Extinction Rebellion: Rebellierende Sekte?

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Ihr habt sicherlich alle schon mal von der Bewegung „Extinction Rebellion“ gehört oder gelesen, richtig? Ich bin mir noch nicht klar darüber. Was soll das sein? Und ich weiß nicht so richtig, wie man diese Bewegung einordnen soll. Es gibt die absurdesten Wortmeldungen dagegen. Was aber auch hier ganz deutlich zu sehen ist: Jeder hat ein kleines bisschen Recht. Aber wer hat denn nun rechter?

Hat „Extinction Rebellion“ etwas mit zivilem Ungehorsam zu tun?

Die Bewegung „Extinction Rebellion“ (in etwa: Rebellion gegen das Aussterben) reklamiert für sich, mit Mitteln des zivilen Ungehorsams gegen das Massenaussterben in Folge der weltweiten Klimakrise zu protestieren. Die Bewegung ist recht jung. Man rechnet etwa damit, dass sie ungefähr ein Jahr alt ist. Gegründet wurde sie vom ehemaligen Bio-Bauern Roger Hallam.

Es gab einen Rebellion Day, bei dem die wichtigsten Brücken Londons über die Themse blockiert wurden. Weltweit fanden Protest-Aktionen statt, die Regierungen dazu zu zwingen sollten, die Forderungen von „Extinction Rebellion“ umzusetzen. Dabei legt man sich gern mal tot auf die Straße („Die-in“), veranstaltet Trauermärsche oder führt Flashmobs durch.

Es gibt auch Aktionen, bei denen Flüsse giftgrün gefärbt werden oder Parlamente mit Kunstblut „verziert“ werden. Sie lassen auch mal ferngesteuerte Drohnen über Flughäfen kreisen, sodass diese aus Sicherheitsgründen den Flugverkehr einstellen müssen. Alles vor dem Deckmantel des Klimaschutzes.

Ziviler Ungehorsam setzt Rechtsnormen voraus, die von einem Staat auch durchgesetzt werden. Mit Aktionen, die dazu gerechnet werden sollen, weist man auf einzelne Gesetze oder Regeln hin, die man uneigennützig als ungerecht empfindet. Man will auf eine Veränderung hinwirken. Ob dabei jedes Mittel recht ist, kann man nicht so pauschal sagen.

Schön und gut, aber…

Ich finde es ja gut, dass wir endlich über Klimaschutz diskutieren. Aber muss deshalb gleich das Parlament angemalt werden? In diesem sitzt schließlich die Volksvertretung. Es ist richtig, dass man darüber streitet, wie am besten eine lebenswerte Erde für Generationen erhalten wird, die uns nachfolgen. Aber muss so ein Guerilla-Ansatz verfolgt werden?

Ja, es gab jede Menge offener Briefe. Diese beschäftigten sich auch mit dem lächerlichen Klimaschutz-Gesetz, was neulich verabschiedet wurde. Und wenn selbst die Öko-Sozialistin, Journalistin und Autorin Jutta Ditfurth damit um die Ecke kommt, dass „Extinction Rebellion“ für sie so wirkt wie eine „esoterische Weltuntergangssekte“, bekomme ich Sorge.

Sorge davor, dass wir in eine fruchtlose Diskussion verfallen, wer nun mehr Recht hat. Geht es wirklich nur noch um „Ökofaschisten“ gegen „Klimaleugner“? Die Hippies gegen das Establishment? Wenn das so weitergeht, dann wird genau so etwas in ein paar Jahren oder Jahrzehnten – das weiß ja niemand genau – keine Rolle mehr spielen.

Es ist gut und richtig, über scharfe Klimaziele zu streiten. Aber dann muss man auch irgendwann mal anfangen, irgendwas umzusetzen. Warum macht man das nicht mit dem einen Tropfen pro Mensch? Das tut nicht weh und schafft richtig etwas. Aktionen, die man nur „irgendwie gut“ finden kann, sind dann unterm Strich eigentlich großer Mist.

Doch lieber „Fridays for Future“?

„Extinction Rebellion“ fühlt sich „Fridays for Future“ nahe. Mancher sagt, es sei der „erwachsene Arm“. Ist es dann nicht besser, gleich auf das Original zu setzen? Aber auch hier gibt es enorm widersprüchliche Aussagen. Ich will mich da gar nicht daran beteiligen. Aber ich finde, dass der Ansatz beider Bewegungen schon richtig ist.

