30 Jahre „Left to my own Devices“ der Pet Shop Boys

Freilich ist „Left to my own Devices“ nicht der größte Hit der Briten Pet Shop Boys. Aber es ist so ziemlich die mächtigste und imposanteste Nummer des Duos. So viel Pomp hat man selten in den Charts gehört. Dabei ist da gar nicht so sehr viel Inhalt dahinter. Aber halt ziemlich viel Theater.

Left to my own Devices I probably would

Ich stehe um halb elf auf und rufe einen Freund an, der ein Partylöwe ist. Dann schalte ich die Nachrichten an und trinke Tee. Wenn du bei mir wärst, würden wir vielleicht shoppen gehen. Eines Tages werde ich lesen oder den Führerschein machen. Wenn du den Test bestehst, kannst du sie alle schlagen. Aber der Wettbewerb und das Getratsche auf der Straße liegen mir nicht. Ich kann mir das beste vom Partylöwen abgucken.

Ich nehme ein Magazin über sonnige Orte. Und ich lerne zu ignorieren, was der Fotograf sah. Mir wurde immer erzählt, ich soll in einen Club eintreten. Und mit der Clique abhängen, wenn ich dazu gehören wollte. Ich war ein einsamer Junge, keine Stärke, keine Freude, in meiner eigenen Welt auf der Rückseite des Gartens. Ich wollte mich nicht messen oder draußen auf der Straße spielen. In meiner Fantasiewelt war ich ein General mit rundem Kopf.

Ich war in einem schwierigen Alter, als ich vor der Wahl stand: Schreibe ich ein Buch, oder gehe ich auf die Bühne? Aber im Hinterkopf hörte ich entfernte Schritte: Che Guevara und Debussy zum Disco-Rhythmus. Es ist kein Verbrechen, wenn du so aussiehst, wie du es tust, so, wie ich mich dir gern vorstelle. Wenn ich heim gehe, ist es spätabends. Ich nehme einen Drink und verfolge den Kampf. Ich mache den Fernseher aus und schau in ein Buch. Dann nehme ich das Telefon, mach mir was zu essen. Vielleicht bleibe ich die ganze Nacht und den Tag wach und warte auf die Minute, in der du sagst:

Ich könnte dich verlassen, dir lebewohl sagen. Oder ich könnte dich lieben, wenn ich es versuche. Und ich könnte es. Und wenn mir niemand dazwischen funken würde, wurde ich es vielleicht auch machen.

Autobiografisches mit großem Musical

Soweit ich das verstanden habe, ist „Left to my own Devices“ eine vollkommen übertriebene Anekdote über die Jugendzeit von Sänger Neil Tennant. Ich schrieb bereits vor längerer Zeit davon. Er fand die Idee spannend, ein Lied über einen typischen Tag von jemandem zu machen, der allein ist. Was macht man da? Man steht auf, telefoniert in der Gegend herum, ist unterwegs und kommt abends heim.

Insofern ist die Story des Liedes jetzt nichts spektakuläres. Aber man könnte denken, es sei autobiografisch, wenn man hier in dem Artikel liest. Ich hatte mal die Partitur des Liedes. Das kam mir irgendwie so vor, als sei das durchkomponiert worden. Es wirkte nicht so, als sei das Ganze in Schemata zusammen gebastelt, wie so viele Elektronik-Lieder. Und es war schwierig, das Ganze nachzuspielen. Vor allem, wenn man allein klimpert.

„Left to my own Devices“ ist dennoch eine der erfolgreichsten Singles der Pet Shop Boys. Im britischen Mutterland schoss die Nummer bis auf Platz 4, in Deutschland immerhin bis auf die 9. Und irgendwie erklärt es sich für mich damit, weil das Lied so ungewöhnlich instrumentiert ist, so mit großer Sinfonie am Anfang. Und das macht „Left to my own Devices“ auch irgendwie zum Kracher. Finden Sie nicht?

Das Lied

Ich habe da etwas mit erweitertem Datenschutzmodus eingebaut. Nur ist es nicht die gekürzte Radioversion mit dem offiziellen Video. Nein, es ist die originale Album-Version mit über 8 Minuten Spielzeit. Denn damit hören wir, was ich die ganze Zeit gemeint habe.

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