Mein Microsoft-Account

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Microsoft-Account: Wird man grundlos ausgesperrt?

Man liest immer wieder davon, dass Nutzer mutmaßlich grundlos aus ihrem Microsoft-Account ausgesperrt werden. Sie haben dann keinen Zugriff mehr auf ihre Daten. Sollte das stimmen und Microsoft hier mehr oder weniger willkürlich handeln, wäre das eine Katastrophe sonders Gleichen. Da ich es als wichtig ansehe, dass wir mal der Sache auf den Grund gehen, möchte ich mal ein paar Gedanken dazu loswerden. Denn die Nummer lässt mir keine Ruhe. Aber eins nach dem anderen.

Was ist der Microsoft-Account?

Vielleicht habt ihr mal irgendeinen Dienst von Microsoft genutzt: Ihr habt vielleicht euer Windows mit Microsoft verbunden. Oder ihr habt eine XBox oder eine Email-Adresse wie *@outlook.com oder *@live.de oder *@hotmail.de oder so. Womöglich habt ihr auch mal Skype oder so genutzt. Ach ja, und wir dürfen Office 365 / Microsoft 365 / Azure und MSN und sowas nicht vergessen. Alles Dienste von Microsoft. Um sie zu nutzen, braucht ihr einen Microsoft-Account. Das ist hier erklärt.

Alle Dienste, die ihr so nutzt und die von Microsoft stammen, sind mit diesem Account verknüpft. Ihm zugeordnet ist eine Email-Adresse und eine Telefonnummer. Die Adresse ist klar. Und die Telefonnummer dient der Bestätigung bei der Multi-Faktor-Authentifizierung und dem Zurücksetzen und sowas. Auf dieser Seite im Account kann ich dann noch die Lieferadresse und die Rechnungsadresse ergänzen. Ich kann, muss aber nicht. Das weiß ich, weil ich da noch nie eine Adresse angegeben hatte.

Jedenfalls ist der Microsoft-Account der zentrale Zugang zur Microsoft-Welt. Wie denn auch sonst? Für ein Android-Smartphone, für GMail, Google Analytics oder sonstwas in der Google-Welt brauche ich nun mal einen Google-Account. Und glaubt bloß nicht, dass es bei Apple oder sonstwo so großartig anders wäre. Ohne Account kann ich nun mal diverse Dienste nicht nutzen. Im vorliegenden Microsoft-Account sind es eben alle Aktivitäten rund um Windows, Office, Azure, XBox, Bing und Co.

Sperrt Microsoft grundlos Nutzer aus?

Es gab immer schon mal Wortmeldungen von sonstwo her, dass der Microsoft-Account grundlos gesperrt worden sei. Aber ich bin hellhörig geworden, als sich der Autor Günter Born dazu geäußert hatte. Sein Artikel begann mit einem heftigen Donner:

Finger weg von Microsoft und Microsoft-Konten, das ist die Botschaft dieses Artikels. Denn Redmond fährt mit euch Schlitten und wer auf ein Microsoft Konto angewiesen ist, der ist im Fall der Fälle schlicht verratzt, am Arsch, fertig – digitale Inhalte und Leistungen sind im digitalen Orkus ohne Wiederkehr verschwunden.

Günter Born in “Tretmine Microsoft Konto: Willkürliche Sperre bei Online-Funktionen”

Alter, diese Wortwahl kenne ich ja nun so gar nicht. Ich lese seinen Blog seit Jahren. Und da muss ich schon sagen, dass ich da mal nachschauen muss, was da passiert ist. Im Artikel geht es um Nutzer von Microsoft-Diensten, die über den Microsoft-Account zu Melkkühen des Konzerns aus Redmond erzogen werden sollen. Das beginnt schon beim Einrichten von Windows, für das es immer unausweichlicher wird, dies mit einem Microsoft-Account zu tun.

Ist dieses Konto aus welchen Gründen auch immer nicht mehr nutzbar, können logischerweise auch die damit verbundenen Dienste nicht mehr genutzt werden. Allerdings kommt es eben auch vor, dass das Konto schlichtweg gesperrt wurde. Lapidar meldet Microsoft:

Wir haben Aktivitäten festgestellt, die gegen unseren Microsoft-Servicevertrag verstoßen. Ihr Konto wurde daher gesperrt.”

