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Architekt der Utopie - (C) Geralt Altmann CC0 via Pixabay.de

Reiner Internetoptimismus – Eine Utopie zum Internet der Zukunft

„Wonderful Land“ – Ein wundervolles Land. 1962 kam die britische Instrumental-Rockband „The Shadows“ mit einer wundervollen Melodie daher, die weltbekannt wurde. Das wundervolle Land, in welchem Träume wahr werden, wurde hier in knapp 3 Minuten musikalisch beschrieben.

Ich möchte eine einfache Utopie niederschreiben, wie wohl das Internet einmal sein könnte. Vor dem Hintergrund von Klagewut, Abmahnwahn, Bezahlschranken, Abhörwahn und dergleichen mehr herrscht derzeit eher eine generelle digitale Skepsis als ein Internetoptimismus. Dabei bietet das Internet so viel. Es könnte das „Wonderful Land“ sein, das „The Shadows“ meinen, wenn man all dem, was sich an Verabscheuungswürdigem manifestiert hat, den Rücken zukehren kann und all das überwindet.

Mir ist klar, all das, was jetzt folgen wird in dem Artikel, ist unausgegoren und lässt sich wahrscheinlich gar nicht so umsetzen. Daher ist es ja auch eine Utopie. Patrick Breitenbach, Dozent und digitaler Botschafter an der Karlshochschule International University in Karlsruhe, rief jüngst zu einer Blogparade auf, um einfach mal über ein Internet der Zukunft zu spinnen und um etwas für den Internetoptimismus zu tun. Und ich beteilige mich daran.

Das Internet bietet ja kolossale Möglichkeiten. Wer immernoch glaubt, das Internet würde nicht benötigt werden und wäre nur Humbug oder etwas für Spinner, der irrt. Aber was ist aus dem Internet bis ins Jahr 2014 geworden? Diente die Technologie erst dem Austausch von Informationen zwischen Wissenschaftlern, wurde es bald vom Militär entdeckt. Und irgendwann fand das Internet den Weg in die Unternehmen, und wieder etwas später kam es in die Wohnstuben und sogar Kinderzimmer. Mittlerweile treibt es sich sogar auf Mobiltelefonen und in Autos herum.

Wäre es mal nur beim Austausch geblieben! Man kann wunderbar kommunizieren und Interessen, Erfahrungen, Technologien, Wissen und all das miteinander austauschen. Das Internet beherbergt ziemlich das gesammelte Wissen der Menschheit. Aber was hat man daraus gemacht? Wie ist man mit diesem Schatz umgegangen?

Man hat das Internet als Selbstbedienungsladen hingenommen. Wer schon irgendwann mal versucht hat, kostenlos an irgendein Lieblingslied zu gelangen, der weiß, was ich meine. Aber es gibt ganze Firmen, ganze Netzwerke, die daraus ein lukratives Geschäft gemacht haben. Sicher liegt das auch an den Musikkonzernen, die sich lange Zeit einfach zu fein dafür waren, über zukunftsträchtige Geschäftsmodelle nachzudenken. Stattdessen wurden die alten und überholten Praktiken weiter als die große Zukunft angesehen und gegen die Selbstbedienung juristisch vorgegangen. Das bringt aber niemanden auf Dauer weiter, hier muss man intelligenter sein. Und zwar sowohl auf Nutzer- wie auf Anbieterseite.

Ein anderes Beispiel sind Medien. Wie oft wurde darüber gefachsimpelt, dass Medienkonzerne im Internet nichts verdienen. Das soll angeblich daran liegen, weil die Nutzer die Werbebanner ausblenden und sich daher kostenlos bedienen. Offenbar scheint aber dieses Jammern nicht wirklich ehrlich gewesen zu sein, denn es kommen immer wieder Meldungen zutage, nach denen die Medienkonzerne exorbitante Einnahmen im Internet generieren. Also Jammern auf hohem Niveau? Und weil das ja alles im Internet keine Einnahmen bringt, muss man Bezahlschranken einrichten und dem Nutzer suggerieren, nur durch diese Bezahlschranken würde guter Journalismus wieder bezahlbar sein. Ein wenig mehr Ehrlichkeit wäre hier durchaus angebracht.

Aber wie sieht es denn mit wirklichen Problemen aus, die Bürgerrechte betreffen, die jeden Menschen angehen, die jedes Unternehmen angehen? Wie sieht es denn mit Wirtschaftsspionage und Überwachung aus? Seit Sommer 2013 erlebt das Internet einen Schock nach dem anderen. Dass das Internet überwacht wird, war vielen klar. Aber die Ausmaße hat niemand geahnt. Und hier muss man wirklich eines sagen:

Überlassen wir doch den Geheimdiensten, den Cyberkriminellen, den Wirtschaftsspionen, den illegalen Downloadern und den Abmahnern das Feld und bauen uns ein neues Netz. Nennen wir es meinetwegen „Cybernetz“. Einen wüsten Gedanken dazu hatte ich bereits in meiner fiktiven Geschichte „Frühjahr 2016„. Aber wie könnte das denn aussehen?

