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Die gute, alte Pleiße als unwirsches Gewässer - Henning Uhle Die gute, alte Pleiße als unwirsches Gewässer - Henning Uhle

Leipzig: Die Pleiße soll von Störstellen befreit werden

Was sagt man denn dazu? Da soll die Pleiße bereinigt werden, und dann passt das Naturschützern auch wieder nicht. Denen kann man es auch nicht recht machen. Oder liegt etwa ein ganz anderer Hase im Pfeffer? Sind wir nicht alle im Raum Leipzig froh, dass die Pleiße sich tatsächlich ein wenig vom Menschen erholt hat? Was gäbe es für einen Grund, nun wieder einzugreifen? Der Grund ist der Mensch selbst. Wie finden wir denn sowas?

Wasser, das Sümpfe bildet

Der Name „Pleiße“ stammt aus dem Slawischen und bedeutet ungefähr so etwas wie „das Sümpfe bildende Wasser“. Das ist eigentlich das, was die ursprüngliche Pleiße bestens beschreibt. Sie war nie der reißende Strom. Sie entspringt in Ebersbrunn bei Zwickau und windet sich dann erstmal in Richtung Ostthüringen. Und dann beginnt es: Es folgt die Talsperre Windischleuba, und dann im Leipziger Südraum die vielen Begradigungen, Umleitungen, Nutzbarmachungen aufgrund von Industrie und Tagebau. In der Nähe der Red Bull Arena fließt die Pleiße dann im Elsterflutbett in die Weiße Elster.

Die Pleiße hat von ihren ursprünglichen 115 km über 20% verloren. Ihr Verlauf ist gekennzeichnet durch Wehre, Befestigungen, Rohre und all das. Nach und nach hat sie sich aber wieder ihre Natürlichkeit zurück erkämpft. Freilich wird sie nie wieder so ursprünglich sein wie vor der Industrialisierung. Aber sie bildet eben immernoch Sümpfe. Wenn sie über die Ufer tritt und sich im Auwald ergießt. Aber auch sie selbst wird zum Sumpf. Und das soll sich ändern.

Hafenstadt Leipzig an der Pleiße

Leipziger Flüsse und insbesondere die Pleiße verfügen nicht über den großen Tiefgang. Dennoch sollen sie schiffbar sein. Einerseits legt man großen Wert auf Umweltschutz, andererseits soll der flache Fluss als Schifffahrtsstraße dienen. Jetzt nicht so, dass Transportschiffe oder so fahren können, aber immerhin. Es gibt gar ein „Leipzig-Boot“, das sich durch seinen geringen Tiefgang und seine fast nicht vorhandene Bugwelle auszeichnet. Aber dennoch gibt es da eine Frage: Wenn das Wasser nicht durch eine Bugwelle verdrängt wird, wohin geht es dann? Wird es nach unten gedrückt und vernichtet Lebensraum?

Zukünftig sollen auch Boote mit Elektromotor auf der Pleiße fahren dürfen. Das war bisher ausgeschlossen worden. Und dafür sollen „Störstellen“ entfernt werden. Also all diese Unebenheiten auf dem Grund des Flusses. Zum Wohle der Touristen, die mit ihren Booten vom Neuseenland bis in die Innenstadt zum Stadthafen fahren sollen. Dabei vergisst man schon gern mal, dass die Unebenheiten zu jedem Fluss – so auch zur Pleiße – dazu gehören. Zeugnis darüber legte Lene Voigt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ab:

Wo de Bleiße bläddscherd dorchs Gelände
un der Gnoblauch dufded ohne Ende,
dort bei Leibzich in den sumbfschen Aun
schbugn nächdlich sächssche Wasserfraun.

(Lene Voigt, De Bleisse, Verlag Sachsenbuch, Leipzig 1999, ISBN 978-3-910148-04-8)

Die Pleiße und der Auwald

Wir wissen ja nun, dass die Pleiße recht flach ist. Das hat seinen Grund. Denn nur so entstehen die Feuchtwiesen, die Sümpfe und all die kleinen stehenden Gewässer, die einer Unmenge von Tieren einen natürlichen Lebensraum bieten. Die Überflutungen und die schwankende Höhe des Grundwassers haben da schon ihren Sinn. Fängt man nun an, die Pleiße auszubaggern (und nichts anderes ist das Vorhaben des Entfernens der Störstellen), dann geht das Alles verloren.

Werden zugunsten der Boote diese Unebenheiten entfernt, wird der Auwald quasi geopfert. Er wird sich verändern. Der europaweit einzigartige Weichholz-Auenwald ist auf Überschwemmungen und sumpfige Böden angewiesen. Bei den Umbaumaßnahmen würde die Pleiße tiefer werden, und in der Folge würden die Böden austrocknen. Viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten würden daraufhin dauerhaft verschwinden. Die Pleiße mit ihren Untiefen und der Leipziger Auwald mit seinen Erlen gehören untrennbar zusammen, auch wenn sich durch den Menschen und seinen Eingriff Esche, Eiche und Ahorn dominierend sind.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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