Facebook als Seelsorger

Über unsere Lieblings-Community Facebook wird ja allerlei gesprochen und geschrieben. Unter anderem soll ja Facebook die Profile ausspionieren und einerseits „passgenaue“ Werbung platzieren. Es gibt auch Gerüchte, wonach Facebook Profildaten weitergibt.

Jetzt gibt es eine Wendung in der Facebook-Diskussion. Jetzt kommt es bald zu einer kirchlichen Seelsorge in Facebook.

Nach Ansicht von Oberkirchenrätin Karen Hinrichs ist die Kirche zu wenig im Internet vertreten. Es fehle wohl der Kontakt zu Leuten, die sich viel im Internet bewegen, und dies gelte es zu ändern. Die Beschränkung auf herkömmliche Seiten ist scheinbar auch in den Augen der Kirche nicht mehr zeitgemäß.

„Was uns fehlt, sind Seelsorge-Angebote – auch in sozialen Netzwerken wie Facebook oder StudiVZ“, sagte die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der badischen Landeskirche der Nachrichtenagentur dpa. Die ökumenisch organisierte Telefonseelsorge habe bereits begonnen, die neue Technik einzusetzen und biete Ratsuchenden ihre Hilfe auch in Chats oder über Email an.

Allerdings tut sich die Kirche insgesamt mit dem Internet noch schwer. Der Stellenwert, den das Internet bei der jüngeren und mittleren Generation erreicht habe, sei vielen älteren Pfarrerinnen und Pfarrern nicht bewusst. Zudem sei es schwer, bei zurückgehenden Einnahmen neue Internet-Stellen zu schaffen.

Durch die Abkoppelung von der so genannten Internetgemeinde wird ein Grundproblem der Kirche deutlich, da durch diese Haltung nicht mehr alle Milleus erreicht werden. Sozialwissenschaftler unterteilen die Gesellschaft in diese verschiedenen Gruppen, die sich durch ihre Werte, Interessen und Lebensumstände unterscheiden. Für die Kirche interessierten sich hauptsächlich die bürgerlichen Milieus, erläuterte die Oberkirchenrätin.

Allerdings solle man nun nicht den Fehler machen und sich wie ein Chamäleon anzupassen. Lieber solle man sich Helfer suchen, um den Graben zwischen der eigenen und der fremden Lebenswirklichkeit zu überwinden.

Wo früher die Kirche Hausbesuche gemacht hat oder generell dahin zu gehen, wo die Menschen sind, muss sich die Kirche jetzt also in die Communities begeben. Dieswes spannende und interessante Thema wird uns wohl noch eine ganze Weile verfolgen.

Möglicherweise hat Frau Hinrichs ja die Facebook-Kirche gefunden. Die beschreibt sich als „ein Ort der Gemeinschaft, ein Ort der gegenseitigen Ermutigung und ein Ort, an dem unser Herr Jesus Christus geehrt wird“.

Ist da Facebook der Frau Rätin zuvor gekommen? Oder soll die Facebook-Kirche langsam professionalisiert werden?

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