Goldisthal mitten in Südthüringen

Goldisthal mitten in Südthüringen

Südthüringen: Bildschön, aber irgendwie anders

Wir waren ein paar Tage in Südthüringen, also alles südlich des Rennsteigs bis zur bayrischen Grenze. Dort, wo man wegen der Sprache denkt, man sei in Franken. Und irgendwie stimmt das auch. Es war eine Woche, die uns sehr gut getan hat. Nach dem verkorksten Jahr 2021 war es höchste Zeit für eine Auszeit. Ich verrate euch mal was: Südthüringen eignet sich hervorragend dafür, die angestrebte Auszeit auch wirklich zu bekommen. Denn wie es in der Überschrift schon anklingt: Es ist dort irgendwie anders. Und dazu will ich mal ein paar Worte schreiben.

Wo ist denn jetzt dieses Südthüringen?

Ich habe es schon oben anklingen lassen: Südthüringen ist irgendwie das zwischen Rennsteig und der bayrischen Grenze. Rennsteig? „Der gemeine Ossi“ denkt doch sofort an Herbert Roth mit seinem „Rennsteiglied“:

Diesen Weg auf den Höhn bin ich oft gegangen, Vöglein sangen Lieder.
Bin ich weit in der Welt habe ich Verlangen, Thüringer Wald nur nach dir.

(Rennsteiglied – Herbert Roth)

Er ist schön, wunderschön, dieser Weg auf den Höhn. Nein, wir sind ihn nicht gewandert. Das hätten wir auch nicht geschafft, ungeübt und übergewichtig, wie wir nun mal sind. Außerdem war es heiß dort. Es gab keinen einzigen Tag unterhalb von 30 Grad. Das fühlt sich für Großstädter noch viel schlimmer in den Bergen an als in der Stadt. Aber wir besuchten verschiedene Ecken in Südthüringen. Und ich erkläre mal, wo das ist.

Unter Südthüringen versteht man die Landkreise Hildburghausen, Sonneberg und Schmalkalden-Meiningen, sowie die Stadt Suhl. Auch das so genannte Salzunger Land wird dazu gezählt. Im Osten endet Südthüringen irgendwie am Thüringer Schiefergebirge und im Westen so ungefähr an der Hessischen Rhön. Wir haben dort den Thüringer Wald, das Werratal und das Grabfeld. Und schön ist es dort. Richtig, richtig schön. Mir fällt kein anderes Wort dazu ein.

Was haben wir denn besucht?

Schnett, Blick vom Hotel über Südthüringen
Schnett, Blick vom Hotel über Südthüringen

Wer jetzt auf eine große Bildersammlung wartet, wird enttäuscht sein. Viele Bilder darf ich gar nicht veröffentlichen. Und hier und da war auch das Fotografieren verboten. Aber ich kann euch ja aufschreiben, was wir so erlebt haben. Wer aus einer Großstadt wie Leipzig mit über 600000 Einwohnern dorthin kommt, lernt das Wort „Ausklinken“ kennen. Große Städte sind dort weitgehend unbekannt. Der Landkreis Hildburghausen ist dreimal so groß wie Leipzig, hat aber nur ein Zehntel der Einwohner.

Einquartiert waren wir in einem Hotel im Dorf Schnett auf etwa 700 m Höhe. Das gehört zur Gemeinde Masserberg. Der Kernort dieser liegt direkt am Rennsteig am Eselsberg. Von dort aus besuchten wir freilich den Rennsteig. Eine Rennsteigwarte wartete auf uns und bot einen sagenhaften Blick über ganz Südthüringen. Die dazugehörige Baude hatte zu. Wir liefen einen Barfußweg im Ort, konnten aber die Salzgrotte im Ort nicht mehr besuchen, weil diese nicht mehr betrieben wird.

Wir fuhren mit der Oberweißbacher Bergbahn sowohl die steile Standseilbahn als auch die elektrifizierte Flachstecke und sahen uns das Schwarzatal an. Das ist legendär, weil die Standseilbahn an allerlei Skulpturen vorbeiführt. So sahen wir den Buckelapotheker, die Porzeline oder das Kräuterweib. Allerdings war uns auch hier der Imbiss in einem ausgemusterten Speisewagen verwehrt, weil zu viele Gäste für nur einen Kellner da waren.

