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Twitter - (C) kpgolfpro CC0 via Pixabay.de Twitter - (C) kpgolfpro CC0 via Pixabay.de

#RIPTwitter – Als Twitter zum Tode verurteilt wurde

Für Twitter wurde gestern das Ableben proklamiert. Unter #RIPTwitter wurde dem Kurznachrichtendienst eine sanfte Ruhe gewünscht. Mal wieder. Und mal wieder war der Auslöser ein halbgares Gerücht. Diesmal wurde aber nicht irgendeine fabulöse Übernahme ins Rund gehauen. Es hieß auch nicht, dass Twitter pleite sei. Ebenfalls spielte es keine Rolle, dass Twitter unbedingt Einnahmen generieren muss, um bestehen zu können. Nein, das halbgare Gerücht, was da gespielt wurde, hieß: Twitter will sich angeblich von der chronologischen Timeline verabschieden. Punkt!eins11!

Ich habe es ja schon mal anklingen lassen: Ich mag Twitter vor allem deshalb, weil man da durch den chronologischen Ablauf neu nach alt bestimmten Strömungen folgen kann. So kann man nachvollziehen, wie es zu irgendwelchen Ereignissen gekommen ist. Twitter funktioniert teilweise wie ein Ticker. Kurz und knapp werden da Dinge kundgetan, über Begebenheiten informiert, auf Artikel oder überhaupt auf Webseiten hingewiesen oder, oder, oder. Aber alles läuft in einer bestimmten zeitlichen Abfolge ab. Und das ist die große Stärke von Twitter.

Gestern hieß es, dass sich Twitter genau davon verabschieden würde. Statt einer chronologischen Sortierung würde man angeblich die Einträge nach einem Algorithmus sortieren wollen. Das Geschrei war groß. Klar, damit würde ja Twitter völlig gegenstandslos werden. Was will man noch mit Twitter, wenn es genau so unsinnig sortiert funktioniert wie Facebook oder Google+? Twitter nutzt man nun einmal, um relativ einfach auf dem Laufenden zu bleiben. Twitter wurde nie genutzt, um für den Nutzer irgendwelche Interessen vorzugeben. Aber genau das besagte das Gerücht.

Wie gesagt, das Geschrei war groß. Bei Twitter heißt ohrenbetäubender Lärm, dass ein Hashtag in die Trends wandert. Und so war das Hashtag #RIPTwitter gestern die Nummer eins der Twitter-Trends. Niemand fragte nach, woher das denn eigentlich kommt, dass nun behauptet wird, Twitter würde nach einem Algorithmus die Tweets anzeigen und nicht mehr nach einer zeitlichen Abfolge. Es wurde halt einfach mal laut vor sich hin geplärrt. Und wie beim Facebook-esken „Hiermit widerspreche ich den Nutzungsbedingungen“ hat man bei Twitter mit Abwanderung gedroht.

So funktioniert eben Schwarmintelligenz. Irgendein Gerücht ist stark genug, dass es irgendwelche gut hörbaren Stimmen findet. Und diese Stimmen plärren es in die Welt hinaus, sodass es von jedermann gehört wird. Und da diese Stimmen so laut sind, muss das Gerücht ja stimmen. Es führt kein Weg vorbei. Und damit ist Twitter dem Tod geweiht!eins!!11!!! Damit gehen wir weg von Twitter! Soll Jack Dorsey doch zusehen! Lauter, immer lauter wurde unter dem Hashtag #RIPTwitter herumgeschrieen. Und wieder hat niemand nachgefragt, ob das denn so stimmt. Und dann kam Jack:

Und, und, und. Jack Dorsey hat mehr oder weniger bekannt gegeben, dass das ausgemachter Bullshit ist, dass irgendwer behauptet, von irgendwoher irgendwie erfahren zu haben, dass Twitter einen Algorithmus einführen würde und nicht mehr chronologisch die Tweets anzeigen würde. Der Kurznachrichtendienst wird zwar herumschrauben, um den „Livestream“ noch mehr „live“ wirken zu lassen. Aber hier ist beim besten Willen nicht die Rede davon, dass nun irgendwie algorithmisch wie bei Facebook die Timeline manipuliert wird.

Das Problem ist aber, dass zu dem Zeitpunkt schon jede Menge Nutzer den Konkurrenten Ello für sich wieder entdeckt haben. Ello? Ja, dieses nichts sagende Stück soziales Netzwerk, das ja angeblich so toll sein soll. Ich habe mich nie dort registriert. Und das wird auch so bleiben. Ich habe unter meinen Kontakten bei Twitter einige mitbekommen, die Links zu ihren Ello-Profilen bei Twitter abgekippt haben. Und immernoch hat niemand nachgefragt, wie das mit dem Algorithmus-Gerücht eigentlich zustande kommt.

Nun ja, aber heute morgen wurde man dann langsam etwas hellhörig. Gestern Abend berichtete man bei Twitter, dass kurzzeitig die Kommunikation bei Ello gewaltig zunahm. Aber vielleicht nur für eine Stunde oder so. Dann brach das wieder zusammen. Und irgendwie klingelte dann etwas. Die werden doch wohl nicht etwa… Kann das denn wahr sein… Echt jetzt?

Möglich. Und nachvollziehbar. Es hieß immer mal, dass Ello das schönere Twitter werden wollte. Ich habe nie wirklich mitbekommen, dass das geklappt hat. Ello ist weiterhin nichtssagend und kommt nicht auf die Beine. Wäre es denn wirklich so abwegig, wenn Ello-Erfinder Paul Budnitz dem Twitter-Erfinder Jack Dorsey die Nutzer wegnehmen wollte, um mehr Investoren für sein werbefreies Netzwerk einzusammeln? Denn Budnitz braucht ja Argumente, warum jemand bei Ello investieren soll.

Aber Twitter wird nun mal nicht grundlegend anders funktionieren. Mit anderen Worten: Der angebliche Algorithmus wird nicht kommen. Twitter muss irgendwie anders an Geld kommen. Vor allem, weil die Aktie im Keller ist und die schwache Kapitaldecke den Kurznachrichtendienst angreifbar macht. Wenn selbst Ello nun in Verdacht gerät, Twitter totschlagen zu wollen, weiß man doch eigentlich, dass Jack Dorsey sich etwas einfallen lassen muss. Mit einem Algorithmus und #RIPTwitter hat das jedenfalls alles nichts zu tun.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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