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Meine Nerven! - (C) Geralt Altmann via Pixabay.de Meine Nerven! - (C) Geralt Altmann via Pixabay.de

Depression – Wenn Traurigkeit allein nicht reicht

Nein, ich habe mit der fiesen Fratze der Depression nichts zu tun. Darüber bin ich auch froh. Aber ich möchte gern etwas dazu schreiben. Weil es aktuell ist. Ich will da auch niemandem schaden oder irgendwelches dummes Zeug dazu schreiben. Es sollen einfach meine Gedanken sein, die hier hinein fließen. Es ist für mich eine neue Erfahrung, dass ich so ein Thema behandle. Ich erhebe nicht den Anspruch, vollständig zu schreiben. Ich will es nur anreißen.

Die sollen sich nicht so haben

Robert Enke, Chester Bennington, vielleicht im Bekanntenkreis: Depression ist nichts, was irgendwo stattfindet. Jeder kann ein Betroffener sein. Wer nun hergeht und lamentiert, dass sich die Patienten nicht so haben sollen, hat nicht mal ansatzweise das Thema erfasst. Ob es nun wie im Fall des Rocksängers Chester Bennington großer Erfolg ist oder wie beim Torhüter Robert Enke die überragende sportliche Leistung, alles wird durch die fiese Fratze kaputt gemacht.

Ich kenne selbst Leute mit Depressionen. Unbeteiligte denken sich da immer, dass sich Menschen, die diese Krankheit haben, bei ihrem Therapeuten auf die Couch legen sollten, dann wird das schon wieder. Aber das ist nicht so. Die Depression kann sich lange Zeit verstecken, sie lauert im Unterholz, und dann schlägt sie mit dem Vorschlaghammer immer wieder zu.

Nein, da ist nicht viel dahinter, dass sie sich nicht so haben sollen. Mit einer Depression zu leben, bedeutet einen lebenslangen Kampf zu führen. Und diese Menschen können nichts für ihre Krankheit. Sie kann angeboren sein, sie kann durch gesellschaftlichen Druck oder Extremsituationen ausgelöst werden. Und es gibt noch einige weitere Ursachen. Bei Chester Bennington war es sexueller Missbrauch im Kindesalter. Was war die Ursache bei Ihren Freunden? Sollen die sich auch alle nicht so haben?

Muss es immer Selbstmord sein?

Man hört es immer wieder, dass Menschen, die sich umgebracht haben, an einer Depression litten. Aber muss es immer der Selbstmord sein? Ich glaube, dass Menschen miteinander reden sollten. In jeder Hinsicht. Wie gesagt, eine Depression kann durch alles mögliche ausgelöst werden. Ich habe oftmals gelesen, dass es hilft, sich an den schönen Dingen zu erfreuen. Also sind wir schon wieder wie so oft dabei, dass ein intaktes Privatleben durchaus helfen kann.

Ich wünsche niemandem eine Depression. Was ich mitbekomme, ist mit nichts vergleichbar. Ein schulterklopfendes “Das wird schon wieder” hilft niemandem. Diese Erkrankung kann körperliche Schmerzen hervorrufen. Betroffene wollen einfach nur, dass es aufhört. Ich habe dazu aufwühlende Dinge unter dem Stichwort “NotJustSad” gelesen. Es ist nicht einfach Traurigkeit. Niemand kann die Beschwerden nachempfinden.

Und deshalb ist es auch Unsinn, über an Depression erkrankte Menschen zu lachen oder ihnen gut zuzureden. Nur weil ein Rockstar eine intakte Familie und kolossalen Erfolg mit seiner Musik hat, muss das nicht heißen, dass er nicht diese Krankheit haben kann. Denn wenn die Narben auf der Seele nicht behandelt wurden, kann die Depression den Betroffenen in den Tod schicken.

Seid laut

Vielen Betroffenen merkt man es gar nicht an, deshalb ist es vielleicht gar nicht so blöd, wenn jemand den Betroffenen vorschlägt: Seid laut! Es geht nicht darum, dass jeder jetzt an die Öffentlichkeit geht und von sich erzählt. Das kann ja auch nicht jeder. Aber je mehr darüber reden, desto weniger könnte diese Krankheit stigmatisiert werden und im Diffusen verbleiben. Das sage nicht ich, sondern jemand, der betroffen ist, wenn ich das richtig lese:

Von Depressionen, Aufmerksamkeitsspannen und schlechter werdenden Bands

Auf “One more Light” singt Chester Bennington anders als früher. Das letzte Album von Linkin Park klingt auch anders als das brachiale Geschrammel früherer Jahre. Zum Inhalt sagte Bennington, dass Themen behandelt werden, die sonst nur er, seine Frau und seine engsten Freunde wissen würden. Und wenn man sich den Text zu “Heavy” durchliest, so wirkt das schon ein wenig wie ein Abschiedslied.

Betroffene geben irgendwie von sich, wenn sie Hilfe brauchen. Wir sollten vielleicht darauf hören, die Zeichen erkennen. Vielleicht ist das mehr Hilfe als irgendwelche hochdosierten Medikamente. Ich bin alles andere als ein Experte. Es sind nur ein paar lose Gedanken. Das kann alles vollständiger Blödsinn sein. Aber dann habe ich wenigstens meine Meinung geäußert.

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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