#Schufa Experiment gescheitert – Sturm der Entrüstung offenbar erfolgreich

Gestern kam es ja zu einer großen Welle der Entrüstung, nachdem die Schufa bekannt gegeben hatte, Facebook-Daten zur Ermittlung der Kreditwürdigkeit heranzuziehen. Offenbar hat sich die Auskunftei selbst ein Bein gestellt.

Es ist jetzt aber nicht etwa so, dass sich die Schufa hingestellt hat und verkündet hat: Ihr habt Recht, was wir da geplant haben, ist dann doch ein bisschen zweifelhaft. Nein, das musste das Hasso Plattner Institut tun. In einer offiziellen Mitteilung des Instituts heißt es:

Angesichts mancher Missverständnisse in der Öffentlichkeit über den vereinbarten Forschungsansatz und darauf aufbauender Reaktionen könne ein solches wissenschaftliches Projekt nicht unbelastet und mit der nötigen Ruhe durchgeführt werden, erklärte HPI-Direktor Christoph Meinel.

Der Ruf des Instituts ist dann wahrscheinlich eben diesem doch mehr wert als 200000 € – Geld, das die Schufa für die Forschung bezahlen wollte. Der Sprecher des Instituts verkündete, dass er zwar nach wie vor eine Forschungsrelevanz sehen würde aber derzeit keine Chance zur Durchführung eines solchen Projekts bestehen würde.

Heißt das nicht unterm Strich, dass man erst einmal Gras über die Sache wachsen lassen will, um es dann klammheimlich noch einmal erneut zu versuchen? Datenschützer sollten meiner Ansicht nach auf jeden Fall wachsam bleiben.

Ähnlich wie das Institut äußerte sich auch die Auskunftei. Damit deutet umso mehr alles darauf hin, dass später ein neuer Angriff auf die Privatsphäre der deutschen Internetnutzer durchgezogen werden soll. Der entscheidende Satz, der aufzeigt, dass der Sturm der Entrüstung gerechtfertigt war, ist der folgende, den die ZEIT in ihren Bericht aufgenommen hat:

Das Forschungsprojekt hat eine Debatte über den Umgang mit frei verfügbaren Daten angestoßen, die die Schufa erst mit Vorlage der Forschungsergebnisse erwartet hätte.

Das bedeutet für mich folgendes: Die Schufa wollte das Hasso Plattner Institut beauftragen, öffentlich zugängliche Daten von Nutzern sozialer Netzwerke einzusammeln und für eine Studie zu nutzen. Angeblich wollte man ein System entwickeln, um solche Daten sinnvoll für die Kreditwürdigkeit heranzuziehen. Wenn die Schufa schon mit einem Sturm der Entrüstung gerechnet hat, wenn sie die Ergebnisse vorlegen, möchte ich ehrlich gesagt gar nicht so genau wissen, mit welchen Methoden die Schufa vorgehen wollte.

Mich beschleicht die Sorge, dass die Auskunftei mit einem anderen Institut in die Planung gegangen ist, um unbemerkt dann wirklich die Daten auszuspionieren. Verschiedenenorts ist dabei zu lesen, dass man Freundeslisten für das Scoring herangezogen hätte. Bedeutet das nicht, wenn ich jemanden mit der so genannten „dunklen Vergangenheit“ in meiner Kontaktliste hätte, dass das meine Kreditchancen schmälert? So jedenfalls ließen es viele Kommentatoren des Experiments verlauten.

Und mir stellt sich immernoch die ernst gemeinte Frage, wer der Schufa die Erlaubnis dafür gibt und mit welcher rechtlichen Grundlage die Auskunftei arbeitet. So richtig hat mir das noch niemand beantworten können.

Was Sie auch interessieren könnte:

Ein Kommentar

  1. Also die Damen und Herren von der Schufa denken wohl auch, dass sie sich alles erlauben dürfen. Das wäre eindeutig zu weit gegangen und ich bin froh, dass sie die volle Breitseite für diese Aktion bekommen haben. Reicht ja auch aus, dass Sie jeden Kredit usw bereits abspeichern. Irgendwo muss Schluss sein! :shock:

    LG Karin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.