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27 Jahre „Faith“ von George Michael

Hach, der hochnäsige Schönling George Michael in meinem Blog. George Michael hatte immer schon die Massen polarisiert. Mitte der 80er Jahre war er seines Projektes Wham! überdrüssig und wollte etwas anderes machen. Anzeichen dafür gab es schon lang, wie man am Hit „Careless Whisper“ feststellen konnte, das unter „Wham! feat. George Michael“ erschien.

Und dann kam der 30. Oktober 1987, und das Album „Faith“ erschien. Es war irgendwie die Flucht nach vorn. George Michael zeigte damit, dass er kein Pop-Sternchen ist. Und das stimmt ja auch. Und so kann man auch auf diesen riesigen Verkaufserfolg eingehen.

Das Album beginnt mit dem Titelstück „Faith„. George Michael als Draufgänger mit Sonnenbrille, Dreitagebart und Gitarre. Es geht um traumhafte Körper, um Spiele. Und er muss den Glauben haben, dass das wahr ist. George Michael bleibt hier bewusst vage. Das mitreißende Stück reizt zum Tanzen. Und es ist eins der besseren Stücke des Albums.

Father Figure“ erzählt davon, dass dieser eine Moment das ist, was er wollte. Er möchte Vaterfigur sein. Ein tiefandächtiges Lied über Liebe in allen Facetten. Dies äußert sich auch in der gospelartigen Musizierung. Er sucht nach Vertrauen und Verständnis. Und er möchte stark sein. Auch ein sehr gutes Stück des Albums.

Schwere Kost bietet sich dann mit „I want your Sex„. Mich nervt das Stück, das in zwei Teilen auf über 9 Minuten sehr gestreckt erscheint. Er erzählt hier von dem Ding zwischen Mädchen und Jungs. Er wird keine Bibel brauchen, da sie ja nun Freunde sind. Ich kann mir das Lied in voller Länge irgendwie nicht antun.

Das beste Stück folgt dann aber auf dem Fuße. In fast 6 Minuten erzählt George Michael in „One more try“ über seine Suche nach dem einen Engel, der sein Lehrer ist. Er sucht in der Menge der Fremden. Er hat genug von Verletzungen und möchte nur noch berühren und lieben. Dieses famose Lied ist sein Coming-Out, wird erzählt. Es ist ja seit Jahren bekannt, dass George Michael homosexuell ist. Und in diesem langsamen Blues erzählt er verklausuliert von seinen Gefühlen. Er äußert sich in dem Lied auch darüber, dass er unverdient falsch verstanden wurde. Ich glaube, das ist eins seiner persönlichsten Lieder.

Hard Day“ ist wieder so ein funkiges Stück. Es geht um Diskussionen der Diskussion wegen. Statt zu streiten könnte man doch einfach Sex haben. Nein, es ist nicht das ganz große Ding, aber er kann eben nur an diese Sache denken. Und deshalb sollen diese unsinnigen Debatten einfach aufhören. Es ist kein gutes Lied, aber direkt schlecht finde ich es nicht.

Eins der kritischsten Lieder von George Michael ist „Hand to mouth„, einem Lied über einen Mann, der aus Verzweiflung zum Attentäter wird, und einer Frau, die aus Einsamkeit zur Prostituierten wird. Es ist ein USA-kritisches Lied, das anprangert, dass im „Land of the free“ eigentlich jeder sich selbst der nächste ist. Ich finde es sehr gelungen.

Schade, „Look at your hands“ kann ich Ihnen nicht vorspielen. Er ist dem Sänger fremd gegangen. Und George Michael macht sich Luft mit dem Lied. Ich finde das Lied gelungen, weil es so viel Bitterkeit verbreitet. Ich habe eine Cover-Version gefunden, damit Sie einen Eindruck haben.

Monkey“ schließlich ist auch wieder Funk. Aber sehr gelungen. Warum muss man den Partner mit dem Affen teilen? Der Affe sind die Drogen. Die zentrale Frage ist dabei, ob die Drogen wichtiger sind als die Partnerschaft. Er hasst die Freunde, von denen der Partner die Drogen hat. Und genau so hört sich das Lied auch an.

Mit „Kissing a Fool“ wird das Album beendet. Eine feine Jazz-Nummer über die Unsicherheiten, die man in einer Partnerschaft haben kann, wenn man sich zu sehr von Außenstehenden beeinflussen lässt. Auf einer solchen Unsicherheit lässt sich keine Partnerschaft begründen. Und deshalb sagt er Lebewohl.

„Faith“ ist ein Album über Beziehungen, Offenbarungen und dient George Michael als Tobeplatz für seine Vorstellungen von Musik. Das Album ist geprägt von Soul, Funk, Rhythm & Blues und Rock. Es ist irgendwie ein Selbstfindungsalbum. Es ist ein nur teilweise gutes Stück Musik. Auf der einen Seite die Glanzstücke „Faith“, „Father Figure“ oder „One more try“. Auf der anderen Seite der überlange Ausfall „I want your Sex“ und „Hard Day.

George Michael hatte mit dem Album weltweit die Charts gestürmt. 6 der 9 Stücke wurden sehr erfolgreich als Single veröffentlicht. Zu der Zeit war George Michael ein absoluter Weltstar. Und man merkt an dem Album, dass er dem Pop von Wham entfliehen wollte. Das ist ihm über große Strecken gelungen. Und doch würde ich das Album nicht als überragend bezeichnen. Mutig ja, brillant nein. Und was halten Sie von „Faith“?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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