Quality Time: Zeit, die wir nicht zurückbekommen - Bild von silviarita auf Pixabay

Quality Time: Zeit, die wir nicht zurückbekommen - Bild von silviarita auf Pixabay

Quality Time: Zeit, die wir nicht zurückbekommen

Ich habe langsam keine Lust mehr, mich unnütz kaputt zu machen, während andere einen feuchten Kehricht machen. Ich bestehe jetzt endlich auf meine Quality Time. Was das heißt? Zeit, der ich besondere Aufmerksamkeit widme. Zeit, die mir wichtiger ist als jede Verpflichtung dieser Welt. Jeder Mensch muss auf seine seelische Gesundheit achten. Ich auch. Deshalb war es mal wieder ein wenig still hier im Blog. Ich habe es einfach nicht auf die Reihe bekommen. Das tut mir leid.

Völlig erledigt

Habt ihr bei den unsäglichen Olympischen Spielen den einen deutschen Nordischen Kombinierer gesehen? Der kam aus der Corona-Quarantäne und brach völlig entkräftet und komplett am Ende im Ziel zusammen. So ging es mir auch dieser Tage, nur eben nicht aus sportlicher Sicht. Das ist ja auch problematisch, so unsportlich, wie ich bin. Und ich kam auch nicht aus der Quarantäne. Nein, es war der alltägliche Wahnsinn plus drei, vier Schippen drauf.

Ich will gar nicht groß darauf eingehen, was ich an dem Tag erlebt habe. Jedenfalls wurde mir da bewusst, wie wichtig Quality Time ist. Zum Feierabend habe ich wie gewohnt meine Systeme heruntergefahren und habe mein Home Office für den Tag verlassen. Es war kurz nach 18 Uhr. Plötzlich wurde mir heiß und kalt, es blieb dann bei „kalt“. Und ich fing an zu zittern. Leute, sowas habe ich in all den Jahren meiner Arbeit in der IT noch nie erlebt. Und das hatte mich schon sehr erschrocken.

Ich finde schon, dass das ein heftiges Alarmsignal war. Ehrlich, ich habe keine Ahnung, was eigentlich los war. Aber ich habe mir das so zusammen gereimt, dass ich den gesamten Tag unter Volldampf wie ein Roboter meiner Arbeit nachging. Nebenbei habe ich halt mitbekommen, dass es andere möglicherweise etwas lässiger angehen. Ja, das ist alles, was ich dazu schreibe. Beides in Kombination hat das Ganze wohl ausgelöst. Dazu sank am Abend der Adrenalin-Spiegel. Und plötzlich war ich komplett im Arsch.

Und was ist das jetzt mit der Quality Time?

Wie ich oben schon geschrieben habe, bezeichnet man als Quality Time die Zeit, in der man der Familie, der Partnerschaft, den Freunden und dergleichen besondere Aufmerksamkeit widmet. Das schreibt auch die Wikipedia so. Nein, das ist keine neue Erkenntnis. Auch für mich tatsächlich nicht. Aber ich habe halt mitbekommen, dass ich wieder mehr Wert auf diese Zeitfenster legen muss. Niemand außer meinem privaten Umfeld wird da sein, wenn ich ausgebrannt bin.

Dabei kenne ich das Thema Burnout. Das ist nicht einfach so larifari. Als ich damit konfrontiert war, nannte man es noch nicht Burnout, sondern einen permanenten Erschöpfungszustand. Dann kamen Sven Hannawald und Konsorten um die Ecke, und plötzlich war diese Erkrankung „hip“. Aber an einem Burnout ist rein gar nichts hip. Ich habe das damals nur hinbekommen, indem ich mir Quality Time genommen habe. Und jetzt soll das wieder losgehen? Nicht mit mir.

Nein, es klingt ganz trivial: „Qualitätszeit“. Aber Quality Time ist wie eine Heilung. Die lasse ich mir nicht kaputt machen. Der Mensch hat nur eine Gesundheit. Wenn der Alltag keine Rücksicht darauf nimmt, muss man sich eben mit der Brechstange den Freiraum schaffen. Ganz einfach. Quality Time geht vor allem. Nein, ihr braucht da nix schmuddeliges denken. Davon will ich gar nichts erzählen. Es geht einfach um die gemeinsame Zeit außerhalb des Alltags. Und die darf niemals kaputt gehen.

Wie geht es jetzt weiter?

Ich beobachte schon relativ neidisch andere Menschen, mit denen ich so zu tun habe. Die können twittern wie die Wilden, können sich auf anderen Plattformen lang und breit austoben, die interessiert es einfach nicht. Mir hat doch mal jemand erzählt, ich würde irgendwas falsch machen, weil ich so unter Last bin. Ja, in der Tat, ich nehme meinen Job ernst. Was will man mir denn damit erzählen? Legt euch doch einfach wieder hin. Ehrlich jetzt!

