Urlaubsreif nach dem Urlaub - Bild von Leonardo Valente auf Pixabay

Urlaubsreif nach dem Urlaub - Bild von Leonardo Valente auf Pixabay

Urlaubsreif nach dem Urlaub

Kinder, ich bin schon wieder urlaubsreif. Dabei ist es gerade mal ein paar Tage her, dass ich Urlaub hatte. Aber ich könnte echt schon wieder zusammen packen. Kennt ihr das, wenn ihr kurz nach dem eigentlichen Urlaub schon wieder abhauen könntet? Alles stehen und liegen lassen: Das wäre ungefähr so mein Plan. Viel zu viel ist schon wieder passiert. Und schon habe ich keine Lust mehr. Ich muss verschieben, absagen, umplanen. All das. Und das zermürbt einen.

Urlaubsreif? Der Uhle spinnt doch!

Was war das schön, ein paar Tage am Beetzsee auszuspannen und von all dem Zinnober erstmal nichts mitzubekommen. Nach meinem Urlaub war allerdings schon der harte Beton ausgebreitet, auf dem ich mich zu landen anschickte. Und es wurde nicht besser. Jetzt mögt ihr euch vielleicht denken, dass der Uhle jetzt spinnt. So kurz nach dem Urlaub kann der doch nicht schon wieder am Ende sein. Der muss doch mal was aushalten.

In der Tat bin ich eigentlich niemand, der schnell quengelt und auf den Arm will. Gut, bei meinen Ausmaßen und meinem Gewicht wäre das auch schwierig. Aber irgendwie ist mir gerade so ein bisschen nach Jammern. Die Baustellen werden halt nicht weniger, sondern eher mehr. Und da fühlt man sich echt schnell wieder urlaubsreif. Vor allem, wenn man so gar nicht mehr weiß, wo man eigentlich anfangen soll. Und das macht dich so nach und nach fertig. Vor allem, wenn es noch nicht lang her ist, dass es anders war.

Irgendwie ist es zwar doch noch nicht so chaotisch wie in dem Film mit Adam Sandler und Drew Barrymore. Aber die Chancen stehen gut, dass ich bald reif für die Klapsmühle bin. Sagt mir dann aber nicht, dass ich übertreibe, wenn ich euch erzähle, dass ich urlaubsreif bin. Irgendwie blicke ich derzeit nicht mehr durch. Meine Frau hat auch schon jegliche Orientierung verloren. Mit anderen Worten: Gebt uns mal eine einsame Insel, wir sind dann mal weg.

Was ist denn passiert?

Also: Ich umreiße das nur ganz grob, weil das eigentlich echt nicht an die Öffentlichkeit gehört. Wir haben mehrere Personen in unserer Familie, die viel Aufmerksamkeit erfordern. Einmal handelt es sich um eine Person, die plötzlich allein ist und die eine räumliche Veränderung anstrebt. Dann haben wir eine Person, die einen heftigen gesundheitlichen Rückschlag erlebt hatte. Und wir haben eine Person, die aufgrund der Gebrechen, des Alters und der zurückgegangenen kognitiven Fähigkeiten „umgezogen“ ist.

Wie gesagt: Alles nur ganz grob. Und das wäre ja nicht so schlimm, wenn das nacheinander passiert wäre. Jede Person für sich ist keine Schwierigkeit. Bei dem, was ich euch verraten habe, sagt ihr euch bestimmt auch bei jeder der Personen: Ja, und? Nun ist es aber so, dass alle drei Personen im gleichen Zeitraum unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit brauchen. Das macht man ja auch gern. Aber es macht einen kaputt. Vor allem letztere Person braucht viel Unterstützung.

Ich hatte dieses Jahr noch viel vor. Meine Frau und ich wollten ein paar Tage frei machen. Ja, Überraschung: Auch sie ist vollständig urlaubsreif. Aber aufgrund der Ereignisse, die sich überschlagen haben, haben wir das verschoben oder abgesagt oder was ihr wollt. Es gibt nämlich noch so ein paar weitere Entwicklungen, die einen Kurztrip wie diesen derzeit einfach nicht zulassen. Wir sagen uns halt: Hauptsache, wir verlieren uns selbst nicht aus den Augen. Und daran arbeiten wir.

Und wie geht das jetzt weiter?

Die letzten Wochen waren wirklich zum Teil chaotisch. Die nächsten Wochen – vielleicht auch Monate – werden es ebenfalls sein. Denn es geht darum, sich mit mehreren Haushalten zu beschäftigen. Ihr habt vielleicht davon mal gehört. Das wird noch sehr viel Kraft und Nerven verlangen. Und wir werden immer mehr denken, wir sind ja sowas von urlaubsreif. Irgendwann werden wir damit durch sein. Wir haben nur keinen Schimmer, wann das sein wird.