Allerdings wird man so nichts erreichen. Das vom „Klimakabinett“ als Heilsbringer hervor geholte „Klimapaket“ wurde in der Luft zerrissen. Es sei nicht weitgehend genug. Die Konsequenz war dann, dass die Version, die als Gesetz dann kommen soll, nochmal schwächer ist. Gibt es Proteste, machen wir einfach noch mehr Larifari, oder was?

Aber diese enormen Aktionen von „Extinction Rebellion“ können ernsthafte Auswirkungen auf das Leben der Menschen haben. Auch auf die, die mit dem Fahrrad fahren, Wasser sparen und den Müll trennen. Ich bin mir nicht sicher, ob das so super ist. Es muss doch irgendwie anders gehen. Und die Vernunft muss man aus dem Keller zurück holen.

Natürlich können wir alle denken, dass die Bundesregierung nur noch Erfüllungsgehilfen der Autokonzerne sind. Aber es muss doch mit etwas mehr Realismus voran gehen, dass man in der Gesellschaft etwas ändert. Mit einer Graswurzel-Bewegung wie „Extinction Rebellion“ könnte das sogar funktionieren. Wenn nicht dieser meditative Über-Aktivismus wäre.

Und ganz zum Schluss ist es ja so, dass diese Bewegungen durch irgendwas finanziert werden müssen. Und auch diese Bewegungen erzeugen Müll und verbrauchen Energie und Ressourcen. Nehmt doch lieber die Bevölkerung mit, wenn es um gesellschaftliche Änderungen geht. Dann macht sie auch mit. Alles andere wird zu Radikalismus führen. Aber das ist nur meine Meinung.

2 Kommentare

  1. Das ist eine Aktionswoche, die auch mal vorbei sein wird. Die Blockaden in Berlin laufen offensichtlich problemlos, es ist oft mehr die massive Präsenz der Polizei, die „sperrt“, als die übersichtliche Anzahl Teilnehmerinnen.

    Das Generve um XR, die ganzen Anwürfe aus linker Richtung finde ich schlimm. Ein leider allzu typisches Verhalten, man sucht immer nach Haaren in der Suppe und Gründen, warum etwas doch irgendwie schlimm sein soll – oder versucht gleich durch Sprache die Leute zu diskreditieren. Als „Sekte“ zum Beispiel…

    Dabei reicht ein Lesen der Website vom XR, um z.B. klar zu erkennen, dass es sich nicht um eine von irgendwo „oben“ oder „hinterrücks“ gesteuerte Ini handelt, da klar dort steht: „Alle, die diesen Prinzipien und Werten folgen, können im Namen von Extinction Rebellion in Aktion treten.“
    https://extinctionrebellion.de/wer-wir-sind/prinzipien-und-werte/

    Ich denke, manche sind einfach neidisch, dass es eine Bewegung gibt, die sich weiterhin im Sinne der Sache einsetzt und viel Resonanz bekommt. (Insbesondere J.Dithfurt kann offensichtlich kaum ertragen, dass sie ihre frühere Bedeutung verloren hat und grätscht nun überall dazwischen, bzw. versucht es zumindest).
    Sitzblockaden waren und sind seit mehrere Jahrzehnten ein übliches Mittel des „zivilen Ungehorsams“. Kein Grund, sich auf einmal so darüber aufzuregen, jedenfalls nicht von links.

    „Aber diese enormen Aktionen von „Extinction Rebellion“ können ernsthafte Auswirkungen auf das Leben der Menschen haben. “
    Oh ja, es könnte jemand wirklich mal zu spät zu einem Termin oder zur Arbeit kommen – wie furchtbar!

    1. Hallo Claudia,

      Ich erkenne die Ziele des Ganzen durchaus an. Aber ich denke halt, dass so ein ziviler Ungehorsam nichts bringen wird. Meine Idee wäre, die Menschen mitzunehmen. Das erfordert aber ein kollektives Umdenken.

      Wenn ich mir ansehe, wie allseits verbal aufgerüstet wird, sehe ich schwarz, dass XR zu irgendwas führt. Vielmehr wird das Umdenken in Sachen Klimaschutz gefährdet.

      Und was die Auswirkungen betrifft: Manchem mag das schwer vorstellbar sein, aber wer zu spät auf Arbeit kommt, konnte seine Existenz gefährden. Mir ging es aber auch um viele andere Dinge. Mir war nicht klar, dass ich das erklären muss.

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