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RB Leipzig und das verbesserte Image

Leute, passt auf, da dreht der Schrecken der deutschen Fußball-Tradition mal richtig auf und schiebt eine dicke Beliebtheitskugel. Womit? Mit Recht. Vor zwei Jahren habe ich mal so vor mich hin polemisiert, dass das doch alles gar nicht so schlimm ist mit der Beliebtheit von RB Leipzig. Auch gegenüber dem überlegenen Pokal-Gegner vom Wochenende ist der Leipziger „Hass-Club“ beliebter. Nun gibt es das Ganze hochoffiziell. Und das lassen wir uns gern auf der Zunge zergehen.

Ex-Bayern-Profi und jetziger Spielerberater Christian Nerlinger stammelte vor längerer Zeit mal einen daher von „dieser, dieser Red Bull Club aus diesem, diesem Leipzig“ und meinte den damals noch dritt- oder viertklassig spielenden RB Leipzig. Ich habe immer wieder darauf hingewiesen, dass der Verein nicht „Red Bull Leipzig“ heißt, sondern „RasenBallsport Leipzig“, kurz RB Leipzig. Firmennamen im Vereinsnamen sind nämlich in Deutschland nicht möglich. Oh, Moment, wir vergessen dabei Bayer Leverkusen. Naja.

Jedenfalls hat es immer wieder geheißen „Ganz Deutschland sagt nein zu Red Bull“. Komisch, ich habe noch nicht nein gesagt, allerdings wurde ich auch noch nicht darum gebeten, dieses Getränk zu trinken. Aber natürlich ist klar, was gemeint war. Trotzdem stimmt da „Ganz Deutschland“ nicht, denn RB Leipzig hat in einigen Regionen Deutschlands Fans, nicht nur in und um Leipzig, unter anderem auch in München und Umgebung. Es ist hart zu lesen, aber so ist nun einmal die Realität. Das kann man jetzt als Lüge hinstellen, man kann es auch einfach mal akzeptieren.

Wie dem auch sei, es gibt in Karlsruhe die Firma „Intelligent Research In Sponsoring (IRIS)“. Und die fertigen immer mal wieder Studien an, wie sich denn das Image von Fußballvereinen darstellt. Wir brauchen uns nicht darüber unterhalten, dass das Image von RB Leipzig verheerend war. Allerdings hat sich da etwas innerhalb der letzten 12 Monate verändert. Und zwar gewaltig. Es sind nur Zahlen, aber die zeigen folgendes Bild:

WertSommer 2015Winter 2015 / 2016Sommer 2016
Ambitioniert747879
Leidenschaftlich414756
Glaubwürdig394448
Bodenständig334142
sympathisch424550

Die Zahlen habe ich von hier. Man kann das Ganze jetzt als reine Zahlenspielerei ansehen. Aber wenn wir Summen aus den Spalten „Sommer 2015“, „Winter 2015 / 2016“ und „Sommer 2016“ bilden, ergeben sich folgende Gesamtergebnisse:

  • Sommer 2015: 229
  • Winter 2015 / 2016: 255
  • Sommer 2016: 275

Um ein Fünftel hat das Image von RB Leipzig zugelegt, wenn wir diese Zahlen hier annehmen. Das sind reine nackte Zahlen, aber es gibt noch mehr. Wenn wir so die Gazetten hernehmen und mal vergleichen, dann ist aus „Scheiß-Verein“ und „Damit kann ich nix anfangen“ mittlerweile etwas anderes geworden. Es gibt wesentlich besseres Echo in den Kommentaren. Und woran liegt das? Ich meine, diverse Fan-Gruppierungen zeigen sich ja durchaus erfindungsreich bei ihren Protesten gegen den Verein:

Derlei Beispiele gibt es viele. Auch die vielen gewalttätigen Attacken gegen die Fans von RB Leipzig oder der Vandalismus gegen Vereinseigentum wie den Mannschaftsbus oder so. Aber es hat nichts genützt. RB Leipzig ist nach wie vor da und spielt ab dem Wochenende in der Bundesliga. Und die Mannschaft schleppt immer jede Menge Fans mit. Und die müssen immer solche Attacken erdulden. Abgesehen von Angriffen von baumhohen Hooligans auf Kinder mit RB Leipzig Fanschal und dergleichen. Wie gesagt: Sie sind noch da. Und sie werden bleiben.

Die Entwicklung ist aber nachvollziehbar. Es wird positiv gesehen, wie Fans und Mannschaft agieren. Die ganzen Anfeindungen erreichen am Ende des Tages doch auch nur das Gegenteil. Die Ochsen schießen sich selbst ab, obwohl sie den „Klassenfeind töten“ wollten. Und das Alles, weil sie denken, das RB Leipzig der Inbegriff des Bösen ist. Ganz im Gegenteil zu börsennotierten Vereins-Aktiengesellschaften oder Vereinsfirmen, die ohne Investoren schon lang pleite wären. Ich verstehe nach wie vor nicht die Aufregung, aber macht ihr mal.

Natürlich: zu 99% hat Red Bull das Sagen im Verein. Aber das war auch bei Bayern München der Fall. Ich weise immer wieder auf Wilhelm Neudecker hin. Glauben Sie denn, dass der den heiligen Samariter gespielt hat und Unmengen von Geld in den damals zweitklassigen Provinzclub investiert hätte, ohne auch nur mitreden zu dürfen? Ohne Neudeckers Wort hätte sich kein Rad bei den Bayern gedreht. Lesen Sie ruhig mal den hier im Absatz verlinkten Artikel und erklären dann noch einmal genau, worin der Unterschied besteht.

Die Aufregung um RB Leipzig scheint sich jedenfalls langsam zu legen. Na klar, der Club ist kein Sonnenscheinchen in den Augen vieler Fans. Sind aber andere Clubs auch bloß nicht. Und Spieler, Trainer und Funktionäre üben in den Clubs überall nur Jobs aus. Das scheint es langsam immer mehr zu dämmern, dass der Unterschied zu RB Leipzig gar nicht so riesig ist. Und das erklärt die verbesserten Image-Werte. Niemand MUSS RB Leipzig lieben. Aber bekämpfen geht im Fußball am besten sportlich. Und das ist, was zählt.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

4 Gedanken zu „RB Leipzig und das verbesserte Image

  1. Ich habe im letzten Jahr fast alle Auswärtsspiele besucht und mich mit vielen Fans der Gastgeber unterhalten, sowohl vor, alsauch nach dem Spiel.In keinem der Gespräche musste ich Beleidigungen hinnehmen weil ich unsere Farben durch Deutschland trug. Sehr, sehr oft hörte ich:“ Ihr hattet richtig Glück, dass RB euch gefunden hat“. Eigentlich alle Gesprächspartner wünschten uns weiter viel Erfolg. Hass erlebte ich nur wärend der Spiele und nur aus den Fanblöcken der Gastgeber.

    1. Hallo Herr Große,

      vielleicht wird der Hass, über den immer mal berichtet wird, allenthalben anders wahrgenommen. Aber ich denke, dass da vielleicht auch größtenteils nur die Ultras verschiedenen Vereine darin involviert. Es freut mich, dass man auch außerhalb nicht so schlecht angenommen wird. Den Gegner muss man nicht lieben, aber man darf ihn respektieren. Wenn das erreicht ist, ist alles in Ordnung.

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