Außerdem nahmen wir uns die Zeit für einen Abstecher ins mittelthüringische Ilmenau, um dort die „Volle Rose“ zu besuchen. Das ist ein Schaubergwerk in einem ehemaligen Schacht zum Abbau von Flussspat. Was für eine Erfahrung, denn du fährst auf einem offenen Pritschenwagen in den engen Schacht ein. Wenn du nicht aufpasst, ist der Kopf weg. So ähnlich wie hier fand unser Besuch statt:

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Und sonst so?

Oben seht ihr im Titelbild zu diesem Artikel das Örtchen Goldisthal. Das Nest mit seinen nicht mal 400 Einwohnern liegt im Kreis Sonneberg. Es heißt so, weil man hier im Wurzelberg Gold vermutet hatte. Heute gibt es dort ein großes Pumpspeicherwerk. Das ist von seiner Leistung her das größte Wasserkraftwerk Deutschlands. Das Dorf selbst beherbergt das „Haus der Natur“, das im ehemaligen Gasthaus „Zum fröhlichen Mann“ ist. Man lernt dort viel über Flora und Fauna in Südthüringen.

Wir hatten uns dann aber auch mal aufgemacht, um die Bertholdsburg in Schleusingen zu besichtigen. Dort angekommen, flüchteten die Mitarbeiter vor uns hinter sich schließende Türen. Stattdessen waren wir in der Glasstadt Lauscha. Allerdings war die Schauwerkstatt nicht geöffnet, was an den derzeitigen Energieproblemen und Fachkräftemangel gelegen haben dürfte. Eigentlich sollte man auch Kloster Veßra gesehen haben, aber dazu komme ich noch.

Schließlich waren wir aber auch noch im Spielzeugmuseum in Sonneberg. Das war eine Sensation. Spielzeug aus allen möglichen Perioden, auch aus der DDR und aus Afrika und sonstwo her. Es wurde gezeigt, wie sich das Alles entwickelt hatte. Äußerst sehenswert ist eine Montage namens „Thüringer Kirmes“. Oder „Guliver in Liliput“. Das war ein sehr spannender Besuch, der uns ein Stückweit wieder Kind werden ließ.

Aber warum dann „irgendwie anders“?

Jetzt kommen wir mal zu den Schattenseiten in Südthüringen. Ich meine, das gesamte Bundesland ist weltbekannt für seine Thüringer Rostbratwurst. Diese lange, würzige, viel Majoran und Kümmel beinhaltende Wurst, die typischerweise auf dem Holzkohlegrill „gebraten“ wird. In ganz Südthüringen, wo wir eben waren, gab es kaum Bratwurst-Stände. Einmal erhielten wir eine „medium“ gebratene Roster aus der Pfanne, einmal ein dickes, kurzes Etwas. Was soll das?

Und überhaupt war man in Südthüringen unserer Ansicht nach nicht auf Urlauber vorbereitet. In Masserberg gab es kaum ein offenes Café, in Schleusingen flüchteten Angestellte vor uns, Eiskaffee gab es aus dem Tetrapak, viele Dörfer hatten keine Imbisse mehr. Wer den Rennsteig entlang wandert, freut sich vielleicht auf etwas kühles zu trinken. Da hat man dort schlechte Karten. Woran das lag? Keine Ahnung. Fachkräftemangel ist eine Erklärung, sie reichte uns aber nicht.

Südthüringen ist eine Planungsregion. Aber geplant wird dort nicht viel. Das ist schade, denn die Region hat großartiges Potential. So scheint die Region leider vor sich hin zu dämmern. Ob das gewollt ist, kann ich nicht sagen. Viele geschlossene Cafés, Restaurants, Sehenswürdigkeiten hatten dies nicht mal Google gegenüber mitgeteilt oder Webseiten aktualisiert. Das war schon befremdlich.

Aber in Kloster Veßra hätte man einkehren können. Im „Goldenen Löwen“ von Tommy Frenck. Wer danach sucht, wird sicherlich verstehen, warum wir um diese Kneipe mit seinen Eisernen Kreuzen einen weiten Bogen gemacht haben. Wir haben allerdings herzlich gelacht, als wir ein Transparent sahen, auf dem stand „Unsere Region soll nicht unter die Räder kommen“. Leute, dafür sorgt ihr doch selbst, das macht niemand anderes.

