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Eurodance - (C) Geralt Altmann CC0 via Pixabay.com - //pixabay.com/de/silhouette-m%C3%A4dchen-tanz-party-3089943/ Eurodance - (C) Geralt Altmann CC0 via Pixabay.com - //pixabay.com/de/silhouette-m%C3%A4dchen-tanz-party-3089943/

Eurodance – Wir waren jung und verrückt

Es ist rund ein viertel Jahrhundert her, wir waren um die 20, und eine bestimmte Musik trieb uns damals über Stunden auf die Tanzflächen. Es war die Zeit der tiefen Bassdrums, der Arpeggios, der Wechselgesänge zwischen Rappern und Sängern, der monotonen 130 BPM. Wir haben die Musik abgöttisch geliebt. Wir waren ja jung. Eurodance hatte damals eine Gabe, uns in seinen Bann zu ziehen. Und im Abwasch der Woche gehe ich einfach nochmal auf diese verrückte Zeit ein.

Was ist denn Eurodance?

Die Wikipedia schreibt über Eurodance, dass es sich um eine stetig wiederholende Synthie-Instrumentierung zwischen 110 und 180 BPM war, die wohl recht monoton war. Naja, monoton würde ich sie nicht bezeichnen. Man vergleicht Eurodance gern mit House und Techno, sagt aber, dass es nicht das Gleiche war. Denn es überwiegt der Gesang. Die Wikipedia bringt da die „Snap-Formel“, die da „Ma-ra-Fra-si“ heißt. Es ist das „Mann rappt, Frau singt“, was da beim Eurodance eine Rolle spielt. Aber ehrlich, da war doch noch mehr.

In der Wikipedia steht auch, dass es sich beim Eurodance um platte Inhalte wie Tanzen, Feiern und Liebe dreht. Aber auch das ist zu kurz gegriffen. Die Inhalte waren enorm vielfältig. Eurodance – oder in Großbritannien und den USA „Dancefloor“ genannt – entstand aus dem „Hi-NRG“ der Evelyn Thomas und hatte demnach auch irgendwie mit Modern Talking zu tun, da Dieter Bohlen ja „Ni NRG“ perfektionierte. Mitte der Neunziger war dann der Spaß um Eurodance wieder vorbei. Geblieben sind unfassbare Gassenhauer aus der Zeit.

Das Witzige an Eurodance ist, dass diese Musikrichtung erst nach Abebben der Welle überhaupt einen Namen erhielt. Als dann der in Deutschland „Techno“ genannte „Happy Hardcore“ von Scooter, Mark’OH oder Charlie Lownoise & Mental Theo um sich griff und von der anderen Seite „Euro Rap“ á la C-Block, Down Low oder Pappa Bear zuschlug, war es um Eurodance geschehen. Aber irgendwie gibt es diesen Stil immernoch. Also war das langlebiger als gedacht.

Unvergessliche Gassenhauer aus dem Eurodance

Wenn wir von Eurodance erzählen, kommen wir eigentlich nicht um Technotronic (Pump up the Jam) oder Snap! (zur Zeit von „The Power“) herum. Damit begann es. Aber auch „Somebody Dance with me“ vom inzwischen 50-jährigen DJ Bobo war einer der Wegbegleiter. Wir kommen auch nicht um „Get ready for this“ von 2 Unlimited herum, das wie ein einziges Computerspiel klingt und zu „Mortal Combat“ passt. Das waren Lieder, die für uns die Welt verändert hatten.

Irgendwie spielten dann einige Musiker eine zentrale Rolle im gesamten Eurodance-Zirkus. Der Eine war Rolf Ellmer, besser bekannt als der „Jam“ von „Jam & Spoon“. Der Andere war Nosie Katzmann. Die steckten hinter so vielen Liedern der Ära. So gab es Bernard Green, besser bekannt als „B.G. The Prince of Rap“. Der hatte zu der Zeit „The Colour of my Dreams“. Ich hatte damals das Album. Alle Lieder klangen ähnlich, aber „The Colour of my Dreams“ war schon das beste:

Ich schrieb ja oben, dass irgendwie Dieter Bohlen auch mit dem Eurodance zusammenhängt. Wie gesagt, Modern Talking waren quasi „Hi NRG“ in Perfektion und damit Wegbereiter von Eurodance. Aber das Projekt war kein Eurodance. Das wiederum war „Blue System“. Und mit dem Projekt war Dieter Bohlen schon in Eurodance unterwegs. Nun hatte er ja nicht gerappt. Aber das war schon ein Teil dieser Bewegung:

Eurodance war immer untrennbar mit Tona Dawson-Harrison verbunden. War es am Anfang „I can’t stand it“ mit Twenty 4 Seven, so war es später das Captain Hollywood Project. Für uns war damals diese Musik etwas besonderes im ganzen Eurodance-Einerlei. Es klang irgendwie erwachsener, ernster. Und wir wollten ja auch mit Anfang 20 die großen Jungs sein. Und eben jener Captain Hollywood brachte auch Ernsthaftigkeit in diese Musik.

Aber bis heute unerreicht blieben die Erfolge von SNAP! Michael Münzing und Luca Anzilotti (also Benito Benites und John Virgo Garrett III) feierten unfassbare Erfolge mit „The Power“ oder „Rhythm is a Dancer“. Und sie trauten sich was. Zum Beispiel mit Niki Harris, die neben dem unglaublichen „See the Light“ auch „Exterminate!“ singen durfte. Das ist eine Nummer, die bis heute ihre Faszination nicht ein Stück verloren hat.

Gibt es heute noch Eurodance?

Ich schrieb ja oben, dass es so ist. Also müssen wir auch mal kurz darauf eingehen, ob es denn heutzutage auch noch Eurodance gibt. Und in der Tat, dem ist so. Cascada ist so ein Beispiel. Das „Bonner Mädchen“ Natalie Horler ist aktuell mit Eurodance unterwegs. DJ Bobo ist auch nicht wegzudenken. Oder erinnern wir uns an Lady Gaga oder Basshunter. All das ist mehr oder weniger Eurodance. Dennoch haben viele frühere Lieder dieser Ära inzwischen absoluten Kultstatus. Sie sind zu Evergreens geworden. Eine Entwicklung, die man so nicht hätte erahnen können.

Es gibt noch so unfassbar viel mehr Musik aus dieser Zeit. Es war eine besondere Musik, die irgendwie ihren Glanz bei Menschen in meinem Alter nicht verloren hat. Nicht umsonst gibt es immer wieder „Neunziger-Jahre-Partys“ mit jeder Menge Eurodance. Und so können wir sagen, dass im schnelllebigen Musikgeschäft mit Un-tiss-un-tiss-Nummern en gros auch solche Nummern für die Ewigkeit bestehen. So war das eben damals, vor einem viertel Jahrhundert.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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