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Die AIDAdiva in Izmir - von Omur Tanyel (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons Die AIDAdiva in Izmir - von Omur Tanyel (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

AIDAdiva an israelischer Küste getroffen

Gestern Abend in den Tagesthemen: Es wurde berichtet, dass sich die beiden irgendwie verfeindeten Seiten in Gaza und Israel gegenseitig beschießen. Und was war die zentrale Frage des Berichts? Natürlich: Wie geht es den Passagieren der AIDAdiva? Denn das deutsche Kreuzfahrtschiff wurde von Raketen oder Raketenteilen getroffen. Völlig überrascht von der plötzlichen Eskalation am östlichen Ufer des Mittelmeers, hat man sich tunlichst beeilt, über das Schiff zu berichten. Es ist ja schließlich Reisezeit.

In den Tagesthemen berief man sich auf einen Urlauber, der darüber erzählt hatte, dass das Kreuzfahrtschiff im Hafen von Ashdod von Raketentrümmern getroffen wurde. Laut Hannoverschen Allgemeinen Zeitung sollen aber alle Gäste und auch die Crew “wohlauf” sein. Dem Bericht zufolge fuhr das Schiff weiter nach Kreta. Denn es gab eben auch keinerlei Schäden am Schiff. Alles gut.

OK, könnte ich denn damit nicht sofort mit meinem Artikel aufhören? Naja, ich weiß noch, wie das gestern bei den Tagesthemen weiterging. Das Schiff war so wichtig. Da hatte man sofort Einzelheiten. Aber wieso es zu dieser Eskalation kam und woher die Raketen kamen, das wusste niemand. Die BILD glänzte dabei aber sofort mit einer ihrer überwältigenden Twitter-Meldungen:

Hier noch der Tweet der BILD als Screenshot
Hier noch der Tweet der BILD als Screenshot

Der kurze Bericht liest sich dann freilich völlig anders. Aber damit holt man erst einmal Klicks, oder? Und es war zeitweise die Rede davon, dass die AIDAdiva gezielt abgeschossen werden sollte. Das wurde dann aber relativ rasch revidiert. Captain Kreuzfahrt hat sich in seinem Blog jedenfalls intensiver mit der Nachrichtenlage beschäftigt.

Es entwickelt sich jedenfalls im Nahen Osten wieder so eine gefährliche Gemengelage, von der man behaupten kann, dass sie wie ein Pulverfass explodieren könnte. Und Deutschland soll wohl auch eine Rolle spielen, da wohl diverse Waffen von Deutschland aus an die Hamas geliefert wurden. Inwiefern das stimmt, wird man wohl noch genauer recherchieren müssen.

Jedenfalls finde ich es nach wie vor bemerkenswert, dass man über ein Kreuzfahrtschiff, das zufällig ein paar Reste von Raketen abbekam, mehr weiß als über den eigentlichen Grund für die kriegerischen Handlungen. Ob man hier auch wieder alles durch eine Membran durchdrückt, sodass nur die leicht verdauliche Kost für den Musikantenstadl-Deutschen durchsickert wie im Fall der Ukraine? Ich weiß es nicht. Aber was meinen Sie?

Bildquelle: Die AIDAdiva in Izmir – von Omur Tanyel (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 thoughts to “AIDAdiva an israelischer Küste getroffen”

  1. Ist doch typisch, oder? Die Medien verdienen doch durch den Verkauf ihrer Paperprodukte immer weniger.

    Also müssen viele, sehr viele Klicks auf die Seiten der Zeitungen kommen um überhaupt überleben zu können. Und was ist dazu besser geeignet, als irgendwelche reißerischen Schlagzeilen? Da klickt OttoNormalMensch doch schon reflexartig drauf, und ist ja schon froh dann auf einer Zeitungsseite zu landen und sich keinen Virus einzufangen.

    Dahinter verbergen sich meist schlecht recherchierte Artikel, oder einfach nur abgetippte Agenturmeldungen, welche auf jedem Medium gleich zu lesen ist.

    Bestes Beispiel ist doch auch diese Beinahe-Flugzeugkatastrophe in Spanien gewesen. Das dort durchgeführte Prozedere mit dem Durchstarten passiert am Tag x-mal auf der Welt. Oft ist der Grund eine Landebahn, welche noch nicht frei ist. Und? Das ist bestimmt ärgerlich, aber noch lange keine Katastrophe. Das Durchstarten an sich ist ein Vorgang, welcher vielleicht für den Passagier ein mulmiges Gefühl ist aber für die Damen und Herren im Cockpit so selbstverständlich wie für uns das Überholen auf der Autobahn.

    Und nur, weil das jetzt jemand gefilmt hat, wird das in allen Medien durchgekaut. Da kommen hanebüchene Luftfahrtexperten zu Wort (die haben vielleicht mal einen Flughafen von innen gesehen) und das ganze wird zu einer Katastrophe ausgeweitet. Dass das ganze vielleicht nur wegen der eingesetzten Brennweite und der damit verbunden optischen Komprimierung der Situation ein wenig dramatisch wirkt, wird von den Verantwortlichen der Medien geflissentlich ignoriert.

    Hm, ich schreibe mich in Rage. Eigentlich wollte ich nur sagen, ich finde Deinen Beitrag klasse!

    LG Thomas

    1. Hallo Thomas,

      danke für diesen Kommentar. Es ist ja eigentlich alles wie immer. Als einer herum schwirrenden Fliege wird ein Raketen abwerfender Panzer-Elefant gemacht. Warten wir mal ab, ob nicht doch noch weitere Meldungen kommen, in denen die Medien zurück rudern. Die BILD hatte auf jeden Fall ihren Artikel korrigiert, ohne eine neue Twitter-Meldung zu schicken.

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