Es nützt ja nichts. Da muss man durch. Gut ist, dass nicht jeder der Personen anfängt, die ungeteilte Aufmerksamkeit einzufordern. Die spielen im Rahmen ihrer Möglichkeiten wunderbar mit. Und alles andere wird sich auch irgendwann finden. Aber es ist halt so, dass wir erstmal an diesen Fronten kämpfen werden. Ach ja, Arbeit haben wir ja auch in unseren Berufen. Das vergisst man ja fast dabei. Dann kommen eben andere Sachen zu kurz. Aber was wollen wir machen?

Wundert euch also nicht, wenn ich in nächster Zeit noch ein bisschen weniger hier schreiben werde als sonst. Ich hätte eigentlich was zu erzählen. Aber mir fehlt schlichtweg die Zeit dafür. Und ganz ehrlich: Irgendwann sind die 24 Stunden eines Tages auch mal rum. Ey, ich bin schon wieder sowas von urlaubsreif. Lasst euch ja niemals gleichzeitig auf solche Spielchen ein. So gern man das auch macht, aber es schlaucht ziemlich.

Urlaubsreif nach dem Urlaub - Bild von Leonardo Valente auf Pixabay
Urlaubsreif nach dem Urlaub – Bild von Leonardo Valente auf Pixabay

2 Kommentare zu „Urlaubsreif nach dem Urlaub“

  1. Hi Henning,
    ich kann das durchaus verstehen. Grade wenn viele Schicksalsschläge (oder nennen wir es nicht so gefühlsorientiert „Veränderungen“) auf einen in kurzer Zeit einprasseln, straucheln viele Menschen – und erkennen, dass das eigene ich endlich ist.
    So, wie ich das interpretiere geht es darum, dass deine Lebensenergie quasi „ausgesaugt“ wird, durch die nun hilfebedürftigen Personen. Das ist ein ganz schwieriges Thema, wo ich nicht mit Dir tauschen möchte, denn ich habe als meine Großmutter immer mehr in den Alkoholismus abdriftete, erlebt wie boshaft alte Menschen sein können, wenn die der Meinung sind, sie müssten sofort bespaßt werden. Da kannst Du 1000 mal sagen, dass Du grade mit dem LKW 20 Stunden auf Tour warst und nur noch pennen willst. Da wird gebohrt und gestichelt und die Türen geknallt und alle 5 Minuten wieder die Tür aufgerissen, damit man bloß kein Auge zumachen kann. Und natürlich wurde dann gerne lauthals geschimpft und die Mitleids-Karte gezogen, denn man ist ja undankbar für alles was Sie früher für einen getan hatte.
    Du hast ja wie Du schreibst das Glück, dass deine Menschen vernünftig sind und es wohl eher um das regeln der Betreuung geht? Das beudetet ja hoffentlich, dass das Ende in Sicht ist, wenn Du alle versorgt hast und dein Leben wieder in normalen (sofern das dann wieder möglich ist) Bahnen verläuft.
    Ich hatte das „Glück“, dass meine „Veränderungen“ in relativ großem zeitlichen Abstand auftraten: dadurch konnte man den ersten in Ruhe verarbeiten, bevor die nächste Hiobs-Botschaft eintraf. Trotzdem war auch ich bereits mehrmals am Boden durch diverse der angesprochenen „Veränderungen“ – sei es privater, gesundheilicher oder beruflicher Natur – und angezählt, wie man so schön beim Boxen sagt.
    Aber ich bin auch immer wieder aufgestanden. Bei meinem besten Freund habe ich den Spitznamen „das Stehaufmännchen“ – und das ist ja eigentlich ein tolles Kompliment.
    Dir wünsche ich, dass auch Du die Kraft und den Willen hast das abzuschütteln und deine Probleme und Sorgen sich schnell erledigen.
    CU
    Peter

    1. Hi Peter,

      genau so ist es. Es passierte alles in so kurzer Zeit. Und das macht einen fertig. Meine Frau und ich werden aber, wenn das Alles geregelt ist, drei Kreuze mache und uns für ne Weile verdrücken. Dann sollen sie uns halt alle mal gern haben. Zum Glück ging es mir nicht so wie dir. Unsere Leute sind ja schon vernünftig. Das geht auch komplett anders, wie du so schreibst.

      Ich danke dir jedenfalls für deine warmen Worte. Da geht’s einem schon wieder besser. Jetzt muss ich nur noch rausfinden, wie ich meinen Chef davon überzeuge, nicht mehr so viel arbeiten zu müssen.

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