Gesichtspalme #12 – Die hoch wohlgeborene Tageszeitung aus Leipzig

Entschuldigung, wo gibt es denn hier die Nachrichten? Und aus welchem Jahrhundert berichten Sie denn? Diese Fragen drängen sich auf, wenn man derzeit das Angebot der Leipziger Volkszeitung aufsucht. Die eine Frage betrifft die Webseite, die andere die Zeitung.

Ich verkneife es mir, auf diese Zeitung zu verlinken, denn sie stellt sich noch dazu hin und befürwortet das unsägliche Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Ich verlinke stattdessen auf einen Leipziger Blogger, der scheinbar zurecht die Art und Weise der Zeitung kritisiert. Und ich finde das Ganze auch sehr kritikwürdig.

Die Macht der ISDN-Anschlüsse

Ja, Sie haben richtig gelesen. In Zeiten von Internetanschlüssen, die mit “bis zu 120 MBit/s” beworben werden und diese Geschwindigkeit auch nahezu bringen, kommt die größte Tageszeitung Leipzigs immernoch auf die Idee, für den Druckdatentransfer zur Anzeigen-Veröffentlichung auf ISDN zu setzen.

Ja, geht’s noch? Ich befahre doch auch keine Autobahn mit einem Traktor. Und das nicht nur, weil es aufgrund der Mindesgeschwindigkeit verboten ist, sondern weil es unsinnig ist. Aber die LVZ kommt mit dem Anzeigen-Traktor daher. Das finde ich sehr steil. Daniel Reiche übrigens auch.

Die Werbewüste

Und Daniel Reiche hat noch einmal Recht bzgl. der Zeitung. Diesmal mit der Online-Ausgabe. Man muss teilweise schon genau suchen, wo sich denn eigentlich die Nachrichten befinden. Man kann teilweise gar nicht mehr Nachricht von Werbung unterscheiden.

Daniel Reiche hat in einem Screenshot dokumentiert: 2 Nachrichten-Teasern stehen sage und schreibe 9 Werbeplätze gegenüber. Und da sind noch nicht einmal bezahlte Artikel dabei. Frage an die hoch wohlgeborene Zeitung: Muss so etwas sein? Vergleicht man euer Angebot mit dem der Leipziger Internetzeitung. Merkt ihr einen Unterschied? Ja, die haben auch Werbung, aber so ein Missverhältnis wie bei euch, das würde die Online-Zeitung erledigen.

Liebe hoch wohlgeborene Leipziger Volkszeitung

Ihr stellt euch hin und befürwortet das Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Damit sind ja nicht nur die Links und Snippets gemeint. Sondern auch die Aufmachung und Auslieferung. So einen Werbekram wie bei euch mag niemand verlinken, tut mir leid. Schaut euch doch mal die Bilder bei Daniel Reiche in den beiden Artikeln an.

Darum muss ich ganz ehrlich sagen: Kommt erstmal im Jahr 2013 an, denkt mal über das Verhältnis Inhalt zu Werbung nach und redet dann über Leistungsschutz. So lang, wie das nicht passiert ist, könnt ihr eure Werbewüste behalten.

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2 Kommentare

  1. Habe mich köstlich amüsiert. Danke für den herzerfrischenden Humor. Und für den Linktipp zur Leipziger Interneteitung. Kannte ich noch gar nicht.

    1. Hallo Frau Trann,

      vielen Dank für den Kommentar. Es ist nicht nur Humor, es ist auch ein Teil Sarkasmus dabei. Und da ich die LVZ kaum noch aufsuche, war mir gar nicht bewusst, wie schlimm das dort ist.

      Die LIZ hingegen ist aufgeräumt. Man findet auch, was man sucht. Auch die sind keine Waisenknaben, aber besser als die LVZ.

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