Facebook Fanpage: Der EuGH macht sie alle kaputt

Wissen Sie, was eine Facebook Fanpage ist? Das sind die Facebook-Seiten von Webseiten, Unternehmen und Anbietern aller Art. Zumindest in Europa könnte es damit nun vorbei sein. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat Betreibern einer solchen Facebook Fanpage unerbringliche Pflichten aufgebürdet. Fernab der Realität. Damit ist es nun klar, dass Europa ohne florierende Internet-Wirtschaft existieren möchte. Aber mal langsam.

Was ist denn eine Facebook Fanpage genau?

Eine Facebook-Seite – oder halt eine Facebook Fanpage – ist ein Instrument für allerlei Anbieter, um Social Media Marketing oder Public Relations zu betreiben. Nutzer können sich eine Facebook Fanpage erstellen, wenn sie es denn möchten oder für ihr Geschäft benötigen. Und es können beliebige Seiten abonniert werden. Eine Facebook Fanpage läuft auf der Plattform von Facebook, sie wird demnach auch in jeder App für das soziale Netzwerk angezeigt.

Ich habe ja auch eine Facebook Fanpage. Aktuell habe ich 141 Abonnenten. Für mich ergibt sich dadurch die Möglichkeit, die Aktivitäten rund um den Blog und meine persönlichen Aktivitäten bei Facebook zu trennen. Ich hatte immer wieder vorgehabt, die Seite zu schließen. Die Facebook Fanpage war damals aus dem Grund entstanden, weil ich mit einer Erweiterung für WordPress automatisch meine Artikel dort rein pumpen konnte. Aber das nutze ich schon ewig nicht mehr.

Betreiber von Facebook Fanpages werden haftbar gemacht

Es ist ja bekannt, dass Facebook die Sache mit dem… Dings… Na… Datenschutz nicht so ernst nimmt. Sollte der Netzwerk-Gigant nun mal wieder gegen den Datenschutz verstoßen, kann ich mit meiner kleinen Facebook Fanpage mit haftbar gemacht werden. Denn ich mit meiner popeligen Fanpage bin gemeinsam mit Facebook dafür verantwortlich, wie Daten erhoben und verarbeitet werden. Im Ernst: Das kann ich nicht beeinflussen und habe auch keine Gewalt.

Das jedenfalls hat der Europäische Gerichtshof entschieden und damit dem „Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD)“ entsprochen. Die hatten die dortige Wirtschaftsakademie angewiesen, ihre Facebook Fanpage zu schließen. Denn genau auf dieser Fanpage würden Nutzerdaten erfasst werden, ohne dass die Besucher ausreichend informiert würden. Das sei neben Facebook auch die Verantwortung des Seitenbetreibers.

Das Ganze ging nun seit 2011 hin und her. Letztlich gab das höchste Gericht auf diesem Kontinent den Datenschützern Recht. In der weiteren Konsequenz hat das Urteil weitreichende Auswirkungen. Es geht nicht nur um die Pflicht zur Information. Alle möglichen Nutzer könnten datenschutzrechtliche Ansprüche gegen einen Betreiber einer Facebook Fanpage geltend machen.

Was wird mit meiner Fanpage?

Mal abgesehen davon, dass ich das Urteil für reichlich weltfremd finde, so muss ich doch Konsequenzen ziehen. Und die bedeuten in meinem Fall: Facebook müsste mich prüfen lassen, welche Daten das Netzwerk über die Besucher meiner Facebook Fanpage sammelt. Andernfalls kann ich ja gar keine Verantwortung haben. Wie denn? Da dies aber egal ist und ich in jedem Fall verantwortlich bin, nur weil es diese Seite gibt, muss ich reagieren: Die Facebook Fanpage wird geschlossen.

Ja, das hatte ich schon ein paar Mal angekündigt. Aber jetzt ziehe ich das durch. Das wird sogar in den nächsten Tagen passieren. Dieser Artikel hier ist der letzte Eintrag, der auf der Facebook Fanpage erscheinen wird. Es gibt die anderen sozialen Netzwerke und letztlich auch mein persönliches Profil. Und am Ende ist es doch viel besser, meinem Blog direkt zu folgen, statt über so eine ominöse Fanpage, über die ich als Blogger keine 100% Macht habe.

Wenn Sie also als Facebook-Nutzer diesem Blog folgen wollen, abonnieren Sie doch einfach den Blog über „Abo“ oder das Newsletter-Format, abonnieren Sie meinen RSS-Feed oder mein persönliches Profil bei Facebook bzw. einem anderen sozialen Netzwerk. Wer mir folgen will, findet einen Weg. Und ganz ehrlich: Der Aufwand, diese Facebook Fanpage zu betreiben, wird durch keinerlei Nutzen gerechtfertigt. Daher mache ich die Seite zu.

Was Sie auch interessieren könnte:

2 Kommentare

  1. Das Urteil mit den Fanpages hatte ich so in der Form schon erwartet und befürchtet. Es ist für mich absolut welt- & realitätsfremd. Wie soll ich für etwas verantwortlich sein, dass fernab jeglicher Kontrollmöglichkeiten für mich ist? Zudem, muss man sich nicht erst auf FB anmelden, damit man auf diese Fanpages als Besucher zugreifen kann?

    Wie sieht das mit Youtube aus? Twitter? Ich als Fotograf betreibe einen Instagram-Feed, rein damit ich meinen Kunden & Interessenten einen schnellen Überblick über meine aktuellen Tätigkeiten zu geben. Hierfür ist eine eher statische Homepage oder ein unerübersichtlicher Blog nicht optimal geeignet. Spinne ich dieses Urteil weiter, müsste ich diesen Feed ebenso schliessen. Wo soll das noch hin führen?

    Datenschutz ist richtig & wichtig – doch nur nicht so wie es aktuell durch die DSGVO kam und nun mit diesem Urteil des EuGH den zweiten Schlag bekam.

    a

    1. Ja, vermutlich werden den Internetnutzern, Publizisten, Webseiten-Betreibern, Fotografen, Künstlern und wem auch immer noch weitere Knüppel zwischen die Beine geworfen. Das Problem ist, dass mit solchen Urteilen, Entscheidungen und Richtlinien die, die eigentlich getroffen werden sollen, gar nicht erreicht werden. Die Datensammelwut von Google, Facebook und Co. wird ungebremst weitergehen. Aber den 300-Besucher-Blog, den hat man getroffen. Tolle Sache!

Schreibe einen Kommentar

Mit dem Nutzen des Kommentarbereiches erklären Sie sich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.