Verfügbares Einkommen: Das Armenhaus liegt im Osten

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Was bitte ist verfügbares Einkommen? Und wieso ist das immernoch so verdammt niedrig im Osten Deutschlands? Und hat das vielleicht Folgen? Ich denke ja, dass der Osten nach wie vor benachteiligt ist. Und dass ich da nicht so falsch liegen kann, zeigt nun auch eine neue Studie. Freunde, darüber müssen wir reden. Und zwar ganz sachlich.

Was bedeutet verfügbares Einkommen?

Was ist verfügbares Einkommen? Das ist ein Begriff aus der Volkswirtschaft. Es gibt da zwei Unterformen: Einmal gibt es verfügbares Einkommen der Gesamtwirtschaft und einmal verfügbares Einkommen der Privathaushalte. Insbesondere bei Privathaushalten reden wir hier von dem Teil des Einkommens, das dem Haushalt für privaten Konsum und Ersparnisse und Urlaub und dergleichen bleibt.

Wenn wir verfügbares Einkommen besprechen, dann haben wir die Einnahmen (Löhne und Gehälter), von denen die Abgaben (Steuern, Sozialversicherung etc.), Kosten für Unterkunft, Kosten für laufende Belastungen etc. abgezogen werden. Der Restbetrag ist dann das, was die Volkswirte verfügbares Einkommen nennen, also der Betrag, der zur freien Verfügung steht.

Das Armenhaus liegt im Osten

Jetzt kann man hergehen und sonstwas behaupten. Aber die Größe, über die wir reden, ist nun einmal Einnahmen minus Ausgaben. Klar wird man im Vergleich zu München in der Uckermark weniger für Miete ausgeben müssen. Weil man vermutlich da auch weniger Einnahmen hat. Aber laufende Kosten sind eben auch Strom, ÖPNV, Mobilfunk, Internet etc. Und so kommen wir zu folgendem Ergebnis:

Von den ärmsten 20 Regionen in Deutschland liegen 13 im Osten. Diese sind von groß nach klein sortiert (Quelle):

Region (Stadt, Landkreis)Verfügbares Haushaltseinkommen
Landkreis Mecklenburgische Seenplatte18062
Stadt Jena18030
Landkreis Ostprignitz-Ruppin17924
Landkreis Stendal17921
Landkreis Nordhausen17911
Hansestadt Rostock17771
Stadt Leipzig17770
Kyffhäuserkreis17708
Landkreis Uckermark17628
Stadt Brandenburg an der Havel17609
Stadt Frankfurt (Oder)17381
Landkreis Vorpommern-Greifswald17303
Stadt Halle (Saale)17218

Im Vergleich dazu hat der Landkreis mit dem höchsten verfügbaren Einkommen, nämlich der Landkreis Starnberg etwa doppelt so viel Einkommen zur Verfügung. Knapp 35000 € – aber eben ein reales Abnehmen von knapp 5% seit 2000 – stehen dort zu Buche. Als Leipziger wird man da neidisch. Schauen Sie mal in die Tabelle zum Vergleich.

Gibt es auch arme West-Regionen?

Natürlich ist woanders auch nicht alles Gold, was glänzt. Ich habe oben von den 20 Regionen mit dem kleinsten zur Verfügung stehenden Geld erzählt, dass darunter 13 aus dem Osten sind. Wir haben als schwache Regionen woanders die Stadt Wilhelmshaven, die Stadt Hamm, die Stadt Bremerhaven, die Stadt Offenbach am Rhein, die Stadt Herne und als schwächste Regionen überhaupt die Städte Duisburg und Gelsenkirchen.

Insgesamt ist es aber so, dass das verfügbare Einkommen in den Städten geringer ist als in den Landkreisen. So liegt der genannte Landkreis Starnberg deutlich vor der Stadt München. Und der Landkreis Leipzig hat im Durchschnitt etwas mehr als 2500 Euro pro Jahr mehr zur Verfügung als die Stadt Leipzig.

Was ist die Gefahr?

Da Mieten und alle möglichen laufenden Kosten immer weiter steigen und zwar stärker als die Einkommen, ist laut Hans-Böckler-Stiftung vor allem in den Großstädten mit stärkerer Einkommensarmut zu rechnen. Das Schlagwort heißt hier: Arm trotz Arbeit. Und es besteht die Gefahr, dass der Osten immer weiter abgehängt wird.

Diese Entwicklung ist die Folge daraus, dass große Unternehmen in namhaften Städten oder in der Provinz ihre Zentralen haben. Es ist halt günstiger für ein Unternehmen, vor den Toren der Großstadt den Hauptsitz zu haben als in der Großstadt selbst.

Auch was die enormen regionalen Unterschiede betrifft, bestehen große Gefahren. In meinem Beruf soll man wohl in der Region Leipzig um die 2500 Euro im Monat verdienen können. Ohne regionale Einschränkung sind wir bei rund 30% mehr. Und in namhaften Städten kann es schnell mal das doppelte Einkommen bedeuten.

Jetzt könnte man sagen, dass man doch einfach weggehen sollte. Dorthin, wo das Geld ist. Aber ist das wirklich die Lösung? Wir können doch nicht ganze Bundesländer entvölkern und Millionen Menschen zu Wirtschaftsflüchtlingen erklären. Das hatten wir vor 30 Jahren schon mal. Aber am Ende ist es eben die Erkenntnis, dass man sich mancherorts kaputt lacht wegen der hiesigen Einkommen.

Gutes Geld für gute Arbeit

In den Neunzigern hörte ich oftmals von Kollegen aus westlichen Bundesländern „Für deinen Hungerlohn würde ich morgens nicht mal aufstehen“. Damals war ich Zeitarbeiter. Seit nunmehr 13 Jahren arbeite ich nach einer neuen Ausbildung in IT-Dienstleistungen. Dennoch weiß ich, dass es für die gleiche Arbeit woanders in Deutschland zum Teil wesentlich mehr Geld gibt.

Woran das liegt, kann ich nicht sagen. Vermutlich liegt es zum Teil daran, weil die östlichen Bundesländer immernoch von vielen als „Entwicklungsländer“ angesehen werden. In manchen Kommentaren liest man zu der Studie etwas davon, dass kleine Gehälter im Osten normal wären, weil das in Kolonien eben so ist.

Dabei will man auch hier nur für seine Arbeit fair bezahlt werden. Und wenn sogar im sächsischen Vergleich die Städte Leipzig und Dresden allen anderen Regionen im Freistaat hinterher hinken, sehe ich hier gewaltige Probleme. Und glauben Sie es ruhig: Wir leisten hier bestimmt keine schlechtere Arbeit als Menschen woanders.

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