Ghost Star: Das beste Lied von OMD aller Zeiten

Ich habe es nicht oft mit Superlativen. Aber seit „The Punishment of Luxury“ von OMD habe ich mit dem Ambient-Monstrum „Ghost Star“ einen solchen ausgemacht. Ich bin – nachdem ich nun wirklich jedes Album der New Wave Götter kenne und mich lange mit dem letzten Gesamtwerk beschäftigt habe – der Meinung, dass es das beste Lied der Band ist, wenn nicht sogar eins der besten jemals geschriebenen.

Ghost Star: Auf der Suche nach dem Geisterstern

Über dem Himmel und weggewischt: Ich strecke mich, um dich festzuhalten. Es hallt tot in der Bucht. Ich wünschte, ich hätte es dir sagen können. Und der Sand weht mir in die Augen, als die Liebe versucht, mich zu blenden. Weit hinter dem Horizont bricht die Dunkelheit noch herein, um mich zu finden. Und in dieser Nacht und auf diese Weise hast du deine Magie langsam gewoben. Der gebrochene Junge ist wieder genesen. Ich verfalle dir vollständig.

Unvergeben und jetzt wieder ganz allein. Wo ist die Schönheit, die du ausgeströmt hast? Wenn du all den Schmerz vergraben hast, den du gekannt hast, werde ich dich zu Bett bringen. Wo ist das Perfekte, das du von früher her kennst? Wo ist der Regenbogen in deinem Kopf? Wenn du alle deine Feinde zu Stein verwandelt hast, wer wird dich ins Bett bringen? Nimm die Gefühle, die ich von früher her kenne. Behalte sie an meiner Statt bei dir. Wenn eines Tages all die wilden Pferde gezähmt wurden, wirst du mich im Bett empfangen.

Was für eine Dramatik!

November 2017: OMD waren in Leipzig. Ich war natürlich bei dem Konzert. Und mit diesem monumentalen Meisterwerk haben Andy McCluskey, Paul Humphreys, Martin Cooper und Stuart Kershaw in vollster fast-7-Minuten-Pracht ihr Publikum eingenordet. Meine Fresse, nie habe ich einen besseren Konzertauftakt erlebt. Das Lied lebt aber auch in seiner gesamten Anmut als Monstrum. Es ist viel zu schade, als dass es jemals als Single im Formatradio kurz und klein getreten wurde.

„Ghost Star“ beginnt mit dem Brummen wie vom George Lukas’schen Todesstern aus Star Wars, bevor die Synthi-Fassaden ins ungefähr Dunkle brechen. Erhaben wird das Brummen beibehalten, über welchem die Stimme von Andy McCluskey die kleine Geschichte der heilenden Hand erzählt, die ihn genesen lässt, nachdem er an der Vergangenheit zerbrochen war.

Man denkt sich dann, es wird nun eine tanzbare Nummer. Denn in den Hymnus stimmen 90er-Jahre-Arpeggios von Paul Humphreys. Diese werden brachial durch mächtig schwere Drums erschüttert. Auf diesem Gewitter singt Andy McCluskey mit sich brechender Stimme davon, dass – egal, was passiert – man immer wissen sollte, wo man zu Hause ist. Egal, wie schlimm es draußen ist, man ist im Zweifel immer sicher im Bett.

OMD kreuzen Kraftwerk und Phil Collins

Wer genau hinhört, bekommt eine Ahnung, wie es klingen würde, wenn „Radioaktivität“ von Kraftwerk mit „Take me home“ von Phil Collins gekreuzt werden würde. Dieses zweigeteilte, mächtige Werk ist für OMD so etwas wie eine Heimkehr. 1980 gab es von der Band auf dem Album „Organization“ ein ähnliches zwei geteiltes Lied namens „Stanlow“, einer Erdöl-Raffinerie bei Liverpool, an der sie vorbei fuhren, wenn sie von einer Tour kamen.

„Ghost Star“ schwebt über allem, was ich von OMD kenne. Würde man sich die Noten anschauen, würde man denken, dass es sich halt um ein „okayes“ Lied handelt. Und auch der Inhalt ist nun nicht die Menschwerdung eines Liedtextes. Es ist alles, was das Lied ausmacht. OMD verstehen es eben auch nach 40 Jahren Bandgeschichte, brillante Werke mit einfachsten Mitteln zu erschaffen. So, wie Kraftwerk und Phil Collins nie zu viel Pomp aufgelegt hatten.

Wofür allerdings der Titel „Ghost Star“ steht, habe ich nicht herausfinden können. Wer weiß, vielleicht ist es ja der Gegenentwurf zum Todesstern aus „Star Wars“: Statt der totalen Vernichtung durch eine riesige Maschine, ist es eben die totale Hoffnung, dass alles gut wird. Und dieser Eindruck wird mit diesem großartigen Werk geschaffen: Was auch immer schlimmes passieren wird, am Ende haben wir alle unseren Schutz gefunden.

Das Lied

Es gibt freilich kein offizielles Video zu „Ghost Star“. Aber wer das Album nicht kennt, sich das Lied aber gern mal anhören möchte, der sollte sich diesen 8-Minuten-Remix anhören, der dem Original auf „The Punishment of Luxury“ noch eine Prise extra-Charm verabreicht. Eingebunden ist es mit erweitertem Datenschutzmodus.

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