Webmaster Friday – Fühlt man sich als Blogger beobachtet?

Webmaster Friday
This entry is part 21 of 79 in the series Webmaster Friday

Webmaster Friday

Das Thema im dieswöchigen Webmaster Friday könnte aktueller nicht sein. Überall brechen die Diskussionen über die Schnüffeleien der Geheimdienste los. Diskussionen werden gefochten.

Mancher Politiker ist mit der aktuellen Situation hoffnungslos überfordert. Und als Blogger bekommt man schon die eine oder andere Frage gestellt, ob man sich Gedanken darüber macht, ob irgendwelche Maschinen mitlesen und daraus irgendwelche Auswertungen ziehen.

Da das Thema sehr aktuell ist und mich beschäftigt und bewegt, nehme ich mir die Zeit und schreibe meine Gedanken dazu auf.

Gestern Abend fand eine rege Diskussion in der ARD zum Thema Edward Snowden, PRISM, NSA, BND und deutsche Politik statt. Zu Gast bei Reinhold Beckmann waren Constanze Kurz vom Chaos Computer Club, Frank Schirrmacher (FAZ), Ranga Yogeshwar (ARD, Wissen vor 8) und Hans Leyendecker, der viele Skandasle aufdecken konnte.

Die Sendung lief bedauerlicherweise recht spät. Ein solches Thema, was die Welt verändert. Und es ging darum, was Edward Snowden überhaupt so schlimmes getan hatte. Dazu war via Videotelefonie der Blogger und Rechtsanwalt Glenn Greenwald zugeschaltet, der überhaupt die Snowden-Informationen über den Guardian veröffentlicht hat. Sie können das alles sehen, wenn Sie den obigen Link zu Beckmann aufrufen. Sie sollten das wirklich machen. Sogar der Caschy hat sich dazu geäußert.

Aber das ist eigentlich nicht das Thema. Oder sagen wir mal: Nur zum Teil.

Das Schöne am Bloggen ist ja, dass man in der Regel keinem Verlagsdenken untergeordnet ist. Man muss nicht nach der Nase irgendeines Chefredakteurs schreiben. Sondern man schreibt, wie man eben selbst denkt. Und das ist auch das Gefährliche am Bloggen.

Es gibt durchaus Regimes, die lassen Blogger einfach mal verschwinden, weil die zu sehr das Regime kritisieren. Ich kann mir auch vorstellen, dass so etwas in Deutschland – etwas abgemildert – auch möglich ist. Nein, falsch, ich bin davon überzeugt. Wenn ich zu sehr etwas kritisiere und dabei irgendwem sozusagen in die Parade fahre, kann es in Deutschland teuer werden. Und wenn Politiker mit im Spiel sind, kann ich mir denken, dass es nicht mehr lang dauert, bis hier auch die deutsche Justiz zuschlägt.

Der Webmaster Friday fragt in dieser Woche, ob wir uns von der NSA ausgespäht fühlen und was man dagegen machen kann. Ja, natürlich fühlt man sich ausgespäht. Facebook arbeitet mit der NSA zusammen, so wie Google und viele andere auch. Wenn mir Google bei einer Suche mundgerechte Werbung präsentiert, haben die mich vorher genau analysiert. So wie auch Facebook, die mir irgendwelche Pages vorschlagen und angeblich nutzergerechte Werbung anzeigen.

Ja, ich fühle mich ausgespäht, aber was kann man dagegen tun? Leute, es ist Sommer. Man könnte ganz einfach die Computer herunterfahren und den Sommer genießen. Man könnte aber auch der NSA und wem auch immer so viele Daten liefern, bis sie daran ersticken. Man könnte das Netz vollspammen mit vermutlich einschlägigen Begriffen. Irgendwann geben auch deren Server auf.

Aber im Ernst: So richtig etwas dagegen tun kann der kleine Bürger eh nicht. Die Politik hat viele Chancen verpasst. Dafür ist Bundeskanzlerin Merkel in Deutschland verantwortlich. So lang die Bürgerrechte gebrochen werden, ist die Politik und die Justiz in der Pflicht, dieses Unrecht zu bekämpfen. Mit Verschlüsselung erreicht man zwar etwas, aber das reicht doch ehrlicherweise gar nicht aus.

Ja, ich fühle mich beobachtet von der NSA. Aber he, das sind potentielle Leser für meinen Blog. Man kann diesen Blog auch abonnieren, auch als NSA. Aber ansonsten gilt für mich, dass ich schon versuchen werde, den Ton weiter zu wahren. Aber ich habe wie Sabiene in ihren Traumbildern keine Lust darauf, jede Email zu verschlüsseln. Melanie schreibt in den Trampelpfaden, dass man ein möglichst ehrliches und gutes Leben führen und das Beste hoffen sollte. Tina schreibt in Saphiras World davon, dass das Suchwort entscheidend ist, aber eben auch, wer in den entsprechenden Datenbanken (die riesig sein müssen) wonach sucht. Und von ihr stammt auch das Schlusswort:

Wer weiß schon wer als nächstes an der Macht ist und diese gesammelten Daten mißbraucht?

Wie sehen Sie das? Fühlen Sie sich beobachtet?

Series Navigation<< Webmaster Friday – Die Internet-IronieWebmaster Friday – Ost oder West oder egal? >>
Über Henning Uhle
Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

7 Kommentare

  1. Ich habe den Beckmann gestern auch gesehen, leider war da mein Artikel schon fertig, sonst hätte ich noch etwas darüber geschrieben.
    Ist dir das auch komisch vorgekommen, wie schlecht auf einmal die Leitung nach Rio zu Greenwald geworden ist? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
    LG
    Sabienes

    Antworten
  2. Ich fühle mich von der NSA und dem BND nicht ausgespäht….

    Und zwar einzig und allein deswegen, weil es wenn, dann unbemerkt geschieht. In den Referrern meiner Serverlogs finden sich zwar schon seit Jahren regelmäßig seltsame Anfrage-Adressen- .arpa, .gov……

    Antworten
  3. Ich habe mir die Beckmann-Sendung in der Mediathek angesehen – im TV kommt sowas ja leider immer ziemlich spät. Ich fands jedenfalls erfrischen unaufgeregt.

    Vielen Dank übrigens für’s zitieren :-)

    LG
    Tina

    Antworten
  4. […] Henning empfiehlt die Diskussionsrunde mit Beckmann über das Thema […]

    Antworten
  5. Hi Henning,
    auch ich weiss, dass Webuser beobachtet und analysiert werden. Man braucht in Google nur etwas Falsches suchen und schon klingelt die Justiz an der Tür. Aber da die meisten Blogger es eh nicht tun, alles gut. Soll doch die NSA unsere Daten speichern, soviel sie wollen. Ich führe ein Blogger-Leben mit meinen vielen Blogs und habe auch schon einige private Informationen über mich im Internet da gelassen. Solange man keine intimen Details über sich veröffentlicht, ist alles OK. Aber das muss jeder Blogger für sich selbst entscheiden, wie viele Privat-Infos er im Internet platzieren möchte.

    Antworten

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.