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Spielt die EZB Mad Money für Große?

Es gibt ein tolles Gerücht über die Europäische Notenbank. Und zwar wird jetzt behauptet, dass die Zentralbank sich als Finanzjongleur betätigen könnte, um auf Teufel komm raus ihre Daseinsberechtigung zu dokumentieren. Das wäre ein fatales Zeichen, wenn dies so wäre.

Es existiert in der deutschen Medienlandschaft und unter deutschen Finanzexperten eine Meinung, die mich aufhorchen ließ. Die EZB könnte sich hinstellen und mit einer Art Tarnkappen-Technik am Sekundärmarkt unkontrolliert Staatsanleihen von notleidenden Euro-Staaten einkauft und das Ganze keiner mitbekommt. Dafür soll extra Geld gedruckt werden, das gar nicht erst wirklich in Umlauf kommen soll.

Irgendwie klingt mir dieses Gedankenspiel sehr nach dem Film “Mad Money”. In diesem geht es grob gesagt darum, dass Mitarbeiterinnen in der “Federal Reserve Bank of Kansas” Banknoten beiseite schaffen, die aus dem Umlauf genommen werden sollen. Also ein ähnliches Prinzip, nur spiegelverkehrt.

Wie kann man denn sowas machen? Wenn ich Geld beiseite schaffe, das aus dem Umlauf kommen soll, und dieses Geld dann irgendwann einsetze, ist doch zu viel Geld dann im Umlauf. Und wenn ich Geld am Markt vorbei produziere, kann ich doch machen, was ich will, es taucht irgendwann wieder auf. Oder sehe ich das falsch?

Da stellt sich die EZB hin und will – nun ja – undercover, oder wie man es nennen will, am Markt Staatsanleihen aufkaufen und niemanden damit belasten. Wie soll den das gehen? Ich bin kein Finanzgenie, aber das klingt mir doch sehr danach, dass hier mit sehr großen Geldmengen jongliert werden soll. Das schafft meiner Meinung nach nicht allzu viel Vertrauen in die europäische Gemeinschaftswährung.

Irgendwo habe ich auch mitbekommen, dass Gedankenspiele existieren, die besagen: Nun ja, wenn es halt nicht anders geht, dann müssen wir eben die Troika-Berichte schönen. Würde das denn nicht bedeuten, dass die EZB Staatsanleihen aufkaufen wird, ohne dass irgend jemand “Stopp!” sagen könnte, und wenn dann jemand eine Gegenleistung dafür haben will, dass dann “angepasste” Berichte der Troika (jener Vereinigung, die Griechenland immer wieder in die Mangel nimmt, um zu prüfen, ob Reformen laufen oder nicht) irgendwelchen Entscheidern untergejubelt werden?

Haben wir denn nun wenigstens Ruhe? Kann die Euro-Zone denn wenigstens von sich behaupten, dass ihre eigene Währung durch einen solchen Ritt auf der Rasierklinge stabiler wurde und gerettet ist? Keineswegs. Wer auch immer von den Medien befragt wird, der sagt klipp und klar, dass der Euro weiterhin in großer Gefahr schwebt. Der “größte anzunehmende Unfall”, also der GAU, ist alles andere als abgewendet.

Das schafft selbstverständlich großes Vertrauen, oder? Ich habe eine Grafik gesehen, welches Land wie viel in den ESM einzahlen wird. Einer der größten Zahler ist Italien. Und dort sieht die Schuldensituation nicht besser aus als z.B. in Griechenland. Fällt Italien nun um, was passiert denn dann?

Mal ehrlich, würden Sie in ein Unternehmen investieren, das so eine Finanzpolitik durchführt wie die Euro-Zone? Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Euro durch solche Schattenmanöver stabiler wird. Und das kann meiner bescheidenen Meinung nach noch fatale Folgen haben.

Momentan kann man noch viel Ruhe in die Euro-Zone bringen, indem man mit Durchhalteparolen glänzt. Aber irgendwann funktioniert das nicht mehr. Was machen denn dann die Gelehrten? Wollen die dann sagen “Leute, alles wird gut, ihr braucht keine Müllcontainer anzuzünden”?

Sicher, Angela Merkel manövriert Deutschland vergleichsweise gut durch die Krise. Aber es gibt nicht wenige Experten, die da unterstellen, dass eine solche Krise nie gekommen wäre, wenn weniger handwerkliche Fehler beim Anlegen der Euro-Zone gemacht worden wären. Mit anderen Worten, wäre nicht so – wie ich gelesen habe – stümperhaft gearbeitet worden, hätte das Merkel-Kabinett jetzt ohne Krise ihr Engagement anders einsetzen können. Und das wird Deutschland wohl noch einmal auf die Füße fallen. Und ob da die Heilsbringerin St. Angela noch helfen kann? Ich weiß es nicht.

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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