Bloggen können: Einfach so

Bloggen können: Einfach so

Bloggen können: Einfach so

Einfach so bloggen können, so als ob es hier im Blog 2009 wäre. Das wär’s. Einfach drauflos tippen, ungeschliffene Wortfetzen in die Runde hauen. Was wäre das? Das wäre doch das, was uns als Blogger ausmacht, oder? Kein SEO-Plugin in WordPress, das uns volljammert, man müsse nochmal an dem Text feilen und das Keyword noch 1,38 mal unterbringen oder so. Wann hat das eigentlich angefangen? Liegt es womöglich an der Geldverdien-Maschinerie Internet und an der überbordenden Professionalisierung von WordPress? Ehrlich: Ich habe keinen blassen Schimmer.

Darüber muss man doch noch bloggen können

Die Nebelkrähe RankMath, das ist das SEO-Plugin, das ich hier im Blog nutze, grinst mich gelb an und erzählt mir gerade, dass ich 67 von 100 SEO-Punkten hätte. Alter, ich hab hier grad eine Handvoll Worte in den Artikel rein gerülpst und du kommst mir damit? Dabei will ich doch nur meine teils dämlichen Gedanken denen um die Ohren hauen, die geistig umnachtet genug sind, dem ganzen Kram hier zu folgen. Ach, jetzt gehst du auf 73 von 100? Wieso? Ich verstehe das nicht.

Nein, ich muss doch über das bloggen können, was mich beschäftigt. So, wie ich das in diesem so genannten Damals (TM) gemacht habe. Ich weiß gar nicht, seit wann ich diesen ganzen SEO-Kram hier mache. Mir war das ja auch nicht so enorm wichtig. Irgendwann habe ich dann – irre, wie ich war – YOAST installiert. Und dann ging der ganze Spuk los. Ampeln hier, Nörgelei dort. Und immer sollte man irgendwas optimieren. Nur bloggen können tut man davon noch lange nicht.

Später hieß es dann, dass YOAST ganz dolle bäh sei und man RankMath in den Blog zimmern sollte. OK, hab ich gemacht. Leute, ich habe keinen Schimmer, ob das in irgendeiner Weise „besser“ ist, was immer das heißt. Und nebenher kamen immer wieder irgendwelche Optimierungs-Hanseln um die Ecke und haben behauptet, man möge doch bitteschön in seiner Nische bleiben. „Platz, Hasso! Auf das Deckchen! AUF! DAS! DECKCHEN!“

Dabei will ich doch wirklich nur über meine Gedanken bloggen können. Ihr seht schon: „Bloggen können“ habe ich hier als „Focus Keyword“ rein gehauen. Ich darf es halt nur nicht übertreiben, sonst ist das Spam. Irre! Jedenfalls will ich über Kram erzählen, der auch mal NICHT zum Kernspektrum eines Fachinformatikers passt. Und wenn es ein Kochrezept ist. Oder der Kram mit meinem Arm vor ein paar Jahren. Siehste, RankMath, schon sind wir bei 77 von 100.

Auf in die Einfach-so-igkeit

Ich glaube, WordPress hat für die meisten Popel-Blogger, wie ich einer bin, seine größten Zeiten hinter sich. Das ist eben nicht mehr nur eine Blog-Plattform. Es ist eben ein verdammtes Content Management System. An mancher Stelle ist WordPress einfach mal kaputt optimiert worden. Ja, es funktioniert alles. Und mittlerweile haben sie auch die meisten Plugins, die amok gelaufen sind, eliminiert. Aber bei dem Gedanken, einfach was ins Internet zu werfen, wie man das früher gemacht hat, ist WordPress zu groß.

Jetzt ist es so, dass du immer im Hinterkopf hast, dass das SEO-Plugin grün werden muss. Bei RankMath bedeutet das, dass du soundso oft das Keyword nennen musst, mindestens einen externen und internen Link haben musst, das Keyword im Titel unterbringen musst und so weiter und so fort. Darüber hinaus willst du vielleicht deine Leserschaft beglücken und neue Leser einsammeln. Man legt also viel Wert auf Reichweite. Das hat aber nichts damit zu tun, dass man einfach so was schreibt.

