Ein Blog mit fließenden Worten

Walter, du hast einen tollen Text geschrieben. Ich habe ihn genossen, als ich ihn las. Denn er spricht mir viel aus der Seele. Der Artikel ist ein wirkliches Manifest geworden. Ich weiß, dass ich das nicht so gut formulieren kann, aber ich versuche es trotzdem. Es kann ja nichts schaden, immer mal wieder auf den Grund hinzuweisen, warum ich diesen Blog überhaupt habe. Ich will es Ihnen erklären, die Sie diesen Artikel lesen. Und ich mache damit einfach beim Blog-Bang von Markus Cerenak mit. Es geht um die simple Frage „Warum“.

„Na, haste wieder Blogs geschrieben?“ – „Was schreibst du da überhaupt alles?“ – „Interessiert das überhaupt jemanden?“ – „Was hast du davon?“ – Ja, solche Fragen bekomme ich wieder und wieder. Was es heißt, einen Blog zu betreiben, hat von den Fragenden niemand wirklich einordnen können. Unter dem Strich bleibt ein einziges „Warum“ übrig. Warum mache ich das?

Es gibt so Dinge, die kann man nicht mit 3, 4 Worten beschreiben. Bloggen gehört dazu. Was habe ich in der Anfangszeit nicht alles gelesen, was man als Blogger alles tun und lassen sollte. Aber eigentlich ist das alles Mist. Ich schreibe, weil ich mich mit vielen Dingen beschäftige und gern meinen Senf zu allem möglichen dazugebe. Ich schreibe, weil ich eine Meinung habe und diese auch gern vertreten möchte. Ich schreibe aber nicht, um damit reich zu werden. Und offenbar finden einige Leser diese Einstellung gar nicht so verkehrt, und deshalb kommen sie immer wieder. In den letzten Monaten waren das immer zwischen 10000 und 30000 Besuchern pro Monat. Allzu viel kann da nicht falsch laufen. Und ich fühle mich gut bei dem, was ich mache.

Ich wollte ursprünglich hier auf der Seite so etwas wie mein persönliches Nachschlagewerk einrichten. Das hat sich dann nach und nach verändert. Erst habe ich mehr oder minder Tagesnachrichten kommentiert, dann habe ich unheimlich viel über Smartphones und das ganze Gedöns geschrieben. Und seit einiger Zeit schreibe ich hier meine Meinung auf. Zu dem, was mir so tagtäglich über den Weg läuft.

Suchmaschinenoptimierung ist mir dabei eher unwichtig. Es gibt ja wahre Heerscharen von Leuten, die mir da erzählen wollen, dass ich eine Google-freundliche Überschrift nehmen soll und Schlüsselwörter definieren soll und diese angeblich starken Schlüsselwörter soundso oft im Text fallen lassen soll. Es gibt da noch jede Menge weitere Tipps und Ratschläge. Aber die zählen für mich nicht. Denn ich mache das alles doch nicht für Bing, Google, Yahoo und Co.

Wenn ich einen Artikel beginne, dann meistens, weil mich ein Thema interessiert. Und dabei plane ich nicht großartig vor mich hin. Das heißt: Eine Gliederung oder so etwas gibt es bei mir nicht. Ich lasse einfach meinen Gedanken freien Lauf. Ich lasse meine Worte fließen. Und das ist auch gut so. Auch bei diesem Artikel mache ich das so. Ich weiß nach knapp 500 Worten noch nicht, wie der Artikel ausgeht.

Mir gibt das Bloggen viel. Ich verarbeite damit auch viel. Und es ist so ein Weg des Ausbrechens. Ich mache etwas anders als viele anderen. Ich wollte kein „Computer Man“ mehr sein. Kennen Sie dieses Lied der Puhdys? Ich denke, das ist genau das, wovor ich mich bewahren wollte. Ich wollte mich davor bewahren, wie ein Zombie durch die Welt zu gehen. Ich bin eben so ein komischer Kauz, bei mir müssen die Gedanken atmen können. Und das können sie nur mit ausreichend Platz. Und so hebe ich mich ein bisschen von anderen ab.

Natürlich gehe ich meiner geregelten Arbeit nach, natürlich habe ich meinen Alltag, natürlich habe ich meine privaten Kontakte, die mir sehr wichtig sind. Das hat jeder. Aber mit dem Bloggen schaffe ich mir ein Werk. Das ist doch auch etwas vernünftiges. Und in meinen Augen ist das eben nicht das, was Kritiker und Belächler gern als „hochgradig verzapften Mist“ bezeichnen.

Der Walter hat ein beeindruckendes Manifest geschrieben. Er schreibt darin, dass das Schreiben verändert. Nun ja, mich hat es nicht unbedingt zu einem besseren Menschen gemacht, was auch immer das bedeuten mag. Aber sicher ist auf alle Fälle, dass ich nicht an Herzdrücken sterben werde, eben weil ich meine Gedanken in die Welt hinaus lasse. Und zwar zu allem möglich, ich wiederhole mich da gern. Ob es Nachrichten aus Politik und Wirtschaft, ob es neue Smartphones, Alben, die mich beeinflusst haben, oder sportliche Themen oder Dinge rund um Leipzig sind – ich halte damit nicht hinterm Berg. Warum auch? Ich lebe viel entspannter durch das Bloggen. Und ich zerbreche mir nicht ununterbrochen den Kopf über irgendwelche Themen. Da schreibe ich lieber einen Artikel über das Thema, entlaste mich dadurch und rege unter Umständen zu einer kleinen Diskussion an. Insofern ist es schon so, dass das Schreiben verändert.

Aber der Walter meinte dazu aber auch noch, dass das Schreiben den Leser verändert. Wenn ich – auf welche Art und Weise auch immer – meinen Leser erreiche und irgendeinen Mehrwert fabriziere und vielleicht zur Debatte oder zum Nachdenken anrege, dann habe ich doch einiges erreicht, oder? Und irgendwie ist das auch der Fall, wenn ich mich so umschaue. Aber es ist eben eine tägliche Herausforderung, und der muss man sich eben stellen.

Ich denke, damit habe ich lang und breit jetzt erklärt, warum ich schreibe. Sehen Sie das genau so, dann sind wir uns einig. Und so ist das „Warum“ gefunden. Ich kann es eben auch nicht kürzer ausdrücken. Aber Stammleser kennen das ja, dass ich gern mit vielen Worten um mich werfe. Also das „Warum“ steht oben. Geld ist es nie gewesen. Dazu müsste ich wesentlich mehr Werbung einblenden, und da sträuben sich mir die Nackenhaare. Wenn aber der eine oder andere Cent mit abfällt, dann kann ich gut damit leben.

Ich weiß, dass hier einige Blogger mitlesen. Das ist auch gut so. Denn da kann ich gleich mal die Frage stellen, warum andere bloggen. Nein, Geld sollte es nicht sein. Was ist der Antrieb für andere Blogger, einen Blog zu betreiben? Was will man als Blogger erreichen? Das sind Themen, über die man Bücher schreiben könnte, nicht wahr?

Schreibstift – (C) ResoneTIC via pixabay

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