35 Jahre "The Pacific Age" von OMD

35 Jahre "The Pacific Age" von OMD

35 Jahre „The Pacific Age“ von OMD

35 Jahre „The Pacific Age“ ist eine lange Zeit. Es war die Zeit, in der OMD plötzlich zu sechst waren und sich anschickten, die USA endgültig zu erobern. Es war auch die Zeit, in der die Herren endgültig zu Popstars wurden. Aber auch hier zeigten sich die Briten so, wie man sie kennt: Vordergründig Pop, aber mit Kritik und Eigenwilligkeit durch die Hintertür. „The Pacific Age“ ist das amerikanischste aller OMD-Alben, und das möchte ich kurz vorstellen.

(Ich habe den alten Artikel quasi komplett über den Jordan gehauen. Hier ist also inzwischen vieles neu.)

The Pacific Age – 10 Lieder eingesammelt

Los geht’s mit „Stay (The Black Rose And The Universal Wheel)„. Die spröde Pop-Nummer erzählt darüber, dass sie denkt, gehen zu müssen. Er fordert sie zum Bleiben auf, obwohl sie ihm entfleucht wie eine schwarze Rose. Die recht harte Nummer war eine potentielle Single, wurde aber zugunsten eines anderen Liedes verworfen. Aber sie ist ein echter Wachmacher, oder?

Der große Hit des Albums ist das weltbekannte „(Forever) Live And Die“ (als Maxi-Version verlinkt). Vordergründig ein Lied über eine zerbrochene romantische Partnerschaft, handelt das Lied über die Enttäuschung über das Verhalten der Plattenfirma Virgin Records. Sie fühlten sich verraten und verkauft. Und die Band weiß nicht, warum man ewig so weitermachen soll.

Das Titelstück „The Pacific Age“ kommt schwer orchestral daher. Es geht um das friedliche Zeitalter, Es kommt wie Regen und wächst stark. Es ist eine Mahnung an die Welt, den Kalten Krieg doch endlich bleiben zu lassen. Denn am Ende verliert man das Ganze eh. In der Endkonsequenz würde es nur Verlierer geben. Und es ist die Hoffnung, dass die „Dämmerung“ von Ost nach West hereinbricht. Ein Antikriegslied sonders gleichen, wie ich finde.

The Dead Girls“ erzählt von den Nonnen in Klöstern. Mithin wird hier die Kritik an der kritiklosen Allmacht der Kirche geäußert, wie auch schon bei „Maid of Orleans“ Jahre zuvor oder „Sister Marie says“ Jahre später. Das Lied ist sicher nicht für jeden etwas, weil es eben auch ein großes Stück experimentell ist. Die orchestrale Note wird hier fortgeführt, und es ist ein Spiel von Arie, Klangexperiment und Synthie-Musik.

Das Lied, das „Stay…“ als Single vorgezogen wurde, ist ausgerechnet „Shame„. Das leichtfüßige Lied in einer Mischung aus Chanson und Cha Cha Cha erzählt über das Ende einer Beziehung. Es ist eine Schande, wie diese geendet hat. Für mich ist das Lied ein wunderbares Stück Musik. Aber es war viel zu schade, ausgerechnet dies als Single zu bringen. Hier hatte die Plattenfirma offenbar auch wieder über die Köpfe der Band hinweg entschieden, wie sie es bereits bei „Never turn away“ tat.

Aber, Leute, ey! Was haben sich denn dann OMD mit „Southern“ gedacht? Gewaltige Bläser, Martin Luther King, Funk-Bass… Ich hab das nicht so richtig verstanden. Aber OMD haben halt auf „The Pacific Age“ versucht, auch die Südstaaten-Themen mitzunehmen.

Das experimentellste Liedchen auf dem Album ist dann „Flame of Hope„. Die Flamme der Hoffnung brennt in unseren Herzen. Ein seltsames Gefühl zerreißt einen. Und er ruft ihren Namen. Ein wunderbares Liebeslied auf nicht einmal 3 Minuten, wahrscheinlich als eine Art Zwischenspiel gedacht. Eins der positivsten OMD-Lieder.

Mit „Goddess of Love“ geht es dann wieder in die Vollen. So klangen OMD ab 1985 bis Ende der 80er. Pop vom Feinsten, der über die Liebesgöttin erzählt. Ursprünglich war es für den Film „Pretty in Pink“ gedacht, aber es wurde dann doch lieber „If you leave“ hergenommen. In dem Lied geht es um die Frau, die immer volle Kanne geht, und er wird darüber wohl nicht mehr froh werden.

Im gleichen Stil folgt dann der Gassenhauer „We love you„. Ich glaube, es ist ein Lied für die Fans. Es geht um Nachrichten ans Gelobte Land. Sie lieben ihre Fans und würden für sie sterben. Prinzipiell ist das Lied auch eine Nachricht an die Leute hinter dem Eisernen Vorhang, der bis 1989 bestand. Jede Träne über den Fakt seines Bestehens sammeln sie ein für regnerische Tage. Ist das lyrisch oder nicht?

Abgeschlossen wird das Album durch die Ballade „Watch us fall„. Sieh, wie wir fallen. Alles geht kaputt. Er kennt sie viel zu lang. Auch wenn sie letztes Jahr sagte, sie würde sich niederlassen, kann er es nicht glauben, da sie immernoch umher läuft. Man steigt auf und fällt herunter. Und bei jedem Fall stirbt man ein bisschen mehr. So ist das Leben.

Es war nichts mehr da…

35 Jahre "The Pacific Age" von OMD
35 Jahre „The Pacific Age“ von OMD

Andy McCluskey hatte mal in einem Interview erzählt, was so problematisch an dem Album ist. Es ist ja nicht nur so, dass die Kritiken eher verheerend waren und dass das Album so komplett anders klang. Vor allem war das Problem von „The Pacific Age“, dass die Band leer war. Andy McCluskey meinte, dass es keine Melodien, keine Texte, nicht mal Ideen mehr gab. Sie waren schlicht und ergreifend leer.

Das ist meiner Ansicht nach auch der Grund, warum man auf-Teufel-komm-raus irgendwie anders klingen wollte und rund die Hälfte aller Lieder gleich oder ähnlich klangen. Eine derartige Lustlosigkeit hatte sich dann natürlich auch in den Kritiken niedergeschlagen. Bis heute haben OMD mit „The Pacific Age“ eine eher schwierige Beziehung. Und das trotz der Weltklasse-Nummer „(Forever) Live And Die“.

Jetzt stellen wir uns mal vor, OMD hätten auf dieses Album richtig Bock gehabt! Was wäre denn dann daraus geworden? Das Album ist bei weitem kein Meilenstein. Und es ist schade, dass sich OMD ausgerechnet „The Pacific Age“ als Schlusspunkt ausgesucht hatten. Bloß gut, dass es dann mit „Sugar Tax“ und später mit „History Of Modern“ weiterging. Denn sonst wäre das ein eher fader Abschied gewesen.

Und nebenbei bemerkt: „Watch us fall“ hat für mich noch eine tiefere Bedeutung. Ich glaube, dass OMD mit diesem Lied ihre Geschichte beenden wollten. Sieh, wie wir fallen. Es gibt nichts mehr, was uns hält. Der Schlusspunkt von „The Pacific Age“.

1 Kommentar zu „35 Jahre „The Pacific Age“ von OMD“

  1. Pingback: 29 Jahre FOREVER LIVE AND DIE von OMD › Henning Uhle

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