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Fake News - (C) Wokandapix CC0 via Pixabay.de Fake News - (C) Wokandapix CC0 via Pixabay.de

Der Kampf gegen Fake News bringt eh nichts

Es bringt nichts, etwas gegen Fake News zu machen. Es glaubt einem ja eh niemand. Also lassen wir das Ganze einfach bleiben und machen weiter wie bisher. Was erreicht man denn schon, wenn man darüber aufklärt, dass eine vermeintliche Nachricht eine Falschmeldung ist? Genau: Man wird obendrein beschimpft und angefeindet. Das ist der Grund, warum ich keine aktuellen Nachrichten mehr kommentiere. Ich fahre gut damit, muss aber zum Komplex was erzählen. Und das ist diesmal mein Abwasch der Woche.

Pipi-Langstrumpf-Syndrom oder Confirmation Bias?

Ich mach mir die Welt
wide-wide-wie sie mir gefällt.

Das hatte Astrid Lindgren ihrer Figur Pipi Langstrumpf in den Mund gedichtet. Was hat das aber mit den Fake News zu tun? Nun, sehr viel. Denn es gibt so ein komisches Phänomen, das sich da „Confirmation Bias“ nennt. Ich habe darüber gelesen, dass es sich darum dreht, dass man eh nur das für glaubwürdig hält, was man schon glaubt. Der Bestätigungsfehler, was „Confirmation Bias“ bedeutet, kommt dann zu Tage, wenn Menschen eine Vermutung haben und so lange nach Informationen suchen, bis sie welche haben, die ihre Vermutung bestätigen.

Mit anderen Worten: Wir Menschen lesen vornehmlich Dinge, die unsere Meinung unterstützen. Und dann umgeben wir uns ausschließlich mit den Menschen, die gleicher oder ähnlicher Meinung sind. Das ist eine gefährliche Art von Filterblase, denn der Mensch ist viel zu bequem dafür, sich mit einer völlig konträren Meinung auseinander zu setzen. Ich sehe das ja an mir. Ich bin da auch nicht frei davon. Zum Streitthema Flüchtlingspolitik bin ich auch erst einer anderen Annahme gefolgt und habe entgegengesetzte Meinungen gar nicht akzeptiert.

Das Problem ist, dass man sich viel zu schnell in irgendwas verrennt. Und dann akzeptiert man nur noch das, was eh in der eigenen Welt stattfindet. Genau deshalb bleiben Fake News die wahren Nachrichten in der einen Blase, und die Aufklärung aus der anderen Blase gelangt dort nicht herein. Und das ist der Grund, wieso es so schwierig ist, jemanden darüber aufzuklären, dass er oder sie einer Fehlinformation aufgesessen ist. Und das ist dann die „Confirmation Bias“. OK, das Ganze kann man auch „Pipi-Langstrumpf-Syndrom“ nennen.

Das Beispiel „Die Flüchtlinge“

Ein Beispiel in Sachen Flüchtlinge ist, dass man behauptet, alle Flüchtlinge wären die Guten. Bei mir war das dann so, dass ich zwar der Meinung war, dass man sie nicht alle vorverurteilen sollte. Allerdings ging das so weit, dass ich jeden mit anderen Gedanken pauschal erstmal als „rechts“ betitelt habe. Ich habe zwischenzeitlich nichts anderes geglaubt. Es war schwierig, aber ich begann zu hinterfragen. 

Ein anderes Beispiel war der schlimme Vorfall am Olympiazentrum in München, bei dem ein Mann mit iranischen Wurzeln um sich schoss. Iran = Muslime = Terror, so war die Wahrnehmung. Dass der Mensch Christ war und auf Muslime losgegangen war und der Meinung war, der Iran sei das „Land der Arier“ und er habe das Recht, die „Untermenschen“ zu töten, wollten viele nicht hören. Es hat lang gedauert, bis man die Chance hatte zu erklären, dass das ein iranischer Rechtsradikaler war. 

Die tauben Ohren in beiden Filterblasen zu erreichen, ist durchaus nicht einfach. Vor allem bei einem derart polarisierenden Thema ist es kompliziert, bis man für sich einen Weg gefunden hat, sich die Argumente der jeweils anderen Blase anzuhören. Da ist eine dicke Membran dazwischen, die es schier unmöglich macht, hier vernünftig miteinander zu reden. So reden eben die Einen von „rechten Spinnern“, wenn sie Leute sehen, die kritisch argumentieren. Die anderen reden von „linkem Gesocks“, wenn Hilfsbereitschaft überschwänglich signalisiert wird. 

Man beschimpft die jeweils andere Blase, also bekommt man sich gegenseitig mit. Da aber dort generell „die falschen Nachrichten“ kursieren, ist es schwierig, aufeinander zuzugehen. Die Thematik rund um die Flüchtlingskrise, die für alle Beteiligten eine Katastrophe war, ist nur ein Beispiel. Es zeigt aber ganz deutlich, wie das mit den Blasen ist. Über die jeweils andere Blase werden Falschmeldungen verbreitet und mit einem „Ich hab’s doch gewusst“ garniert. Diese Mechanismen muss man überwinden können.