Nein, ich experimentiere seit dem oben beschriebenen Erlebnis ein wenig herum. Darüber hinaus ist eben Quality Time angesagt. Ich will nicht nochmal so ein Erlebnis haben. Ich habe mich zu dem Vorfall mit jemandem ausgetauscht, dem es ähnlich ging. Wir sind uns einig, dass Gesundheit über allem steht und man deshalb auch den anderen den Vortritt lassen kann. Aber die Zeit außerhalb irgendeiner Verpflichtung werden wir nie wieder zurückbekommen.

Ich muss niemandem irgendwas beweisen. Nein, ich weiß, dass ich in meinem Job gut bin. Deshalb muss ich auch gar nicht erst versuchen, allein einen Krieg zu gewinnen. Ich habe euch neulich mal erzählt, was mir wichtig ist im Job. Wird das nicht gewährleistet, kommt dann eben künftig zur Quality Time noch „Dienst nach Vorschrift“ dazu. Das ist öde, das weiß ich. Aber was will ich machen? Soll ich mich kaputt machen lassen?

4 Kommentare zu „Quality Time: Zeit, die wir nicht zurückbekommen“

  1. Hi Henning,
    die olympischen Spiele? Tja, die boykottier ich – also ich schau Sie mir im TV nicht an. Vielleicht sollten mehr Menschen Dinge boykottieren, mit denen Sie nicht einverstanden sind.
    Quality Time – schönes Wort.. Du definierst Sie etwas anders. Ich empfinde es als die Zeit, wo Du dich nicht über andere ärgern musst.
    So, wie ich deine Blogbeiträge verstehe setze ich mir folgendes Bild zusammen: Du bist gut in deinem Job, machst den auch gerne – aber Kollegen haben nicht den gleichen „Biss“ um sich stundenlang um Lösungen zu bemühen – vielleicht auch Stunden über die normale Arbeitszeit hinaus. Das blöde, deine Leistung wird nicht honoriert.
    Noch blöder, dein Arbeitgeber weiss, dass Du gut bist und über die Grenzen hinaus arbeitest und immer einspringst wenn Not am Mann ist.
    Am blödesten – er nutzt das aus, weil er sich sagt, wenn der doofe Henning so bescheuert ist und freiwillig die Karre aus dem Dreck zieht, nehmen wir das doch gerne an. Warum sollen wir ihm für die eigene Blödheit mehr Geld bezahlen – da lease ich mir für das Geld doch lieber einen größeren Porsche.. Trifft das so ungefähr den Punkt?
    Wenn ja, dann dieses Beispiel:
    Wir haben in der Firma eine junge Kollegin – vor 3 Jahren war etwas mehr Arbeitsanfall, da wurde Sie krank. Über 9 Monate war Sie weg – immer wieder wurde der Krankenschein verlängert. Die Kollegen gingen auf dem Zahnfleisch, weil die Abteilung halt nicht so eine dicke Personaldecke hatte, um das aufzufangen.
    Dann kam Sie wieder – fragte natürlich gleich nach Leistungzulage und wann Sie Ihren Urlaub nehmen kann, denn den konnte Sie ja während der Zeit des Krankenscheins nicht nehmen – da war Sie wieder 1 Monat weg.
    Danach kam Sie wieder als wäre nichts passiert. Klar, hassen alle Kollegen die – aber was sollen die machen.
    Jetzt ist wieder das gleiche. Viel Arbeit – und Sie ist jetzt bereits ein halbes Jahr Dauerkrank.
    Auch hier wird wieder nichts passieren.
    Was ich sagen will: sich den Arsch aufzureissen und sich für eine Firma aufzuopfern bringt absolut nichts! Im Gegenteil!
    Ich kann Dir nur raten deine Einstellung zu ändern und zumindest die Arbeit da zu lassen, wo Sie hingehört: in der Firma – zu normalen Bürozeiten.
    Ich musste das auch erst lernen – hat aber geklappt.. ;-)
    CU
    P.

    1. Moin mein lieber,

      was das Bild betrifft, so hat der Kandidat 100 Punkte erspielt. Es ist ungefähr genau so, wie du es beschreibst. Die Arbeit lasse ich auch da, wo sie hingehört. Irgendwann ist auch mal gut. Allerdings gelingt es mir momentan nur, sie nicht mit in die Nacht zu nehmen. Zum Feierabend muss man das eine oder andere schon mal besprechen. Vor allem, wenn ich mir Luft machen muss. Aber abgesehen davon trage ich die Arbeit nicht im Feierabend mit mir herum.

      Ja, du hast vollkommen Recht, das muss man lernen. Und oft genug fällt dieser Lernprozess auch verdammt schwer. Allerdings habe ich erlebt, wenn einen die Arbeit in die Nacht verfolgt. Ich habe die Symptome noch gut in Erinnerung, sodass ich das bestimmt nicht nochmal so weit kommen lasse.

      Am Ende muss man sich wirklich fragen, ob Dienst nach Vorschrift tatsächlich die einzige Alternative ist. Mich hat das nach der Rückkehr aus dem Burnout damals „gerettet“. Da ich es eben nicht mehr so weit kommen lasse, kann ich nicht sagen, ob das so die beste Alternative ist. Ich glaube allerdings, dass dieser Artikel irgendwann eine Fortsetzung bekommt.

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