Klimaprotest: Das geht mich nichts mehr an

Klimaprotest: Das geht mich nichts mehr an

Klimaprotest: Das geht mich nichts mehr an

Nennt mich sonstwie. Aber ich kann mit diesem ganzen Klimaprotest nichts anfangen. Deshalb muss ich sagen, dass ich da raus bin und es mich nichts mehr angeht. Ich habe echt lange hin uns her überlegt, ob ich irgendwas zu den ganzen Protesten schreibe. Aber ich muss mir einfach mal ein paar Gedanken von der Leber schreiben. Und gleich vorweg: Mir geht es keineswegs darum, irgendwen herunter zu machen oder so. Ich kann einfach nicht genügend damit anfangen, als dass ich das Ganze gutheißen kann.

Klimaprotest überall

Wir haben Menschen, die sich auf Straßen festkleben. Davor waren es Menschen, die sich einfach so auf die Straße legten. Nebenbei haben wir auch Menschen, die teils gewalttätig aufeinander losgehen, also sowohl Menschen im Klimaprotest als auch Sicherheitsmenschen. Wer nicht für den Klimaprotest ist, ist im schlimmsten Fall ein Nazi. Ja, es gibt da immer hanebüchene Diskussionen. Und ich muss hier schon wieder aufpassen, dass ich nicht schon wieder irgendeine Empörung lostrete.

Lützerath ist so ein Sinnbild der ganzen Geschichte. Ich verstehe ja den ganzen Klimaprotest. Wenn irgendwer mit Statistiken herum fuchtelt, dass die Kohle unter dem längst verlassenen Nest ohnehin nicht gebraucht wird, ist man schnell dabei: Dann lasst doch das Nest stehen. Ich habe die Statistiken nicht gesehen, ich habe mir nicht alle Debatten und Statements dazu gegeben, ich versuche mich, da bedeckt zu halten. Aber wieso wird denn dann dennoch gebuddelt?

Natürlich ist es das gute Recht jedes Menschen, gegen irgendwas zu protestieren und zu demonstrieren. Das haben die ganzen Schwurbler-Schwachmaten während der Flüchtlings-Geschichte und während der Corona-Geschichte ja wundervoll demonstriert. Aber ich weiß nicht so richtig, ob der derzeitige Klimaprotest wirklich so in die richtige Richtung geht. Ich bin mir da halt nicht sicher, so sehr ich die ganze Geschichte nachvollziehen kann.

Was wäre denn richtig?

Südwestlich von Leipzig lag früher der Ort Eythra. Das wurde in den Achtzigern erst leer gezogen und dann abgerissen. Bei meinen Fahrradtouren als Teenager kam ich auch in dem Ort vorbei. Gespenstisch sah das dort aus. Denn der Ort, der mal in der Blütezeit über 3000 Einwohner hatte, bestand noch aus Ortseingangs- und -ausgangsschild, Bushaltestelle und Kirchenruine. Das werde ich nicht vergessen. Heute befindet sich dort die Lindenallee, das Eythraer Trianon und der Zwenkauer See.

Ich bin mit der Braunkohle aufgewachsen. Das habe ich oft genug hier im Blog geschrieben. Und ich bin davon überzeugt, dass wir das sein lassen müssen. Der Fahrplan steht ja fest, in Nordrhein-Westfalen kommt der Ausstieg sogar eher. Aber nur, weil man Lützerath noch geopfert hat, verkürzt gesagt. In Sachsen hat man es geschafft, Nester wie Pödelwitz südlich von Leipzig zu bewahren. Das hätte man sich in NRW auch gewünscht. Nur ist es eben keine Parallele. Und deshalb auch nicht vergleichbar.

Was wäre denn richtig? Alles so geschehen lassen? Nein, sicher nicht. Alles in Grund und Boden protestieren und dazu noch Twitter, Mastodon und Co. vollschreiben? Sicher auch nicht. Aber was denn dann? Orte wie Eythra sind für immer verloren. Lützerath wird dem folgen. Der Klimaprotest, der dort so heftig abging, wird am Ende sehr teuer werden. Hilft der in irgendeiner Weise? Ich bin mir nicht sicher.

Wir haben es doch aber schon gezeigt, wie es gehen könnte. Wir können alle ein wenig verzichten. Ich erzähle es immer wieder. Wir können uns alle fragen, ob dies, das und jenes sein muss. Das wäre meiner Meinung nach richtig. Jaja, ich weiß schon: Das bringt DIE DA auch bloß nicht zur Vernunft. Zeigt doch aber nicht auf andere, macht selbst was. Und lasst euch nicht von Menschen treiben, die es finanziell können. Macht in eurem Rahmen etwas, wie ihr es könnt. Das wäre doch ein Weg, oder?

Interessiert eh niemanden

Na klar, wir mussten alle durch Corona verzichten. Aber haben wir gelitten? Nein. Aber wenn du irgendwem was dazu erzählst, interessiert es eh niemanden. Man palavert sich irre über die sozialen Netzwerke. Aber kostet nicht jeder Post – egal wo – auch Energie? Ach, kommt schon, erzählt mir nicht, die ihr die dicken Panzer von Autos fahrt, dass ausgerechnet mein popeliger Blog das Klima kaputt macht. Aber es ist doch die Menge: Tausende Tweets machen eben dann doch das Kraut fett.

