Windows Server kaputt gepatcht - Und nun? - Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Windows Server kaputt gepatcht - Und nun? - Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Windows Server kaputt gepatcht – Und nun?

Wie ihr vielleicht wisst, arbeite ich im Support. Wir haben immer viel mit dem Produkt Windows Server zu tun. Aber was hatten wir für einen herrlichen Spaß! Denn es kursiert die Schreckensmeldung: Schiebe ich Windows-Updates auf einen Windows Server und starte den dann neu, verfällt der in einen Boot Loop, startet also immer wieder neu. Die Maschine ist dann also praktisch nutzlos und nicht mehr verwendbar. Was hat denn Microsoft hier wieder angestellt?

Wenn der Patchday in die Hose geht…

Jetzt kann man ja viel über Cloud und Functions und KI und AR und allem möglichen erzählen, es ist und bleibt bis auf weiteres einfach mal so, dass der gute, alte Windows Server nach wie vor benutzt wird. Spätestens als Domain Controller wird der eingesetzt, aber ich habe auch mit vielen Exchange Servern, Hyper-V Servern und Clustern nach wie vor zu tun. Und neben diesen gibt es ja auch die Datenbank-Systeme. Und die bekamen alle wunderschön die Windows Updates vorgesetzt.

Irgendwie muss der Patchday ziemlich in die Hose gegangen sein. Wir hatten zum Glück nur ein paar Störungsmeldungen von unseren Kunden dazu erhalten. Aber es konnte dazu kommen, dass Hyper-V im Eimer war, ReFS kaputt ging, VPN geblockt wurde und – nun ja, man traut sich das gar nicht zu sagen – Domain Controller in einen Boot Loop gingen. Microsoft hat wohl inzwischen bestätigt, dass der Patchday jetzt nicht so optimal verlief. Und scheinbar wurden die Updates auch zurückgezogen.

Das wiederum äußerte sich in Supportanfragen von Kunden, die panisch gefragt haben, ob deren Server nun kaputt seien, weil sie keine Updates mehr installieren konnten. Also war auch das jetzt nicht so die allerbeste Idee von Microsoft. Wer will, sollte einfach mal die Zusammenfassung beim Günter Born lesen. Und irgendwie drängt sich mir der Verdacht auf, dass Microsoft immer weniger auf Qualitätskontrolle gibt. Ganz ehrlich: Das ist eine blöde Idee, die dem Konzern noch weh tun kann.

Statt Exchange Server nun Windows Server?

Wie ihr wisst, beschäftige ich mich mit dem guten, alten Exchange Server. Und in dem Themenspektrum habt ihr ja auch die eine oder andere Merkwürdigkeit von Microsoft mitbekommen. Und ich weiß nicht so richtig, was da bei Microsoft los ist. Dieses Patchday-Desaster beim Windows Server war meiner Meinung nach absehbar. Aber wieso passiert denen das? Ist denn tatsächlich keine Zeit mehr, die Updates zu testen? Ich meine, das sind keine Probleme für nur eine Handvoll Kunden.

Soweit ich das überblicken kann, kann man schon davon reden, dass das eine flächendeckende Problematik ist. Ich habe selbst eine Supportanfrage angenommen, die ungefähr so geht: „Wir haben auf unserem Windows Server File Server Cluster Updates installiert. Nach dem Neustart aber ist das Laufwerk für die User-Freigaben nicht mehr mit NTFS formatiert, sondern wird als RAW Device angezeigt und ist leer.“

Das kann ich doch nicht bringen, oder? Die ganzen „Home Laufwerke“ von Anwendern in einer Organisation weg? Und das soll man auch noch gut finden? Die einzige Lösung soll wohl derzeit sein, die ganzen Updates, mit denen uns Microsoft bei letzten Patchday überrascht hat, müssen ausnahmslos deinstalliert werden. Vielleicht hat man dann eine theoretische Chance, seine Windows Server wieder arbeitsfähig zu bekommen.

Vorkehrungen treffen

So blöd es klingt, aber man kommt gar nicht umhin, Vorkehrungen zu treffen, will man weiter mit Microsoft-Technologie arbeiten. Es geht nicht ohne Backup, aber das ist ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber es geht auch nicht ohne Testumgebung. Ich muss nun wirklich in einer parallel vorgehaltenen Testumgebung jedes einzelne Update auf Herz und Nieren überprüfen? Und wer bezahlt die mir? Ich erwarte doch eigentlich, dass der Anbieter sein Zeug auf Herz und Nieren überprüft.

Organisationen zahlen für ihre Windows Server immer eine ganze Stange Geld. Jetzt werfe ich mal den hinkenden Vergleich zu WordPress ein. Das liegt ja hier unter dem Blog und kostet mich nichts. Aber so richtig große, ernsthafte Probleme gibt es eben nicht bei WordPress. Die Community arbeitet da schon ziemlich gewissenhaft. Es kann mir niemand erzählen, dass das bei Microsoft nicht möglich ist. Oder täusche ich mich?

Ein letzter Gedanke dazu ist, dass der Konzern vielleicht die Qualitätskontrolle einfach nicht ernst nimmt. Vielleicht denkt man sich, dass es ausreicht, auf Beschwerden zu reagieren. Aber was ist das denn für eine Art und Weise? Wenn ich in meinem Job irgendeinen halbherzig hingerotzten Quatsch an die Kunden weitergeben würde, wäre ich bestimmt bald meinen Job los. Aber bei Microsoft wird so etwas offensichtlich komplett anders gehandhabt. Warum ist das so?

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