Leipzig-Ecken: Erster Frühlingstag am Zwenkauer See

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Das Leipziger Neuseenland prägt den Südraum von Leipzig. Am ersten wirklich warmen Frühlingstag 2018 waren wir zu einem Ausflug am Zwenkauer See. Gemeinsam mit der Neuen Harth bildet der See einen Teil des Tagebau-Überbleibsels. Und wie man es nun mal so macht, so wurde hier das riesige Restloch mit Wasser gefüllt. Im Gegensatz zur „Leipziger Riviera“ – also der „Costa Cospuda“ am Cospudener See – hat der See noch den Charm des Unfertigen. Und wir dürfen gespannt sein, wie das Alles weitergeht.

Zwenkauer See: Von der Braunkohle zum Tourismus

In den Neunzigern wohnte ich eine Zeit lang im südwestlichen Leipziger Stadtteil Knauthain. Von dort aus konnte man in der Nacht oftmals die Abraumbagger schürfen hören. Ab und zu bin ich damals zu einem Abendspaziergang am Ortsrand von Hartmannsdorf, südlich von Knauthain, an den Tagebau gegangen. Das sah schon gespenstisch aus, was dort zu sehen und vor allem zu hören war. Als Leipziger ist man natürlich mit der Braunkohle südlich von Leipzig groß geworden. Aber das war schon seltsam.

Dem damaligen Tagebau Zwenkau fielen so einige Orte zum Opfer. Unter anderem ein Teil des genannten Hartmannsdorfes, Teile der damals selbständigen Orte Gaschwitz und Großdeuben, Teile des Leipziger Ortsteils Knauthain, Teile des Markkleeberger Ortsteils Zöbiger, die Dörfer Zeschwitz, Prödel, Cospuden, Bösdorf und die Kleinstadt Eythra. Auch Zwenkau wurde zum Teil weggebaggert. Die Ausmaße sind in diesem Artikel gut zu sehen. In dem Zuge fiel auch das Waldgebiet „Harth“ zwischen Weißer Elster und Pleiße mit Villen dem Bagger zum Opfer. Auch eine Bahnstrecke sollte dran glauben.

Mit der Zeit wurde das Gebiet rekultiviert. Das begann schon damit, dass Abraummassen zum Verfüllen benutzt wurden oder dass ab Mitte der Neunziger das östliche Gebiet mit Mischwald aufgeforstet wurde und nun „Neue Harth“ heißt. Die Flüsse bleiben aber umgeleitet. Die Förderbrücke des Tagebaus wurde dann 2001 gesprengt. Und das Restloch wurde mit Entwässerungswasser der noch aktiven Tagebaue geflutet. Seit 2015 ist die touristische Nutzung freigegeben, und das sieht man auch.

Der Hauch des Unfertigen

Nun schmiegt sich also der Zwenkauer See um den Zwenkauer Norden. Der See befindet sich südlich der A38 und des Cospudener Sees. Als weiteres Tagebau-Restloch ist der Störmthaler See nicht weit weg. Und so nach und nach kommt Leben in die Bude. Am gefühlten Ortsende der 9000-Einwohner-Stadt Zwenkau fällt die Straße recht steil ab. Von 10% Gefälle ist die Rede. Und dort sieht man einen ganzen Haufen Bauland mit Baustellen für Wohn- und Ferienhäuser. Den Anfang nimmt der Ausstellungspavillon „KAP ZWENKAU“. Damit lädt der größte See des Neuseenlandes dann also ein.

Neben der regen Bautätigkeit findet man einen Hafen, den Besuch mit riesigen Kai-Wänden empfängt. Außerdem haben wir dort Molen. Gastronomie ist auch vorhanden, und zwar ziemlich gute. Und dieses gesamte Kap Zwenkau scheint mit der Zeit zu einer Art Seebad im Stile von Kühlungsborn an der Ostsee zu werden. Die Marina im Hafen war noch von einer dünnen Eisschicht überzogen. Das machte aber nichts, da man das weitläufige Gelände ja sowieso mit einem Eis in der Hand zu Fuß erkunden konnte.

Im nordöstlichen Zipfel des Seeufers befindet sich eine Durchfahrtsmöglichkeit in den Cospudener See, und der Freizeitpark BELANTIS befindet sich am nördlichen Rand. Diese Ecke heißt noch wie der vor mehr als 35 Jahren weggebaggerte Ort Bösdorf, an den immernoch das Hartgußwerk im äußersten Südwesten von Leipzig erinnert. Man muss nun erst einmal sehen, wie sich der See weiter entwickelt. Letztlich ist der Zwenkauer See der bisher jüngste See des Leipziger Neuseenlandes. 2015 waren sie fertig mit dem Fluten. Also geben wir allem noch etwas Zeit.

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