Aber wie gesagt, es interessiert niemanden. Deshalb halte ich mich mit so etwas auch sonst enorm zurück. Ich habe halt nur das blöde Bauchgefühl, dass dieser heftige Klimaprotest in Lützerath niemandem am Ende geholfen hat. Aber das müssen andere wissen. Ich wollte nur meine Gedanken dazu aufschreiben, mehr nicht. Gehen Sie bitte weiter, hier gibt es nichts zu sehen.

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8 Kommentare zu „Klimaprotest: Das geht mich nichts mehr an“

  1. Also, die Klimaaktivisten wollen halt, dass die Politik mehr macht. Das 1,5-Grad ist durchaus ernsthaft in Gefahr. Deshalb protestieren sie auch so. Ob alle Mittel von ihnen so richtig sind, lasse ich einmal so hingestellt, aber ich kann ihre Argumente gut nachvollziehen. Die Politik macht auch zu wenig. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber auch, dass Politik nicht immer so leicht. Sie bestehen meistens aus Kompromissen. Ich bin ja Lokalpoltiker. Es ist aber leider auch Fakt, dass wir mehr für den Klimaschutz machen müssen. Ansonsten sieht es düster aus.

    Gegen Gewalt bin ich eindeutig.

    Lorenzo

    1. Das habe ich schon verstanden. Mir ging es auch nur um die Mittel, die verwendet werden. Insofern liegen wir gar nicht so weit auseinander.

      Und ja, ja, ja, absolutes Ja: Wir müssen mehr machen. Aber eben: WIR. Und da meine ich eben, dass jeder seine Kippe wegräumen kann, ein bisschen weniger Plastikverpackungen nutzen kann oder beim Duschen mal das Wasser zwischendurch ausmachen kann.

      Das sind ja alles nur Kleinigkeiten. Aber du weißt doch, wie das mit dem steten Tropfen und dem Stein ist.

  2. Servus,
    sehe ich ähnlich. Ich kann mit diesen Protestformen nichts anfangen, zumal die energietechnischen Notwendigkeiten, eben derzeit kaum Alternativen zulassen. Die Atomkraftwerke sollen nicht weiterlaufen, Gas kommt nicht mehr soviel, dann müssen eben die alten Kraftwerke laufen.
    Ansonsten fange ich halt bei mir selbst an, fahre fast alles mit dem Rad, konsumiere wenig.

    Gruß
    Andy

    1. Ja, eben, Andy. Ich finde so etwas zwar ziemlich platt, aber es trifft es ganz gut: Wenn halt kein Strom mehr da ist, können auch keine Protestvideos mehr zu YouTube geladen werden, und dann ist es auch wieder nicht richtig. Durch irgendwas muss halt der Energiehunger der Gesellschaft gestillt werden.
      Und deshalb muss jeder selbst ein bisschen mitmachen. Dann geht zumindest ein bisschen mehr.

  3. Moin Henning.
    Über Peters Seite bin ich auf deine gestoßen und habe ein wenig gestöbert.
    Erlaube mir einen Gedanken zu „Interessiert eh niemanden“:
    Ich denke schon, dass Lützerath als Symbol eine nachhaltige Wirkung haben wird. Mich erinnern die derzeitigen Aktionen der Klima-Schützer und -Aktivisten sehr an die großen Friedens- und Anti-Atomkraft-Demos in den 70&80ern. Die haben zwar in dem Moment auch nichts bewirkt, aber m. E. nachhaltig das Bewusstsein in der Gesellschaft verändert.
    Mein damaliger Soziologie-Dozent sprach derzeit davon, dass wir Deutschen von einem Extrem zum anderen neigen. Den Spruch will ich jetzt gar nicht werten, aber vielleicht hat das Klischee vom Deutschen, der alles nach schwarz oder weiß ordnet, irgendwo seine Berechtigung. Da lobe ich mir den kreativen Pragmatismus unserer dänischen Nachbarn und wann immer ich mal über die Grenze hoppe, geht für mich dort alles ein bisschen gelassener zu. Dennoch sind sie offensichtlich sehr interessiert. An allem. Das zeigen sie bei ihren Folketing-Wahlen – mit anschließenden Regierungsbildungen, die in D unvorstellbar wären.
    Das war jetzt nur mal so ein Gedanke zu deinem Gedanken ;)
    Grüße von der Ostsee, Sven

    1. Hallo Sven,

      jetzt mal eine Antwort:

      Ich denke, das Umdenken hat schon vor einiger Zeit begonnen. Also in der Gesellschaft, nicht in Politik und Wirtschaft, wobei letztere gar nicht so finster sind. Wenn ich mich so in meiner „Hood“ umschaue, dann sehe ich einen Anstieg der Elektro-Fahrzeuge und mehr Photovoltaik auf Dächern von Einfamilienhäusern, als es noch vor – sagen wir mal – einem Jahr der Fall war.
      Meine Überzeugung ist, dass diese Gesellschaft weiter ist, als es die Politik glaubt. Mal abgesehen von denen Tempolimit-ist-Freiheitsberaubung-Brüllern. Die Aufgabe der Politik ist es, dafür die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Und da vermute ich, hat sie versagt.
      Die Deutschen neigen halt auch dazu, sich gern über irgendwas aufzuregen. Vielmehr, als es die Skandinavier gemeinhin tun. Du hast mit Dänen zu tun, ich mit Finnen etc. Ich denke auch, dass die alle ein wenig entspannter sind. Vielleicht auch, weil sich Gesellschaft, Wirtschaft und Politik jeweils als Zahnrad des Großen und Ganzen ansehen. Das ist ein Zustand, der in Deutschland undenkbar ist.

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