Beim Thomas habe ich dazu etwas gelesen. Ob ich letztlich meinen ganzen Blog zu Textpattern umziehen muss, wenn ich wieder simpel bloggen können will, weiß ich nicht. Letzten Endes brauche ich doch nur diesen ganzen Optimierungswahn nicht mehr mitzumachen. Aber dann ist es eben auch so, dass man kein WordPress mehr braucht. Und wenn ich dann noch hier lese, dass man spezielles Wissen braucht, um eine WordPress-Seite optimal betreiben zu können, fehlt mir das Verständnis für dieses CMS.

Ich will wieder in die Einfach-so-igkeit. Ein paar Gedanken in Zeilen schmeißen, ohne auf irgendeine Ampel zu achten. RankMath schimpft nämlich gerade mit mir, weil ich „Content AI“ nicht nutze, weil mich das Geld kostet. Ach, und weil keine Zahl im SEO-Titel habe (Was soll ich da auch mit einer Zahl?) und weil das Keyword nicht im Titel vorkäme. Leute, das ist alles Quatsch. Es hat nichts damit zu tun, dass ich einfach ein paar Texte bloggen können will. Nicht im geringsten.

Was machen wir denn jetzt daraus?

Früher (TM) war es so, dass man seine Gedanken zu Erlebtem, Gelesenem und wozu auch immer in den Blog schrieb. Es war das Teilen von Erfahrungen, das Mitteilen von Gedanken, der Austausch mit anderen. Heute ist es so, wie ich in einigen Blogs las, dass etliche Blogger bei einem Artikel mehr als die Hälfte der dafür angefallenen Zeit dafür aufwenden, den Text zu optimieren, sodass die Ampel grün ist, und den Artikel dann möglichst optimal irgendwo hin verteilen.

Wie viel Zeit könnten wir uns denn damit einsparen, wenn wir uns einfach nur die Frage stellen, worüber wir bloggen können, und es dann einfach so tun? Ich will nicht mehr die gleiche weich gespülte Leier wie überall lesen. Ich habe die Nase voll, stets an irgendein Optimum erinnert zu werden. Mich kotzt es an, die Worte so sehr feilen zu müssen, dass ich damit niemandem auf den Schlips trete. Es muss wieder mehr Gerülpse sein, mehr echter Inhalt, mehr Splitter, die man sich einziehen kann.

Ob daran auch ein Stück weit der ganze Hype rund um Mastodon schuld ist, wo ich ja auch einen Account habe, kann ich nicht sagen. Jedenfalls will ich raus aus dieser ganzen Hamsterradigkeit der letzten Jahre. Ich will mich einfach nicht mehr um Dinge kümmern, die nicht zum Kern des Bloggens gehören. Deshalb fliegen diese ganzen Ablenker wie SEO und so aus dem Blog raus. Und wenn mir das immernoch zu viel Weichspüler ist, muss ich mir halt etwas neues suchen.

Es gibt da ja einige Alternativen. Um einfach nur einen Artikel in die Welt zu schleudern, brauche ich kein WordPress. Und wenn dieser ganze Quatsch mit der Überfrachtung bei WordPress und all dem unwichtigen Quark so weitergeht, brauche ich definitiv etwas anderes. Jetzt versuche ich es erstmal damit, mein WordPress zu verschlanken und euch mit puren Gedanken zu belöffeln. Vielleicht bleibt ihr ja dabei. Würde mich freuen.

8 Kommentare zu „Bloggen können: Einfach so“

  1. Lieber Henning,

    genau so ging es mir auch. Ende Dezember hab ich mich deshalb von meiner Nische verabschiedet. Denn ich will einfach nur noch bloggen, um des Schreibens willen. Keine Erklärbärtexte mehr, sondern Geschichten. Ich hab auch ein SEO-Tool, da kuck ich hin und wieder, doch meistens ignoriere ich die Vorschläge. Ursprungsblogger kenne ich auch und die erzählen mir oftmals von Classic Press, die Alternative zu WP. Kennst du das auch oder wohin würdest du wechseln?

    Schönen Sonntag noch!
    Valerie

    1. Hallo Valerie,

      ich habe mal von ClassicPress gehört, mich aber noch überhaupt nicht damit beschäftigt. Naja, wohin ich wechseln würde, weiß ich – ehrlich gesagt – nicht. Ich habe da was von Textpattern gehört und von Laravel. Aber ich bin unschlüssig. Deshalb miste ich meinen Blog aus, damit nur noch das Bloggen eine Rolle spielt.