Kann man den Kampf gewinnen?

Erstmal ist es ja die spannende Frage, ob es sich wirklich um einen Kampf handelt. Bei einem Kampf stehen sich zwei oder mehr rivalisierende Parteien gegenüber und haben das Ziel, für sich einen Vorteil oder für den oder die Gegner einen Nachteil zu erreichen. Insofern: Ist es ein Kampf, wenn man der anderen Blase zu erklären versucht, dass sie einem Blödsinn aufgesessen ist? Dann würde es ja bedeuten, dass die Arbeit zur Aufklärung von Fake News dafür sorgt, dass man andere von der eigenen Meinung überzeugen will. Und das wird nicht klappen.

Vielmehr muss es erreicht werden, dass so eine Aufklärung die Leute erreicht, die eindeutig Lügen aufgesessen sind. Es ist aber dabei völliger Unfug, Menschen mit anderer Meinung kategorisch zu beschimpfen. Das führt zu nichts. Ebenso wenig wie der Blödsinn, viel Lärm um wenig zu machen. Dann lieber gleich mit starken Argumenten um die Ecke kommen. Alles andere zerpflücken die mutmaßlichen Empfänger genüsslich, und man erreicht gar nichts. Und man will doch erreichen, dass auch andere mal aus ihrer Filterblase heraus schauen.

Fake News sind ein echtes Problem

Falschmeldungen – bewusst oder unbewusst – sind deshalb problematisch, weil die Wahrnehmung leidet und die Stabilität einer Gesellschaft ins Wanken geraten kann. Wie kommt man dem am besten bei? Klar, es gibt „Fakten-Checker“. Aber viele davon werden mit einem erhobenen Zeigefinger betrieben. Glaubt denn irgendwer, damit etwas erreichen zu können? Das klappt ungefähr so gut, wie das Beschimpfen anders denkender Leute. Zwischen „Fake News“ und „Lügenpresse“ ist nur die dicke Membran von weiter oben im Text. Das muss doch lösbar sein.

Das Problem ist leider, dass die sozialen Netzwerke – und allen voran Facebook – Teil des Problems sind. Durch Algorithmen und Gewichtungen des Verhaltens der Benutzer werden „interessante Inhalte“ den Nutzern in den Blick gespült. Wenn also Nutzer XYZ offenkundige Falschmeldungen für echt hält und diese bei Facebook teilt und mit „Gefällt mir“ belohnt, kann es durchaus sein, dass ihm noch mehr solcher Meldungen angezeigt werden. Das ist ein Fass ohne Boden. Und ich weiß nicht, wie gut so mancher noch durchhält beim Kampf dagegen.

Aber hat man denn eine Wahl? Man muss doch etwas dagegen tun, dass die Gesellschaft nicht noch mehr ins Wanken kommt. Vieles dazu steht in diesem Artikel. Man muss einfach etwas dagegen tun. Denn Falschinformation ist auch eine Art Unrecht. Und Unrecht muss aus der Welt geschafft werden. Oder wollen wir hier weiter zusehen?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 thoughts to “Der Kampf gegen Fake News bringt eh nichts”

  1. So ist es, aber es ist nicht neue . Es geht nur alles immer schneller.
    Habe jetzt gelesen:“ Der Circle ist ein Bestseller-Roman von Dave Eggers aus dem Jahr 2013. Im Mittelpunkt der Dystopie steht die mächtige Internet-Firma The Circle, die durch umfassende Transparenz und Überwachung zunehmend soziale Kontrolle erzeugt“
    Dort wird dieses ganze Googletum und Facebook auf die Spitze getrieben.
    Aber ich hoffe es kommt nicht so, weil die Mensch doch zu unterschiedlich sind und sich die Systeme selbst zerstören.
    Bevor 4.0 richtig wirkt wurde es durch kriminelle Hacker ausgenutzt und unbrauchbar gemacht….. wenn die ersten selbstfahrenden Lkws „automatisch“ ins falsche Lager fahren, wird keiner die Idee mehr toll finden. Dann werden die Arbeitsplätze bei den „planenschlitzer“ gefährdet 😏

    1. Hallo Klaus,

      natürlich ist da vieles noch unausgegoren. Und wenn wir uns anschauen, was da derzeit unter dem Stichwort „Roboterjournalismus“ los ist, wird mir schlecht. Weil die Anbieter von „Industrie 4.0“ ausschließlich auf kurzfristige Profite schielen als auf Nachhaltigkeit, wird es wohl so kommen, dass die Planenschlitzer demnächst die Drohnen der Hobbypiloten kapern, um Lkws auszurauben.

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