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Der Paußnitz-Bogen westlich der "schwarzen Brücke", stromabwärts - By Falk2 (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons Der Paußnitz-Bogen westlich der "schwarzen Brücke", stromabwärts - By Falk2 (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Südlicher Leipziger Auwald – Jährliche Paußnitz-Flutung steht an

Mutwillig wird Jahr für Jahr der südliche Auwald von Leipzig geflutet. Dazu werden Schieber geöffnet, die extra angebaut wurden, und ein Fluss fließt. Naja, so richtig ist es kein Fluss, es ist mehr ein Bach. Die Paußnitz, so unbedeutend, wie sie vielleicht wirken mag, ist immens wichtig für den Auwald. Und deshalb ist die Paußnitz-Flutung ein jährlich stattfindendes Spektakel. Und das nun seit einem viertel Jahrhundert.

Der Leipziger Auwald ist geprägt von der Pleiße. Aber vor allem von der Weißen Elster. Mitten im Wald gibt es den Leipziger Gewässer-Knoten, in dem viele Gewässer unterschiedlicher Ordnung zusammenfließen. Beim Leipziger Gewässer-Knoten handelt es sich um ein so genanntes Binnendelta. Er vereint mehrere Flussbetten. Und eins davon das Elsterbett. Ein weiteres das Elsterflutbett. Und im südlichen Teil zweigt sich die Paußnitz ab, die dann später, weiter nördlich im Elsterflutbett in die Weiße Elster zurückfließt.

Das Flüsschen hat eine wechselvolle Geschichte. Der Name ist seit knapp  130 Jahren bekannt. Früher zweigte sich die Paußnitz von der Batschke beim Gut Lauer ab. Die Batschke heißt heute Floßgraben, und das Gut gibt es aufgrund des Tagebaus nicht mehr. Heute wird der Floßgraben vom Cospudener See gespeist. Die Paußnitz hingegen zweigt sich nun vom Lauerschen Grenzgraben ab. Mit den Jahren wurde die Paußnitz dann gewaltig verändert.

Sie wurde begradigt, unter Flüssen durchgeleitet, teilweise angehoben und so weiter und so fort. Trotz der Begradigungen vor allem zwischen Großzschocher und Connewitz sind die ursprünglichen Paußnitz-Bögen ja noch da. Und die gesamte Paußnitz bietet unzähligen Lebewesen Lebensraum, wie Schleien, Rotbarschen, Bisamratten, Nutrias, Rotfedern, Rotaugen oder der weltberühmte Eisvogel. Die Paußnitz soll weiter renaturiert werden. Und deshalb gibt es Jahr für Jahr die Flutung.

Es gibt an der Paußnitz ein oberes Siel. Ein Siel ist ein Wasserdurchlass. Deiche verfügen über Siele. Und dieses obere Siel wird genutzt, um jedes Jahr die Paußnitz anzustauen. Das macht man im Rahmen eines Langzeit-Versuchs zur Vernässung des Auwaldes. Hier soll mit der Zeit ein neuer, ständig Wasser führender Nebenarm der Paußnitz entstehen. Die seit 1993 ablaufende Maßnahme zeigt auch allmählich Wirkung.

Die vor vielen Jahren angelegte Begradigung scheint als Fehler festzustehen. Mit der Flutung erreicht man es, dass die Paußnitz einen „auentypischen, dynamischen Verlauf“ wieder annehmen kann. Das wäre die Sache mit dem Nebenarm. Zudem erreicht man es, dass die Auwald-untypischen Bewüchse zurückgehen und stattdessen typische Bewüchse wie die Feldulme zunehmen. Außerdem könnte sich das Gebiet dahin entwickeln, dass es reich an Erlen und Wasserschwertlilien sein wird. Einhergehend damit entwickeln sich auch Schnecken- und Käfer-Populationen.

In Höhe der Pistorisstraße in Schleußig wird also nahe der „Linie“ die Paußnitz-Flutung vorgenommen. Sie wird ab dem 27. Februar dafür sorgen, dass Teile des südlichen Auwaldes für 2 Wochen gesperrt sind. Mit der Flutung werden die alten Arme der Paußnitz und die alten Mäander geflutet. Und das Alles, um das Naturschutzgebiet „Pleiße- und Auewald“ zu unterstützen und zu renaturieren. Das passiert jedes Jahr. Damit hilft man der Natur, sich zurückzuholen, was der Mensch ihr genommen hat.

Ob Tagebau oder Stadtplanung, im Falle des Auwaldes hat man ja wohl festgestellt, dass eine übertriebene Begradigung und Optimierung nicht immer vorteilhaft ist. Nun muss die Paußnitz regelmäßig angestaut werden, um irgendwie einen halbwegs natürlichen Lebensraum bieten zu können. Das ist das eigentlich merkwürdige. Aber so tickt nun einmal der Mensch.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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