gleich mal mitbringt. Und das vor dem Hintergrund, dass der Betreiber des Werbeblockers eher krude Geschäftspraktiken hat. Das muss man nicht gut finden, kann man aber. Mich treibt es aber dazu, eine dicke, fette Gesichtspalme zu vergeben.

Kennen Sie Maxthon? Die hatten mal jahrelang irgendwie einen Aufsatz für den Internet Explorer gebastelt, um diesen irgendwie cooler und besser erscheinen zu lassen. Es waren wohl mehr Funktionen als beim Browser von Microsoft gegeben. Und deshalb nannte man das Ganze auch „Browser“ und nicht „Browser-Aufsatz“. Aber genau das war es lange Zeit.

Ich habe den Maxthon auch mal eine Weile lang verwendet. Der hatte sogar eine „Boss-Taste“, die den Maxthon verschwinden ließ, wenn der Chef kam. Eine nette Spielerei, aber seit der Einführung von Tabs in den drei großen Browsern und durch sinnvolle Privatsphäre-Einstellungen war Maxthon an sich überflüssig geworden. Trotzdem gibt es den nach wie vor.

Und jetzt haben die chinesischen Entwickler gemeinsam mit – man höre und staune – dem Werbeblocker-Netzwerk AdBlock Plus einen Browser vorgestellt, in dem gleich mal ein Werbeblocker integriert ist. Ja, mit AdBlock Plus, bei denen Werbetreibende und Webseiten-Betreiber eine von AdBlock Plus frei wählbare Summe X bezahlen, damit trotz Werbeblocker die Werbung angezeigt wird. Wie finden Sie denn das? AdBlock Plus verdient mit einem solchen Modell gehörig viel Geld. Und daran will Maxthon mitverdienen, nachdem vor knapp 8 Jahren der Hedgefond-Betreiber „CRV“ 5 Millionen US-Dollar in Maxthon gesteckt hat.

Maxthon hat wohl sogar erklärt, dass die Werbetreibenden nicht nur störend, sondern gar hinterlistig seien. Also halten wir damit mal fest: Google-Werbung, Adiro-Werbung (die auch hier zum Einsatz kommt) und all die Werbetreibenden dieser Welt sind alles hinterlistige Gauner, wenn man da Jeff Chen von dem Unternehmen richtig versteht. Wenn sie sich da mal nicht mit den falschen Leuten anlegen.

Die Browser-Bude kommt ja sogar auf die Idee zu behaupten, dass Internet-Nutzer „Malvertising“ (was für ein Wort!), Verfolgungsinitiativen (wo ist mein Aluhut?) und Werbekampagnen ausgesetzt sind. Ausgesetzt! Ist klar! Also wenn ich eine Seite besuche (damit meine ich nicht meine, damit das klar ist), dann fühle ich mich meistens nicht üblem Zeug „ausgesetzt“. Gut, jetzt weiß ich nicht, wie das mit Porno-Portalen und illegalen Download-Portalen und deratigem halbseidenem Zeug aussieht. Aber die meisten Webseiten arbeiten schon recht vernünftig. Wenn dann doch mal ein dabei ist, die unverbesserlich ist, dann braucht man sie ja nicht mehr zu besuchen.

Aber eben einfach Webseiten-Betreibern per se zu unterstellen, sie würden die Besucher verfolgen, ihnen generell irgendwelche Schadsoftware unterjubeln und sie mit Werbung überfluten, ist gelogen und eine ganz – Entschuldigung – beschissene Kampagne von Maxthon und AdBlock Plus. Ich meine, im Falle des Werbeblocker-Haufens ist es doch so, dass die selbst scannen und Nutzerdaten einsammeln. Jetzt wollen die sogar Nutzer einsammeln, die so doof sind, den Browser zu verwenden und sich dann gar nicht mehr gegen das eigene Tracking von AdBlock Plus wehren.

Schämt euch. So ein Blödsinn ist einfach nur Täuschung der Internet-Nutzer. Und per se alle Anbieter von Werbung als „skrupellose Werbetreibende“ zu beschimpfen, ist schon fast üble Nachrede. Es mag immer schwarze Schafe geben. Aber alle über einen Kamm zu scheren, ist verlogen. Lesen Sie einfach die Pressemitteilung bei „it-i-ko“.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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