Gesichtspalme #43 – BILD gegen SPD und Titanic

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Es ist ewig her, dass ich eine Gesichtspalme verliehen habe. Nun ist es wieder so weit. Schuld ist Chefredakteur Julian Reichelt von der BILD, unter dem ein grober Schnitzer unterlaufen ist. Bewusst oder unbewusst? Das vermag ich nicht zu beurteilen. Jedenfalls zeigt es sich mal wieder, dass die BILD keine Zeitung ist. Und das dröseln wir mal kurz auf. Denn ich halte das für wichtig.

Die Gesichtspalme für eine „Schmutz-Kampagne“

Die BILD titelte dieser Tage mit „Neue Schmutz-Kampagne bei der SPD“. Und es würde wohl um „brisante Mails“, um Juso-Chef Kevin Kühnert und irgendeinen ominösen Juri gehen. Angeblich soll sich Kevin Kühnert für seine Kampagne gegen eine erneute Neuauflage der Großen Koalition einen Russen namens „Juri“ in Boot geholt. Das würden wohl Emails bezeugen, die der BILD zugespielt wurden. Die wurden angeblich von Kühnerts Email-Adresse bei den Jusos verschickt.

Blöd nur, dass hinter der Adresse nur eine Weiterleitung und kein Postfach wartet. Wer will, kann innerhalb kürzester Zeit mit einem Email-Programm Nachrichten zusammen klöppeln, was auch offenbar gelungen ist. Denn Emails von Kevin Kühnert kommen nicht etwa mit einer @jusos.de-Adresse, sondern mit einer @spd.de-Adresse. Die Emails, die der BILD vorlagen, konnten also so nicht stimmen. Das muss die BILD gewusst haben. Dennoch haben sie eine große Geschichte daraus gezimmert.

Satire darf das

Offenbar ist Deutschlands reichweitenstärkste Zeitung einer Fälschung aufgesessen. Die Emails waren gefälscht. Aber nicht von irgendeinem Neunmalklug, der nur der BILD mal eins auswischen wollte. Nein, die Emails kamen von der TITANIC, der größten Satire-Zeitschrift des Landes. Es hat sich hier mal wieder gezeigt, dass die BILD alles abdruckt, was ihr vor die Flinte hirscht. Es scheint so, als ob eine genaue Prüfung von Informant und damit der Quelle, sowie eine Prüfung des Sachverhalts unterblieben. Hier darf man ernsthaft fragen, was das noch mit Journalismus zu tun haben könnte.

Hier hatte ja die Zeitung nach diversen Pannen Besserung versprochen. Oftmals stellten sich vermeintliche Nachrichten in dem Blatt als nicht ganz richtig heraus. Ich erinnere mich noch an eine Schlagzeile auf der Titelseite der BILD vor mehr als 20 Jahren: „Vater erschlug Sohn, BILD sprach mit dem Opfer“. Die TITANIC hat nun einfach mal die Maske der BILD runter gerissen. Und ich bin ehrlich: Satire darf das. Denn Satire hat die Funktion, Personen, Institutionen oder Zustände zu kritisieren. Und das ist der TITANIC damit schon mal gelungen.

Unter #miomiogate ging es bei Twitter zur Sache. Da BILD-Chefredakteur Julian Reichelt laut Wikipedia als „außergewöhnlich streitlustig“ gilt, muss man aber vorsichtig sein, dass man nicht unter der Gürtellinie landet. Es ist halt einfach so, dass die BILD von sich behauptet, ein journalistisches Produkt zu sein. Diverse Journalisten und Medienkritiker behaupten aber, dass die BILD den Nachweis schuldig bleibt. Dann kommt so eine Nummer daher. Da ist es klar, dass da die Zeitung Erklärungsnöte hat. Satire darf so etwas machen. Denn Satire soll den Finger in die Wunde legen. Und genau das ist passiert.

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2 Kommentare

  1. BILD ist mal wieder nichts zu blöd.
    Aber vielleicht dachten die sich ja, wenn schon Hunde Mitglied werden können, könnte es auch einen Juri geben in Russland, von Beruf Hacker. Den wird es sicher geben, er wird vielleicht Holzhacker sein?

    1. Ja, dieser Zeitung passieren immer wieder solche Sachen. Wenn es „mal“ passieren würde, könnte man von einem Fehler oder Missgeschick ausgehen. So fällt das allerdings relativ schwer. Und wer weiß, wo Juri inzwischen abgeblieben ist.

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