Burnout: Die unterschätzte Krankheit

Burnout: Die unterschätzte Krankheit

Burnout: Die unterschätzte Krankheit

Hand hoch: Wer hatte schon mal einen Burnout? Dieses tiefe Gefühl, vollständig erschöpft zu sein? Wir kennen das ja aus dem Fernsehen von Max Eberl zum Beispiel. Wobei: Ich kenne das ja selbst zu genüge. Aber es ist nun einmal ein Krankheitsbild, bei dem man nicht unbedingt den Kopf unterm Arm mit sich herumträgt und aus allen Ritzen wie ein Schwein blutet und die Gegend vollkotzt. Burnout ist ein ganz besonderer Sauhund. Und von dem möchte ich mal ein paar Worte erzählen.

Jetzt hab dich mal nicht so!

Ich habe immer Glück gehabt. Wenn der Burnout an mir herum fraß, habe ich immernoch den Notaus-Knopf gefunden oder konnte dem Sauhund sonstwie begegnen. Das gelingt nicht jedem. Es gibt die eine oder andere arme Sau, die sich das Leben genommen hat, weil sie mit ihrem Burnout nicht mehr klar kam. Weil es eine fette Depression wurde. Weil die Dudes sagten: „Alter, jetzt hab dich mal nicht so!“ – Nein, ein Betroffener hat sich nicht so. Entweder beißt man sich auf die Lippen oder lässt es.

Du weißt ja vor allem nicht, woher das kommt. Es ist eine Überlastung, bei der man dann irgendwann ausgebrannt ist. Man hat keinerlei Energie mehr. Das äußert sich dann ganz unterschiedlich. Bei mir war das mal um die 15 Jahre her, als es das erste Mal passierte. Es begann mit Schlafstörungen und ständiger Müdigkeit und eskalierte dann in Appetitlosigkeit, Antriebslosigkeit, Gereiztheit und sowas, was dann z.B. im Straßenverkehr lebensgefährlich werden kann.

Damals war der Grund, dass mein damaliger Arbeitgeber vom direkten Konkurrenten gefressen wurde und niemand wusste, was mit uns werden sollte. Ich nahm diese Sorgen mit nach Hause und dann auch ins Bett, und außerdem hatte ich wenig bis keine Zerstreuung im privaten Umfeld. Letzten Endes zog mein Hausarzt die Notbremse und schickte mich in den Wald. Dahin ging ich dann auch für die nächsten Wochen. Und so bekam ich das Ganze in den Griff.

Ihr müsst bei sowas aufpassen. Ob es euch selbst betrifft oder euch nahe stehende Leute: So ein blöder Burnout kann ernsthafte Konsequenzen haben. Wenn der zur Depression wird, kann es sein, dass ihr mal in der Zeitung stehen werdet. Nein, ich mache da keine Witze, dafür ist das Thema zu ernst. Auch in den letzten zwei Jahren kam es vermehrt zum so genannten Fatique-Syndrom, was nichts anderes ist als eine chronische Erschöpfung – oder eben ein Burnout.

Als mich der Burnout einholte

Ich werde nie das vierte Quartal 2021 vergessen. Arbeit bis zum Umfallen, private Katastrophen, der Tod meiner Mutter und, und, und. Nimm her, was du willst. Ich jammere nie, ehrlich nicht. Aber das ging an die Substanz. Den Jahreswechsel habe ich heulend wie ein Schlosshund verbracht. Und dann zog ich die Reißleine. Seitdem trete ich kürzer. Ich kann es doch nicht ändern, aber meine Gesundheit ist mir das Wichtigste. Ich hab so eine Scheißangst, wieder in so ein Loch zu fallen wie oben.

Guckt euch das mal an. Der Schreiber ist von Depressionen geplagt. Ich verfolge, was er so ins Internet schreibt. Das hätte ich nicht so wirklich erwartet. Und wenn man dann so einen Selbsttest auf eine Depression macht, kommt dann das bekloppte Wort um die Ecke. Die Grenzen zwischen Burnout und Depression verschwimmen. Ich bin dem Sauhund gerade nochmal entkommen. Aber ich habe keine Lust darauf, stattdessen nun das doofe D zu haben.

Wichtig war für mich immer, dass ich mit meiner Frau darüber reden konnte. Ja, auch sie hat ihre eigenen Probleme mit ihren privaten und beruflichen Großbaustellen. Wir können aber mit Sicherheit sagen, dass diese erst richtig groß wurden, als uns durch Corona die Hände gebunden waren, um für Zerstreuung zu sorgen. Das haben wir zu ändern begonnen, wie ich neulich schrieb. Und ihr müsst das auch machen. Macht es für euren eigenen Frieden. Holt euch nicht den Sauhund auf den Pelz.

Wie fängt man den Sauhund ein?

Das Wichtigste, das ich gelernt habe, was einen Burnout betrifft, ist: Du kannst nicht allein die Welt retten, auch wenn das Tim Bendzko gern behauptet. Du musst raus aus dem Hamsterrad. Und halte dein Privatleben in Ordnung. Nichts ist wichtiger. Kein Chef der Welt kann dir eine neue Gesundheit geben, wenn deine im Arsch ist. Such dir Ausgleich und lass das gottverdammte Social Media auch mal bleiben.

Ich weiß wieder, wie regennasser Wald riecht. Sowas geht ja gern mal verschütt bei all dem Chaos. Corona tat sein übriges. Das war alles nicht gut, was da ablief. Ob es jetzt so eine gute Idee ist, das Home Office zum Witz zu erklären, weiß ich nicht. Aber all das darf uns nicht bis in die Nacht hinein verfolgen. Schafft euch Quality Time. Etwas besseres gibt es nicht. Seelische Gesundheit ist sowas von immens wichtig. Ich weiß, wovon ich da rede.

2 Kommentare zu „Burnout: Die unterschätzte Krankheit“

  1. Ich habe ein Schleudertrauma vom ständigen Nicken. Der gute alte Burnout ist bei mir ja nicht mehr das Problem, ich bin schon bei der Depression angelangt.

    Es ist nicht so, dass die mich aus dem Leben schießen würde, aber das ist auch nur so, weil ich hart zu mir selbst bin. Was aber auch nur bedeutet, dass ich die Symptome verdränge

    1. Hi Marcel,

      ich weiß nie, was man dazu sagen soll. Denn es passt einfach so gar nichts. Deshalb lasse ich es.

      Ich weiß aber, dass ich tatsächlich heilfroh bin, da bisher die Kurve gekriegt zu haben. Denn das andere ist auf jeden Fall beschissener.

      Halt die Ohren steif! (Sagt man das so? Keine Ahnung.)

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