Leipzig-Ecken: Güldengossa

Ich habe mir überlegt, ich starte mal eine neue Serie zu Ecken in und um Leipzig, die vielleicht nicht jedem bekannt sind, der aus der Region rund um “die schönste Stadt der Welt” kommt. Ich habe mir ein paar Ecken ausgesucht, die man vielleicht einfach mal erwähnen muss. Denn die Region Leipzig und Umland bietet so einiges. Heute starten wir mal mit dem winzigen Nest Güldengossa.

Über Güldengossa gibt es eigentlich nur zwei Sachen zu sagen: Das Kaff hat einen Strand und ein Schloss. Fertig, aus, Artikel zu Ende. Nein, das machen wir mal nicht so. Denn ich muss mal ein paar Sätze dazu los werden.

Irgendwann in der Mitte der Achtziger Jahre ist bei mir die Radtour-Wut ausgebrochen. Ich fuhr immer am Wochenende drauflos und habe so manches in der Region gesehen. So kam ich eben auch irgendwann mal durch Güldengossa durch. Wenn ich danach jemanden nach dem Nest befragt habe, erntete ich nur Schulterzucken. Der Name sagte niemandem etwas. Ist ja auch klar, denn Güldengossa bestand nur aus einer wilden Ansammlung von Häusern, einer Bushaltestelle, einem Kartoffelacker als Dorfstraße und einem irgendwo vermuteten Schloss, das meiner Erinnerung nach einfach mal nur verkommen war.

Die wichtigste Sehenswürdigkeit von Güldengossa in den Achtzigern war kein Schloss oder etwas in der Art. Nein, Güldengossa lag direkt vor den Toren eines großen Tagebaus. Der Tagebau Espenhain, dem so viele Orte im Leipziger Südraum zum Opfer gefallen waren, drohte auch, Güldengossa zu verschlingen. Bedrohlich nagten die riesigen Bagger das Erdreich weg. Wie durch ein Wunder blieb aber wohl Güldengossa verschont.

Die ganze Tagebau-Atmosphäre hatte mich damals schwer beeindruckt. Ich fuhr immer wieder nach Güldengossa und ließ mich durch die Buckelpiste namens Dorfstraße durchschütteln. Und das nur, weil ich direkt ins Dorf abbiegen wollte, um zum Tagebau-Rand zu kommen. Das Schloss bleib dabei die ganze Zeit irgendwo hinter Mauern und Zäunen verborgen. Ich nahm damals keinerlei Notiz davon.

Schloss Güldengossa - Martin Geisler at the German language Wikipedia [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons
Schloss Güldengossa – Martin Geisler at the German language Wikipedia [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons
Inzwischen ist Güldengossa wieder herausgeputzt. Häuslebauer haben das Dorf, das seit 1996 zum nahe gelegenen Großpösna gehört, wieder auf Vordermann gebracht. Auch das Schloss erstrahlt wieder in neuem Glanz. Und direkt südlich von Güldengossa schließt sich der sehens- und besuchenswerte Störmthaler See an. Damit ist das 400-Seelen-Örtchen einen Besuch wert und ist ein Kleinod im Leipziger Speckgürtel.

Was viele vergessen, ist ein historisches Ereignis. Denn im Jahre 1813 fand die Völkerschlacht bei Leipzig statt. Die entscheidenden Kämpfe am Ende der Auseinandersetzungen fanden auf dem Boden des Örtchens statt. Damit haben wir also auch eine geschichtsträchtige Erwähnung des Dorfes.

Der Störmthaler See indessen, an dessen Nordufer Güldengossa liegt, wird ja inzwischen alljährlich zum Event-Gebiet. Seit 2010 findet auf der Magdeborner Halbinsel des Störmthaler Sees statt. Magdeborn ist den Baggern zum Opfer gefallen, und in der Nähe befindet sich die Halbinsel, auf der das größte Indie-Festival Deutschlands stattfindet: Das Highfield-Festival.

Insofern könnte durchaus der Eine oder Andre über Güldengossa gestolpert sein. Machen Sie einfach mal einen Ausflug dahin. Es lohnt sich, und es gibt viel zu entdecken.

Titelbild: Güldengossa zwischen Tagebaurand und Autobahn – Martin Geisler at German Wikipedia [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

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