Licht und Schatten

Natürlich hatte es uns in Südthüringen sehr gut gefallen. Die Gegend ist sehr sehenswert und lädt zum Innehalten ein. Aber wo Licht ist, ist auch viel Schatten. Wenn die Region denkt, sie würde abgehängt werden oder unter die Räder kommen, hat sie das nun einmal selbst zu verantworten. Brandenburg ist auch strukturschwach. Aber die heißen dort ihre Urlauber willkommen. In der Region von Werra, Rennsteig und Schwarza kam uns das aber anders vor.

Ob wir mal wieder dorthin fahren? Trotz der ausnehmenden Schönheit der Region können wir uns dies zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen. Wir werden aber die – ich wiederhole mich – ausnehmende Schönheit in Südthüringen lange in uns tragen. Und wer weiß, wenn die Region mal wissen sollte, wohin sie will, wird sie vielleicht nochmal interessant für uns. Schließlich gäbe es dort noch einiges mehr zu entdecken.

Man tut nämlich so einiges, um auch dem Klimawandel zu begegnen. Natürlich sind weite Teile der Wälder kaputt. Aber man forstet auf und nutzt dafür resistente Arten. Es wird viel getan. Wir wünschen Südthüringen deshalb alles erdenklich gute. Aber für uns wird es so bald kein Wiedersehen geben.

Quo Vadis, Südthüringen? - Ein Wegweiser in Schnett bei Masserberg
Quo Vadis, Südthüringen? – Ein Wegweiser in Schnett bei Masserberg

2 Kommentare zu „Südthüringen: Bildschön, aber irgendwie anders“

  1. Hi Henning,
    das mit dem Fotografieren verboten habe ich nicht so ganz verstanden. Gibt es da echt Verbote, dass man die Gegend nicht fotografieren darf? Sind da unsere geheimen Raketensilos, von der nicht mal unsere Verteidigungsministerin Frau Lammfromm was weiss?
    Ansonsten finde ich die Gegend schon… hm, sagen wir mal.. geeignet für einen Agentenfilm aus den 60er Jahren (und das Bergwerk wäre die deutsche Kulisse für ein Remake von Indiana Jones.. ;-) ). Alles verströmt noch den Geruch der früheren DDR. Wenn da noch hauptsächlich qualmende und stotternde Trabbies im Verkehr unterwegs wären – mich würde es nicht wundern. Na, und was das rechts liegende Lokal „goldener Löwe“ angeht – irgendwo muss sich die braune Brut ja treffen. Lieber dort alle zusammen, als vereinzelt in deiner Stammkneipe. Und ein Kloster bewirkt vielleicht bei einigen einen positiven Sinneswandel – vom „Saulus zum Paulus“, sozusagen.. :-)
    Was Urlaub angeht – den spar ich mir dieses Jahr.. das Konto muss nach dem Umbau des Home Offices erst mal wieder aufgefüllt werden..
    Bleib gesund!
    CU
    P.

    1. Also natürlich kannst du Talsperren, den Rennsteig oder was auch immer fotografieren. Aber ich habe „früher“ (TM) auch ab und an in solchen Artikeln Fotos von Ausstellungen oder Denkmälern oder sowas gehabt. Das darfst du alles nicht. Du kannst hier und da nicht mal eine Fotoerlaubnis kaufen. Das fand ich schon sehr schräg. Ich glaube nicht, dass das mit den „Skalarhaubitzen“ von Axel Stoll zu tun hat, die sind ja in Neuschwabenland.

      Nach dem, was ich über „Wuttwitter“ alles über die Kneipe gehört habe, habe ich erwartet, dass an jedem Vorgarten in der Gegend eine Reichsflagge hängt und die Leute sich auf der Straße mit der erhobenen rechten Hand begrüßen. Klar, der Laden macht keinen Hehl daraus, welche Sinnesbewegung dort landet. Aber ich glaube auch, dass deren Einfluss geringer ist, als „Wuttwitter“ weismachen will.

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