  2. Lieber Henning,
    vielleicht liegt es an meinem Alter, aber ich verstehe Dich so gut. Ich bleibe hier auf jeden Fall dabei und lese Deine Gedanken gerne.
    Liebe Grüße
    Roland

    1. Hallo Roland,

      stimmt, wir haben es nicht mehr nötig, anderen zu gefallen. Wir sind wir und dafür schon lang genug auf der Welt. Ich glaube, die eigene Meinung hat noch niemandem geschadet.

  3. Lieber Henning,

    du bist schon auf dem richtigen Weg. Wie im realen Leben auch, sind diese ganzen erhobenen und bemessenen Daten ein Korsett, was uns Menschen immer mehr einengt oder gleich schaltet (ja, bewusst diese Wortwahl).
    Mein Rat, wenn du einfach nur bloggen willst, lass es mit dem SEO **oder** achte nicht stetig drauf, sondern nur wenn es dich einmal interessiert.
    Das Internet wird zunehmend von Werbetreibenden Übernommen und damit müssen sich solche Goldschätze wie dein Blog leider arrangieren. Um sich dem lauten Krach der kommerziellen Seiten entgegen zu stellen, hat keine private Person die Kraft oder Zeit.
    Etwaig hilft die meine gedankliche Herangehensweise. Ich schreibe für mich und sehe es wie vor der Zeit von SEO und Google, „k.a. ob das jemand liest, aber ich hab es mir mal von der Seele geschrieben“ :-).

    WordPress, tja, schwere Sache. WordPress hat eine irre technische Schuld mit sich zu tragen. Dennoch gibt sich die Firma dahinter wenigst Mühe. Du tauschst hier Komplexität (Neue Märkte müssen mit dem Produkt WordPress erreicht werden) mit „Um so viel muss ich mich dann doch nicht kümmern“ ein. Das Kern WordPress wird nicht mehr so häufig „auf gemacht“, ist also nicht mehr so sehr kaputt. Genau das ist das Problem, von kleinen alternativen Systemen. Ausnahmen gibt es auch hier, aber diese muss man finden und diese Ausnahmen müssen dann noch zu einem selbst passen.
    Und ganz ehrlich, wer hat heute überhaupt die Lust einen Blog auf eine andere technische Plattform zu migrieren?

    1. Wie sangen meine Helden OMD 2017 auf dem Album „The Punishment of Luxury“?

      Everything you’ve ever seen
      Photographs and magazines
      Vivid colour black and white
      All reduced to isotype

      Auch Zahlen und Statistiken und all der Quark können dazu führen, dass Alles zu Isotypen wird. Und ja, am Ende läuft es auf’s Gleichschalten hinaus. Deshalb ja auch immer mal wieder meine Kritik an TechBlogs, die im Gleichschritt die gleichen News sogar fast wortgleich raushauen.

      Ja, ich habe entschieden, dass ich SEO erstmal drin lasse. Aber es wird so weit ausgeblendet, dass es mich nicht mehr ständig drangsaliert. Das stört ja unterm Strich nur den Schreibfluss.

      Die Herangehensweise von dir ist meiner Meinung nach die einzig sinnvolle beim Bloggen. Alles andere wäre dann nicht mehr „Die Gedanken sind frei“.

  4. Einerseits verstehe ich, was du sagen willst…andererseits aber auch nicht :)

    WordPress ist von Hause aus so gut wie nicht SEO-optimiert. Das heißt, wenn du völlig unbelastet von SEO schreiben willst, brauchst du einfach nur alle SEO-Plugins zu löschen. Schon erklärt dir niemand mehr, wie oft du das Keyword noch unterbringen musst :)

    1. Hallo Erik, das stimmt schon. Aber da hängt ja noch ein bisschen mehr dran, was du stets mit „Mach doch einfach“ verändern kannst. Aber das „große Ganze“ macht es dann doch eher kompliziert. Man ist halt viel zu sehr damit verstrickt, irgendwas zu machen, was irgendeinem Mechanismus gefallen könnte. DAS zu ändern, ist wohl die größte Schwierigkeit.

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