Mark Zuckerberg: Es tut mir schrecklich leid

Gestern wurde Facebook Chef Mark Zuckerberg von europäischen Parlametariern angehört. Ich hätte mir ein hartes Kreuzverhör gewünscht. Das haben sich die Bewohner des EU-Elfenbeinturms nicht getraut. Und so wurde der Gründer des größten Verletzers des Datenschutzes mit Samthandschuhen angefasst. Und er sagte halt: Sorry. Warum mich das kolossal aufregt, darüber muss ich mal kurz schimpfen. Nun ja, vielleicht nicht nur kurz. Mal sehen.

Mark Zuckerberg und sein Sorry

Kennen Sie die Meldungen von Facebook, wenn irgendwas dort schief geht? Da steht doch irgendwas von „Entschuldigung, das hätte nicht passieren dürfen“ oder so. So ungefähr war gestern Mark Zuckerberg unterwegs. Vor reichlich einem Monat wurde er vor dem Rechts- und Handelsausschuss des US-Senats in die Mangel genommen. Und man dachte, dass irgendwie Facebook ein paar hinter die Löffel bekommen hatte. Mehrere Stunden wurde Zuckerberg befragt. Und gestern war er Brüssel.

Erst dachte Mark Zuckerberg gar nicht daran, sich mit der EU zu beschäftigen. Ich hatte das Gefühl, als ob er die Europäische Union und deren Datenschutz als unwichtig ansieht. Dann war er aber doch da und billigte den Parlamentariern 2 Stunden zu. Während der meist müden und pomadigen Fragerei gestand er zwar Fehler ein. Aber er blieb vage und sagte praktisch nichts aus. Und am Ende kam ein lapidares „Sorry“, das wie „Entschuldigung, das hätte nicht passieren dürfen“ klang.

Nein, das hätte auch nicht passieren dürfen, dass Facebook dem Datensammler Cambridge Analytica Schnittstellen bereitstellt, dass dieser dann unzählige Nutzer ausspionieren und beeinflussen kann. Mir ist es dabei völlig egal, ob das mutmaßlich nur amerikanischen Nutzern widerfahren ist. Ich möchte schlichtweg, dass die Möglichkeit nicht besteht. Hier hat meiner Meinung nach Facebook Datenmissbrauch zugelassen und genau genommen durch die Schnittstellen Hehlerei begangen.

Und wir unterhalten uns über DSGVO-Abmahnungen?

Facebook und im Speziellen Mark Zuckerberg tut so, als ginge den Konzern der europäische Datenschutz einen feuchten Dreck an. Es wurden immer schon bei Facebook Daten verkauft, spätestens seit der Einführung von Werbeanzeigen. Und wir unterhalten uns hier in Europa darüber, dass aufgrund der Datenschutz-Grundverordnung der Abmahn-Wut Tür und Tor offenstehen? Wer hat die Daten missbraucht? Der kleine Blogger oder der Riese Facebook?

Die kleinen Blogger zerbrechen sich den Kopf, wie sie bis Freitag so weit sind, reinen Gewissens der DSGVO gegenüber zu treten. Einige stampfen gar ihre Blogs ein. Und was macht Facebook? Um ja nichts tun zu müssen, werden die Nutzer aus Europa einfach mal verschoben. Das ist viel einfacher. Und damit ist man nach Ansicht von Facebook aus dem Schneider. „Entschuldigung, das hätte nicht passieren dürfen“ – oder so.

(Nur mal so: Selbst wenn die Meldung nicht von Facebook stammt, so passt sie doch ausgezeichnet dort hin.)

Mark Zuckerberg hätte man in die Mangel nehmen können, ja müssen. Der ist ein kalter Fisch, der immer wieder durch die Finger rutscht. Mit der Sache mit Cambridge Analytica hätte man ihn bei den Eiern gehabt. So macht der doch mit seinem Laden weiter wie bisher. Und in Europa wird die DSGVO scharf geschaltet, und kleine freischaffende Autoren bangen um ihre Existenz. Es ist einfach ein Scheißspiel, was da getrieben wird.

Sonst kannst du Facebook nicht mehr nutzen

Facebook droht. Derzeit werden Meldungen angezeigt, in denen das Netzwerk dazu auffordert, die Dateneinstellungen zu überprüfen. Macht man das mit, wird es denkbar unübersichtlich. Mir scheint, als ob das von Facebook genau so gewollt ist. Man will die Nutzer dazu bringen, alles mögliche zu gestatten. Damit kann Facebook dann sagen: „Wir durften ja“. Andernfalls, so die Drohung, könne man ab dem 25. Mai Facebook nicht mehr nutzen. Sagt Mark Zuckerberg dazu etwa auch „Sorry“?

Nutzer werden beeinflusst. Sie werden förmlich durch die Gestaltung von Buttons und die Art und Weise der Fragestellung zur Freigabe für Facebook überredet. Das widerspricht alles dem Kopplungsverbot, das mit der DSGVO eingeführt wird. Ich kann auch nicht hergehen und sagen „Lass mich deine Daten sammeln, sonst darfst du hier nicht im Blog lesen“. Aber ich bin ja auch nicht Facebook. Ich würde wohl mit meinem kleinen Blog eine Strafe bekommen.

Damit wird die Datenschutz-Grundverordnung nur noch mehr zur Farce. Dass das EU-Parlament dem Giganten Facebook quasi den Hintern küsst, zeigte sich gestern an der lächerlichen Befragung von Mark Zuckerberg. Und somit wird Facebook auch in der Durchsetzung des Datenschutzes keine drastischen Strafen erwarten. Man steht der Datenkrake sehr pomadig gegenüber. Man hat ja andere, die man behelligen kann. Und Facebook macht doch alles richtig in den Augen der EU. Sonst würde es diese Drohung nicht geben.

Mark Zuckerberg muss zum Handeln gezwungen werden

Es nützt ja nichts. Mark Zuckerberg hatte während der zweistündigen Plauderei (mehr war es ja wirklich nicht) zugeben müssen, dass der Persönlichkeitstest, den Cambridge Analytica zur Ausspionierung benutzt hatte, nicht die einzige App auf Facebook ist, die den Datenschutz verletzt. Man werde sich damit beschäftigen. Nein, ehrlich, wird man nicht. Man wird gucken, wie weit man kommt, wenn man untätig ist. Auch Facebook selbst wird sich nicht verändern, so lang es keinen Druck gibt.

Die EU hätte Facebook zum Handeln zwingen können, eigentlich zwingen müssen. Der Konzern sieht sich sonst einfach nicht in der Verantwortung. Wer mit Nutzerdaten zu tun hat, muss enorme Sorgfalt walten lassen. Das sieht Mark Zuckerberg aber einfach mal anders. Hier hätte die EU handeln können. Aber so lässt man Facebook weiter gewähren. Und so geht Mark Zuckerberg als lachender Unbeteiligter aus dem Saal. Und Blogger fummeln weiter wegen der DSGVO.

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