Microsoft in der Sperr-Mitteilung

Irgendwie erinnert das an AdSense, bei denen ich aus einem mit unbekannten Grund gesperrt bin. Ich weiß nach etlichen Jahren immernoch nicht, wieso ich damals gesperrt wurde. Und eine Reaktivierung ist ausgeschlossen. Beim Microsoft-Account gibt es zumindest Aufklärung. Ob ein gesperrter Nutzer damit etwas anfangen kann, ist eine andere Sache. Aber ich glaube, so ganz grundlos ist so eine Sperrung nicht.

Wogegen könnte man denn verstoßen haben?

Wenn der Microsoft-Account gesperrt wurde, hat das erstmal einen Grund. Wir haben ja gerade gelernt, dass es einen Verstoß gegen den Microsoft-Servicevertrag gegeben haben soll. Den findet ihr hier in allen Einzelheiten. Da stehen so Sachen drin, dass man ein angelegtes Konto auch nutzen muss. Das Konto wird ausgesetzt, wenn Microsoft denkt, dass es kompromittiert wurde. Das wird dann freigeschaltet, wenn ihr die Eigentümerschaft bestätigt. Richtig: Mit der Telefonnummer oben.

Aber was, wenn das Konto gesperrt wurde? Was lag vor? Auch das hat Microsoft erklärt. Wenn ihr Phishing oder sonst irgendwelche gesetzlich verbotenen Dinge treibt. Wenn ihr Spam versendet. Oder auch wenn ihr Konten scriptgesteuert erstellt oder sonst irgendwelches dummes Zeug anstellt. Aber ganz ehrlich: Wenn ich irgendeine Leistung anbieten würde, die dann missbraucht wird, würde ich das Ganze auch unterbinden.

Es ist in dem zuletzt verlinkten Artikel auch erklärt, wie die Sperrung aufgehoben werden kann. Auch hier seht ihr: Ohne die Telefonnummer geht es nicht. Ob das Alles so funktioniert, kann ich nicht sagen. Denn ich habe meinen Microsoft-Account seit bestimmt 15 Jahren, wenn nicht noch länger, und nie Probleme damit. Das heißt nicht, dass ich nun einen auf Jubelperser mache. Ich will nur sagen, dass ich die Beobachtungen, von denen der Günter Born schreibt, einfach nicht erlebt habe.

Was macht denn so zornig?

Wenn das Folgende wirklich stimmt, dann wäre das eine absolute Katastrophe. Im Forum von Dr. Windows wird so eine Nummer diskutiert. Da ist doch ernsthaft die Rede davon, dass einerseits der Support nicht weiterhilft oder weiterhelfen will und dass andererseits alle Daten in OneDrive weg sind. Noch dazu laufen aber Abos wie Microsoft 365 weiter und verursachen Kosten. Sagt mal, Microsoft, kann das stimmen? Und wenn ja, ist das wirklich euer Ernst?

Ich habe bei meinen Recherchen gelesen, dass es sich zum Beispiel um ein erhöhtes Datenaufkommen handeln könnte. Also wenn ich mein Handy-Backup nicht mehr von Huawei oder so machen lasse, sondern von OneDrive. Aber dafür ist es doch da, oder? Ein anderes Beispiel ist, dass die so wichtige Telefonnummer (noch) nicht eingetragen wurde. Aber ehrlich, das sind doch keine Gründe. Dann schon eher die Nummer mit Spam, Phishing und Viren, die ich oben erwähnte.

Was dabei richtig zornig macht, ist die Geschichte, dass man einfach nicht mit einem Menschen sprechen kann. Vieles ließe sich wohl schnell klären, wenn man eine Telefonnummer anrufen könnte, sein Anliegen schildern könnte und bei Microsoft jemand säße, der muttersprachlicher Deutscher wäre. Automatisierte KI-Prozesse, die Amok laufen können, und missverständliche Kontaktformulare, die “Schreibvieh” mit maximal mittelmäßigen Sprachkenntnissen beantworten, führen wohl zu so etwas.