Es könnte vor allem fair sein. Es wird auf gegenseitigen Austausch gesetzt. Und dieser gegenseitige Austausch wird vorausgesetzt. Jeder, der dieses Cybernetz nutzen möchte, hat einen Beitrittsvertrag zu unterschreiben, der regelt, dass weder Technologie noch Wissen noch Kunst gestohlen wird. Eine unrechtmäßige Nutzung – also eine Nutzung, die im Beitrittsvertrag nicht geregelt ist – führt zur netzweiten Anprangerung und zum Ausschluss.

Das Cybernetz könnte durchaus von jedem Mitglied finanziert und ausgebaut werden. Jeder kann mithelfen, natürlich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten. Sämtliche Gebühren für Durchleitung, Anschluss und dergleichen würden entfallen. Da jedes Mitglied einzahlt, sind keine Drosselungen und ähnliche Dinge notwendig.

Und wer entscheidet über Anprangerungen und Ausschlüsse? Jedes beigetretene Mitglied kann Verstöße gegen den Beitrittsvertrag melden. Dazu würde es eine zentrale Komission geben. Und die Mitglieder der Komission werden zu einem festgelegten Turnus gewechselt. Jeder kann und soll regelmäßig Mitglied in dieser werden. Und somit kann jeder bei der Gestaltung des Cybernetz mitarbeiten.

Und was hat man denn davon? Es geht ja nicht nur darum, dass man nur zahlt und regelt und gestaltet. Nein, man kann alle Dienstleistungen in diesem Cybernetz unbeschränkt nutzen. Alle Informationen sind frei zugänglich. Datenverkehr wird nicht überwacht. Nachrichten finanzieren sich durch die eingezahlten Beiträge. Kultur auch. Technologie auch. Werbung und illegale Medienbeschaffung wäre nicht mehr notwendig, da alles durch die beigetretenen Mitglieder bezahlt ist.

Und Überwachung könnte durch jedes beigetretene Mitglied gemeldet und dann durch die Gemeinschaft angeprangert werden. Überwachungsskandale zählen zu den Dingen, die die Grundrechte zerstören. Und damit wären sie dazu geeignet, dass diejenigen, die so etwas tun, ausgeschlossen werden. Ebenso diejenigen, die Schadsoftware verbreiten. Jedes Stück Software – jede Datei, jedes Programm, jedes Video, jedes Bild – wird vor dem Einbringen ins Cybernetz über Schleusenrechner auf Schadcode untersucht und erst bei einwandfreiem Zustand eingelassen.

Freilich wäre dies eine kolossale Veränderung. Der Nutzer müsste sich gegenüber dem Internet in der jetzigen Form komplett in seinem Verhalten verändern. Aber stellen Sie sich einmal vor, was dadurch möglich wäre. Keine Schüffelsoftware, keine Viren, keine Trojaner, keine Überwachung mehr. Unbedenkliches Surfen, freie Meinungsäußerung, unbeschwertes Lernen und Beschaffen von Information, spionagefreies Zusammenarbeiten zwischen Wissenschaftlern und Unternehmen. Wäre es das nicht wert, einen regelmäßigen Beitrag zu zahlen, sich an gewisse Regeln zu halten, an der Ausgestaltung des Cybernetz mitzuarbeiten? Wäre es das nicht wert, wieder optimistischer über das Netz nachzudenken?

Klar, das ist alles rein utopisch. Aber so war ja auch der Denkanstoß von Patrick Breitenbach gedacht. Ich habe einfach mal etwas gesponnen. Nichts davon ließe sich ohne weiteres umsetzen. Und wahrscheinlich will das die Facebook-Whatsapp-Gemeinde gar nicht. Wahrscheinlich kommt man lieber mit einem Schulterzucken und einem „Ich habe nichts zu verbergen“ daher, als dass man sich über Alternativen unterhält, wie das Netz, wie wir es kennen, besser werden kann.

Das Internet ist nichts schlechtes. Es dient der Verbesserung. Es hatte nie den Auftrag, eine Macht auszuüben. Aber es gerät mehr und mehr in die falschen Hände. Und dem muss man entgegen wirken. So naiv oder utopisch solche Ideen auch immer sind, sie sollten einem einzigen Ziel dienen: Schüren wir wieder etwas mehr Internetoptimismus.

Und wie lautet Ihre Utopie? Wenn Sie einen Blog betreiben, können Sie gern auf den oben verlinkten Artikel von Patrick Breitenbach verweisen und Ihre eigene Utopie aufschreiben. Nutzen Sie dazu noch Twitter, dann können Sie dem @breitenbach von Ihrem #Internetoptimismus erzählen. Er ist sicher gespannt auf Ihre Sicht der Dinge.

Bildquelle: Architekt der Utopie – (C) Geralt Altmann CC0 via Pixabay.de

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 Gedanken zu „Reiner Internetoptimismus – Eine Utopie zum Internet der Zukunft

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