40 Jahre „Being Boiled“ von The Human League

Definiere einen Meilenstein der elektronischen Musik, der als Einleitung zu New Wave gilt. Kein Lied neben „Being Boiled“ von The Human League war derart einflussreich beim Übergang von Punk zu New Wave. Die Nummer ist trotz der spröden Atmosphäre ein Evergreen geworden. Und es hatte dann Phil Oakey zum Helden gemacht. „Being Boiled“ ist bewusst so gehalten und wurde zu einem weltweiten Megahit. Im Juni wird es 40 Jahre alt.

Being Boiled

Hört auf die Stimme von Buddha. Sie sagt: Beende deine Zucht von Seidenraupen. Kleine Menschen wie eure Nachkommen werden auf Vorrat für irgendeinen Gott gekocht. Buddha beobachtet euch, Buddha wartet.

Nur weil das Kind ein Waise ist, ist es keine Entschuldigung dafür, es gedankenlos zu erschlagen. Die Leute vergessen nicht diese Qual. Nur weil ihr sie „Mutter“ nennt, heißt das nicht, dass sie besser ist als ihr.

Noch einmal mit Buddhas Stimme: Er wird sagen: Macht weiter mit eurem Abschlachten. Wen kümmern schon die kleinen Kinder? Ihr könnt sie ohne Schuldspruch aufschlitzen. Blinde Rache an einem schuldlosen Opfer.

Was wollen uns The Human League damit sagen?

Mal ehrlich: Der Text ist doch kompletter Unsinn, oder? So fanden das die Mitglieder von The Human League aber auch. Es ist der erste textliche Erguss von Sänger Phil Oakey, der 1977 den ersten Sänger Adi Newton ersetzte. Damals hieß die Band noch „The Future“. Der Bandname war aber nicht so das Wahre, weshalb man sich in „The Human League“ umbenannte. Und im Juni 1978 wurde dann „Being Boiled“ als Mono-Aufnahme veröffentlicht. Für die „Holiday ’80 EP“ 1982 wurde das Lied nochmal abgemischt, und das kennen wir dann bis heute.

Das Alles war lange vor den Welthits „Don’t you want me“ und „Human“. Aber „Being Boiled“ machte die Band über Nacht zu Weltstars. Ich glaube, niemand hatte sich mit dem Text beschäftigt. Dieser liest sich wie kompletter Blödsinn. Es geht aber um fernöstliche Kultur und um Seidenspinnerraupen, also die Larven des Seidenspinners. Die werden vom Menschen am 10. Tag nach Fertigstellung des eigenen Kokons in kochendem Wasser getötet, um das Seidengarn zu gewinnen.

Also ist am Ende das Lied kein kompletter Nonsens. Sondern es spricht den Tierschutz an. Das Töten der Raupen ist in Asien seit Jahrhunderten bekannt und verbreitet. Und diese Geschichte hat Phil Oakey, der Wurzeln in Indien und Malaysia hat, aufgeschrieben. Das Ganze musste spröde instrumentiert sein. Und wenn man genau hinhört, dann klingt das ganze Lied irgendwie asiatisch. Aber das kann auch Einbildung sein.

Nach „Being Boiled“

Nach dem ersten großen Hit stiegen irgendwann Susan Ann Sulley und Joanne Cathedrall ein, die sich oft identische kleideten und schminkten, und die Bandgründer Ian Graig Marsh und Martyn Ware aus. Letzterer gründete Heaven 17, über die ich schon mal schrieb. Phil Oakey wurde zur Kunst- und Kultfigur. Und irgendwie gibt es die Band immernoch. 2011 gab es das bis heute letzte Album „Credo“.

Und dann kam irgendwann in der ersten Hälfte der Neunziger ein Eurodance-Projekt namens „Voice of Buddha“ um die Ecke, das sich bei seiner einzigen Single „Can you hear the Voice of Buddha“ an eben jenem „Being Boiled“ bediente. Dieses Projekt ist schon lange wieder Geschichte. Aber die 40 Jahre alte Nummer bleibt. Ich glaube aber, dass die Version von 1980 / 1982 bekannter ist als der erste Versuch von 1978.

Das Lied

Das Video wurde mit erweitertem Datenschutzmodus eingebunden. Damit werden keine Nutzerdaten zu YouTube übertragen, es sei denn, Sie starten das Video.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.