DFB-Team: Auch zukünftig mit Joachim Löw

Kläglich war das Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Russland. Das DFB-Team war in allen Belangen nicht WM-tauglich. Und Joachim Löw war am Ende. Er bat sich Bedenkzeit aus, um für sich die Frage zu beantworten, ob er denn weitermachen will und kann. Seit gestern ist es nun klar: Der erfolgreichste Bundestrainer seit Franz Beckenbauer schmeißt nicht die Brocken hin. Aber wie geht es nun weiter?

Das DFB-Team und die Probleme

Es ist doch keine Frage: Alle, die mitgefahren sind zur Fußball-Weltmeisterschaft in Russland, können mit dem Fußball überdurchschnittlich gut umgehen. Sonst wären sie nicht nominiert worden. Alle, die Joachim Löw nominiert hatte, sind in ihren Vereinen Führungsspieler. Aber sie haben als Weltmeister eigentlich alles erreicht. Und genau das ist der größte Rucksack gewesen, den ein Ausnahme-Fußballer tragen kann.

Die Anzahl der Spieler, die 2014 in Brasilien nicht dabei waren, war doch sehr gering. Und noch geringer die Zahl derer, von denen in Russland auch mal ein Spieler eingesetzt wurden. Marvin Plattenhardt kam ebenso selten zum Zug wie andere. Stattdessen verließ sich Joachim Löw groß und breit auf die, die eh schon alles gewonnen hatten. Und davon waren einige nicht im Kopf frei.

Denn das große Problem war halt, dass jeder Fußballfan unterstellt hatte, dass „diese Mannschaft“ den Titel verteidigen kann. Das ist vorher eigentlich keinem Team gelungen. Wieso nun dem DFB-Team? Das war ja gar nicht einzusehen. Aber in der vorauseilenden Glückseligkeit waren viele taub. Neben dem oben beschriebenen Rucksack war es dann eben auch ein seit Jahren starres Spielsystem, was dann allen Gegnern bekannt war. Und das Alles führte zum Scheitern.

Was kommt auf Joachim Löw zu?

Joachim Löw muss das DFB-Team umbauen. Er hat quasi gar keine andere Wahl. Und er muss darauf einwirken, dass dieses ganze Brimborium um die Nationalmannschaft reduziert wird. Von daher denke ich, dass meine Kritik nach dem jämmerlichen Ausscheiden nach wie vor stimmt. Wenn Selfies und Hashtags wichtiger als Leistungen und Ergebnisse sind, darf man das eben auch kritisieren.

Vor Joachim Löw steht die Mammut-Aufgabe, alles auf den Prüfstand zu stellen. Kein einziger Spieler darf sich seiner Position sicher sein. Ein nicht zu 100% gesunder Manuel Neuer darf eben ebenso wenig die erste Wahl im Tor sein wie Sami Khedira im defensiven Mittelfeld oder Mesut Özil nach seinem PR-Desaster im offensiven Mittelfeld. Und nur weil Timo Werner ein Ausnahmestürmer ist, darf er sich dennoch nicht sicher sein, immer zu spielen.

Insofern steht Joachim Löw vor einem Paradigmen-Wechsel. Kontinuität ist nicht immer die beste Wahl. Und er muss selbst über seinen Schatten springen. So ist es immernoch nicht einzusehen, wieso wegen längst vergangener Begebenheiten Leroy Sané keine Chance bei der WM hatte. Diese persönlichen Befindlichkeiten haben bei der Nationalmannschaft keinen Platz.

Kommt der Erfolg der Nationalmannschaft zurück?

Die Zeit der großen Erfolge ist erstmal vorbei. 2002 in Südkorea und Japan kam die Mannschaft auf Platz 2, 2006 zuhause auf Platz 3, 2010 in Südafrika ebenfalls, 2014 wurde das DFB-Team Weltmeister. Und nun schied die Mannschaft in der Vorrunde aus. Ähnlich erfolgreich waren die letzten Teilnahmen bei Europameisterschaften. Aber es gab keinen echten Umbruch.

Wenn Joachim Löw es nun schafft, das DFB-Team neu zu erfinden, dann könnte irgendwann der Erfolg zurück kommen. Und selbst wenn es über die „Nations League“, die EM 2020 und die WM 2022 in Katar hinaus dauern sollte, dann ist das so. Der deutsche Fußball wird daran nicht zerbrechen. Und seien wir mal ehrlich: Neben dem Spielsystem und ein paar neuen Spielern muss ja noch einiges mehr überdacht werden.

Niemand darf sich mehr am „Weltmeister-Tor“ von Mario Götze laben. Das ist lange her. Und nebenbei: Die Nachwuchs-Nationalmannschaft macht einen richtig guten Job. Vielleicht sollten die jungen Spieler den Etablierten mehr auf die Füße treten können. Lukas Klostermann, Mahmoud Dahoud, Jonathan Tah, Maximilian Eggestein und eben Leroy Sané müssen maximal unbequem für die „Alten“ sein. Dann kann das klappen.

Fazit

Die Nationalmannschaften der einzelnen Länder sind schon durch viele Fegefeuer gegangen. Die „Three Lions“ in England waren schon „Deppen“, die „Equipe Tricolore“ in Frankreich wurde ebenfalls übelst beschimpft. Selbst die Nationalmannschaft aus Südkorea wurde nach einer für ihre Verhältnisse guten WM mit Eiern beworfen. Fakt ist, dass man die Eier haben muss, um sich aus dem Loch zu befreien.

Ob das beim DFB-Team mit Boateng, Khedira, Kroos, Özil, Müller und Co. funktioniert, wage ich aber zu bezweifeln. Hier müssen Spieler ersetzt werden. Und ob das altbekannte 4-2-3-1-System noch zeitgemäß ist, müssen andere bewerten. Wenn Joachim Löw die Freiheit bekommt, alles auf den Prüfstand zu stellen, wird der notwendige Umbruch gelingen. Und ich glaube, deshalb macht er beim DFB-Team auch weiter.

Was Sie auch interessieren könnte:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.