Microsoft verdient viel Geld mit seinen Diensten. Stand September 2019 setze der Konzern knapp 30 Milliarden Euro um (+14%) und realisierte einen Gewinn von knapp 11,5 Milliarden Euro (+27%). Hier muss es doch zu gewährleisten sein, dass der Service nicht einfach immer nur reduziert wird. Ich glaube, das ist der Grund, wieso es zu so vielen merkwürdigen Sperrungen kommt. Wenn ein guter Service verfügbar wäre, würde vieles davon gar nicht erst passieren.

Support ist ein enorm wichtiger Bestandteil, der die Qualität eines Produkts oder einer Dienstleistung beeinflusst. Kann der nicht gewährleistet werden, werden sich die Kunden und Nutzer abwenden. Insofern kann man nur hoffen, dass hier Microsoft nachsteuert. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass ein Microsoft-Account nicht ohne Grund gesperrt wird. Aber vielleicht muss der Konzern hier nachsteuern, was Triggerpunkte und Service und Support betrifft.

Microsoft-Account: Wird man grundlos ausgesperrt?
Microsoft-Account: Wird man grundlos ausgesperrt?

5 Kommentare zu „Microsoft-Account: Wird man grundlos ausgesperrt?“

  1. Hi Henning,

    ich habe das auch bei Dr. Windows gelesen. Wenn es so ist, wie es anscheinend ist, ist das ein Fall für einen amtlichen Shitstorm – und zwar diesmal zurecht, denn hier handelt es sich um einen Skandal. Ich meine, wir reden hier teilweise von Kunden, die hunderte Euros und mehr investiert haben in Form von Xbox-Inhalten etc. Wenn es so ist wie beschrieben, wäre das ein handfester, ganz übler Skandal. Ganz übel ist natürlich, dass man an seine OneDrive-Daten nicht mehr rankommt und dass Abos weiterlaufen, ohne gekündigt werden zu können.

    Erinnert mich irgendwie an “Der Prozess” von Franz Kafka. Dir wird irgendwas vorgeworfen, was aber nicht erklärt wird, du wirst verurteilt und hingerichtet, ohne je zu erfahren, was los war.

    Bin mal gespannt auf eine Stellungnahme von Microsoft, obwohl ich nicht glaube, dass die kommen wird.

    1. Hi Martin,

      ich glaube auch nicht daran, dass da irgendeine Stellungnahme von Microsoft kommt. Wie ich im Artikel geschrieben habe, erinnert mich die Nummer an AdSense. Aber ich weiß noch nicht so richtig, was man davon halten soll.

      Es sind halt ganz schön viele Wenns dabei. Findest du nicht auch? Ich will gar nicht zum Jubelperser mutieren. Aber ich will eben auch nicht vorschnell urteilen. Eigentlich können wir nur beobachten, wie die ganze Sache weitergeht. Aber es wäre fatal, wenn das Alles stimmen würde.

  2. Auf jeder Seite von M$ muss ich mich neu anmelden. Ich nutze Microsoft Office 365. Heute habe ich mal probiert, wie es aussieht, Evernote-Inhalte in OneNote zu exportieren. Vergiss es! Wahrscheinlich waren es für OneNote schlicht zu viele Daten, die ich mit Evernote über Jahre gespeichert habe, … Jedenfalls wurde nur ein Bruchteil in OneNote importiert. So kann ich nicht arbeiten. Zwischendurch musste ich mich (wie fast üblich) immer mal wieder bei einer neuen M$ Seite anmelden. Mir geht zwischendurch auch immer wieder die Verbindung zu Onedrive flöten. Damit läuft mein Virenschutz nicht mehr und ich kriege es zu allem Überfluss auch nur eher zufällig mit. Nun ja, zu viel will ich auch nicht meckern. Schließlich hat M$ auch ein paar großartige Programme und Tools, die ich nicht missen will. Aber auf Evernote kann ich nicht verzichten.

  3. “Was macht denn so zornig?”

    Zornig macht, daß man quasi machtlos ist – im Falle eines Falles.

    Wenn Günter Born schreibt, daß selbst deutsche Microsoft-Mitarbeiter auf dem internen Dienstweg nichts ausrichten können – gegen wen sollte man Klagen oder einstweilige Verfügungen erwirken?

    Die lachen sich doch in Fäustchen, dort in Redmond….. weit weg. Da kann sich der deutsche Kunde auf die Hände stellen und mit den Füßen wackeln – Gesetz ist das, was die USA und US-imperialistische Firmen machen!

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