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Islam - (C) khoenow CC0 via Pixabay.de Islam - (C) khoenow CC0 via Pixabay.de

Bevölkerungsaustausch ist, wenn man nicht lesen kann

Haben Sie schon mal den Begriff “Replacement Migration” gehört? Klar, das kann man gern wortwörtlich übersetzen. Dann kommt “Umtausch-Migration” oder “Ersatz-Migration” heraus. Und schon sind wir in der Folge bei “Umvolkung”. Und DIE DA OBEN machen alle mit, und die “Lügenpresse” verschweigt das ganze Drama bewusst. “Gefühlt” ist doch eh schon das Abendland vollständig islamisiert. Aus dem Kölner Dom krakeelt der Muezzin. Und statt sonntags in die Kirche, geht es nun freitags in die Moschee. Das sei ein geheimer Plan, behaupten immer wieder diverse Publizisten. Aber ist das so?

Replacement Migration

Was bedeutet das Ganze? Schauen wir doch einfach mal in die Wikipedia. Dummerweise existiert kein deutschsprachiger Eintrag. Aber ein englischsprachiger. Und hier reicht eigentlich der erste Absatz des Artikels. Denn hier steht:

In demography, replacement migration is a theory of migration needed for a region to achieve a particular objective (demographic, economic or social). Generally, studies using this concept have as an objective to avoid the decline of total population and the decline of the working-age population. Projections calculating migration replacement are primarily demographics and theoretical exercises and not forecasts or recommendations.

Jetzt empfehle ich einfach mal, den Begriff nicht wortwörtlich zu übersetzen, dann wird es auch klarer. Denn wir übersetzen uns diesen Absatz einfach mal wie folgt:

In der Demografie ist die Replacement Migration eine Migrationstheorie, die für eine Region benötigt wird, um ein bestimmtes Ziel (demographisch, wirtschaftlich oder sozial) zu erreichen. Im Allgemeinen haben Studien, die dieses Konzept verwenden, das Ziel, den Rückgang der Gesamtbevölkerung und den Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zu vermeiden. Projektionen, die die Replacement Migration berechnen, sind hauptsächlich demografische und theoretische Übungen und keine Prognosen oder Empfehlungen.

Es geht um die Bestandserhaltung

Wir alle wissen, dass nicht mehr so viele Kinder geboren werden. Wie oft hören wir, dass die Bevölkerung ausstirbt? Ja, das ist nun auch ein wenig übertrieben. Aber ernsthaft: Klassen werden zusammengelegt, in manchen kleinen Orten gibt es gar keine Schule mehr. Es herrscht Fachkräftemangel. Ganze Orte verwaisen mit der Zeit. Und deshalb kamen die Vereinten Nationen mal auf die Idee, sich über Bestandserhaltungsmigration zu unterhalten. Es gibt dazu eine Studie. Und hier finden wir in einer Zusammenfassung:

Der Begriff “Bestandserhaltungsmigration” bezieht sich auf die Zuwanderung aus dem Ausland, die benötigt wird, um den Bevölkerungsrückgang, das Schrumpfen der Erwerbsfähigenbevölkerung sowie die allgemeine Überalterung der Bevölkerung auszugleichen.

Das Ganze ist dabei nicht neu. Es wurde also keineswegs die Balkanroute erfunden, um “Unmassen von Moslems” nach Mitteleuropa “und vor allem nach Deutschland” zu karren. Natürlich macht man sich die Flüchtlingskrise zu nutze. Aber doch nicht wegen eines “Bevölkerungsaustausches”. Und gegen den Willen von Staaten und deren Bevölkerung geht das schon mal gar nicht. Da kann man noch so sehr von “Lug und Trug” und von “Neuansiedlung” und “Umvolkung” erzählen. Es ist schlicht nicht wahr.

Was machen denn Publizisten daraus?

Ja, ich weiß, als Blogger ist man auch Publizist. Aber mir geht es um Publizisten, die eigentlich namhaft sind und für große Verlage geschrieben haben: Der Eine für den Stern, für Axel Springer, für den Spiegel. Der Andere für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, für das Capital oder den Cicero. Alles namhafte Medien. Nur muss dann irgendwas passiert sein. Denn ersterer palavert jetzt das nach, was letzterer vor einer ganzen Weile schon mal palavert hatte und was damals auch schon falsch war. Sogar Politiker atmen diesen Quatsch mit der Umvolkung aus.

Diverse Publizisten verschweigen eben, dass Medien durchaus sehr kritisch über diese ganze Geschichte berichten. Zum Teil wird von “70 Millionen kulturfremden Menschen” erzählt. Angeblich wird auch immer alles wohlwollend hingenommen. Fakten würden verschwiegen werden, Probleme landen unter Teppichen. Allerdings geht es im Konkreten um 40000 Plätze in ganz Europa, nicht um 70 Millionen allein für Deutschland. Deutschland hat bislang noch gar nichts beigetragen. Und diese Hängepartie wird sehr wohl kritisiert.

Am Ende ist es so, dass die Menschen, die über dieses Programm nach Europa kommen, bereits über das UNHCR als bedürftig registriert sind und deren Schutzstatus anerkannt ist. Hier geht es keineswegs um “Umvolkung”. All das hätte neben all den offenen Fragen zur Flüchtlingspolitik geklärt werden können und die Politik in die richtigen Bahnen gelenkt werden können. Aber Deutschland leistet sich seit dem 24.09.2017 eine unsinnige Nicht-Regierungsbildung, die zur Folge hat, dass nichts geregelt wird.

Fazit

Es hilft immer, aktuelle Entwicklungen zu hinterfragen. Dann sollte man aber auch Fakten liefern. Es handelt sich um freiwillige Zusagen. Es handelt sich um Flüchtlinge, die unzweifelhaft Schutz benötigen und nicht illegal nach Europa gekommen sind. Sie können prinzipiell dauerhaft bleiben, wenn sie die jeweilige Landessprache sprechen und für sich selbst sorgen können. Das hätte man natürlich in Einklang bringen können, wenn man denn gewollt hätte. Oder vielleicht findet auch nur ein vermeintlicher Bevölkerungsaustausch statt, weil einige Publizisten nicht lesen können.

Als Erkenntnis bleibt, dass so etwas manipulativ ist. Natürlich stimmen einige Aussagen so halbwegs. Aber sie sind so falsch, dass sie hart an der Grenze zur eiskalten Lüge sind. Wenn da ein Publizist mit mehr oder weniger hart am Wind segelnden Halbfakten argumentiert, dann ist das doch eins: Alternative Fakten, sonst nichts. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 thoughts to “Bevölkerungsaustausch ist, wenn man nicht lesen kann”

  1. Es ist entsetzlich, dass Menschen, die irgendwie im weitesten Sinne zur Elite dieses Landes bezählte werden (wie Matthias Matussek), der nicht zuletzt durch seine katholischen Ansichten aufgefallen ist, solche Thesen in die Welt setzt bzw. diese, die es ja leider schon seit einiger Zeit gibt, verstärkt. Wenn er nicht längst Reputation und Job eingebüßt hätte, wäre es noch tragischer.

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