Elektronische Musik, die die Welt bewegt

Elektronische Musik, die die Welt bewegt

Elektronische Musik, die die Welt bewegt

Elektronische Musik ist seelenlos. Ist das so? Aber wieso gibt es da so Götter, die unsterblich werden wie Led Zeppelin oder die Beatles oder andere Größen? Selbst, wenn sie nicht mehr da sind, bleiben sie unter uns. Wir leben alle mit ihnen. Ich meine damit nicht diejenigen, die mit 2, 3 zusammen gekrampften Nummern sich anschicken, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Es sind, die, die über die Jahrzehnte die Musik verändert haben, mit denen man mitfiebert und die immer wieder überraschen.

Elektronische Musik kommt doch aus der Konserve!1!1!

Wir waren am 27.05.2022 zum Alphaville-Konzert im beschaulichen Kurörtchen Bad Elster im Vogtland. Zwei Jahre mussten wir auf dieses Konzert warten. Wir haben uns so sehr darauf gefreut. Schon beim Warten, bis sich das Tor zum Naturtheater öffnete, bemerkte ich viele fragende Gesichter. Man hörte die Band, wie sie Soundcheck machten. Nein, nicht mit „Big In Japan“ oder sonstwas, womit man die Band verbindet, wenn man nur das Formatradio kennt.

Und dann begann das Konzert. Mit Drums, Bassgitarre, E-Gitarre, Keyboards und einem in die Jahre gekommenen, leicht übergewichtigen Marian Gold in Bestform. Auf der Fahrt dorthin hatten wir die Band bereits auf einem Autobahnparkplatz bei der Pinkelpause getroffen. Jedenfalls hämmerten sie gleich mal mit „I’d die for you today“ los. Wisster Bescheid, Freunde, hier ist nicht Pop angesagt. Und so ging es das ganze Konzert, die ganzen 2 Stunden zur Sache.

Freilich, ohne „Forever Young“ und „Big In Japan“ hätte sie dort niemand von der Fahne gelassen. Aber es waren die richtigen Abreißer, die dieses Konzert besonders machten. Es waren „Next Generation“, „Nevermore“ und „A Victory of Love“, mit denen sie das Vogtland erschütterten. Auf „Strange Attractor“, dem letzten Album bisher, klingen sie eben auch nicht wie elektronische Musik, sondern mehr nach Rammstein und ähnlichem.

Deshalb war es auch völlig logisch, dass sie die Fans zu Tränen rührten, als sie ihren Abriss mit dem phänomenalen „Beyond the laughing sky“ beendeten. Nachdem das Mikro der Bassdrum von Jakob Kiersch explodierte, Marian Gold sich mal versungen hatte, Carsten Brocker wie ein Berserker seine Keyboards malträtierte und David Goodes mit allerlei Gitarren hantierte. Und freilich dürfen wir auch die wunderbare Alexandra Merl als Bassistin nicht vergessen.

Aber es waren fragende Blicke bei denen, die man als Formatradio-Hörer diagnostizierte. Das Naturtheater explodierte bei „Big In Japan“, „Dance With Me“, „Sounds Like A Melody“ und war feierlich bei „Forever Young“. Aber die krassen, erwachsenen Sachen der Band kannten viele nicht. Das war die Schuld der Plattenindustrie und des Formatradios, aber nicht der Band. Elektronische Musik funktioniert live. Und wie! Das hatte Spaß gemacht.

NEVERMORE 2021 ALPHAVILLE LIVE IN TEL AVIV
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Souvenirs, Souvenirs!

Man, was muss das für ein Abriss gewesen sein! OMD haben nun endlich ihre „Souvenir“-Tour beendet. Das begann irgendwann in Großbritannien und führte auch nach Leipzig. Als die Tour begann, war von Corona noch nichts bekannt. Am 27.05. beendeten sie ihre Tour in Los Angeles. Die Geschichte der Band ist ein ständiges Auf und Ab. Finanzielles Harakiri, Blutgrätschen von der Plattenfirma, Gerichtsverhandlungen, Wiedervereinigung, Nahtod-Erfahrung und so weiter und so fort.

Sie hat uns aber immer mitgenommen. Auch in den düstersten Zeiten der Band war irgendwas von ihnen da. Die Rentner von der Wirral-Halbinsel auf der anderen Seite des Mersey von Liverpool aus gesehen sind immernoch so gut, jeden Laden in Schutt und Asche zu legen. Andy McCluskey springt nach wie vor wie von der Tarantel gebissen auf der Bühne herum und malträtiert seinen Bass. Stuart Kershaw, der würdige Nachfolger von Mal Holmes, quält sein Schlagzeug wie beim Hard Rock.

Paul Humphreys ist immernoch der liebe, nette Junge aus der Nachbarschaft, der mit seiner Jungsstimme großartiges leistet. Nur Martin Cooper verbringt die Konzerte fast komplett sitzend. Und sie sind nach wie vor die ganz großen, wenn es um Melancholie, Gesellschaftskritik, persönliche Konflikte und großen Stories wie der Jungfrau von Orleans geht. OMD waren und sind immer dann am besten, wenn man es nicht erwartet. Genau deshalb haben sie mich einst voll gepackt.

Mich hatten sie damals mit „Shame“ gepackt. Und egal, wie man zu der Nummer steht, die Musik ist einfach großartig. Sie berührt mich auf eine Art und Weise, wie es sonst nichts auf der Welt zu schaffen vermag. Ja, es ist elektronische Musik, kein Zweifel. Aber sie wird von echten Musikern gemacht, die noch dazu echte Menschen sind. Die haben auch ihre eigenen Sorgen, ihre eigenen Geschichten, ihre eigene Bitterkeit. Und irgendwie habe ich immer mit ihnen gelitten und feiert.

OMD Live at the Plaza Live Orlando 2022
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It doesn’t matter

Martin’s the songwriter, Alan’s the good musician, Dave’s the vocalist, and I bum around.

Andrew Fletcher (1961 – 2022)

Man hat ihn immer nur so wahrgenommen. Er war der Typ, bei dem man sich fragte, was der in Gottes Namen eigentlich für eine Aufgabe hat. Am 26.05.2022 starb Andy Fletcher, Keyboarder bei Depeche Mode. Während Dave Gahan immer den Vorturner auf der Bühne machte, Martin Gore mit Gitarre um den Hals am Keyboard stand und sang und Alan Wilder irgendwelche wichtigen Knöpfe an seinem Pult drückte, war „Fletch“ immer der coole Typ mit der Sonnenbrille, der irgendwas am Keyboard trieb.

Egal, wofür er eigentlich mal die Band mit gegründet hatte, er war der Kleister, der die Irren zusammenhielt. Der Carsten hat über den ruhigen Geist einen wundervollen Artikel geschrieben. Auch das ist eben elektronische Musik. Ich schrieb oben, dass mich OMD auf eine besondere Art und Weise gepackt hatte. Das tut auch Alphaville. Und Depeche Mode haben es ebenfalls eine lange Zeit lang geschafft. Natürlich trauert man da über „Fletch“.

It doesn’t matter
If this all shatters
Nothing lasts forever
But I’m praying
That we’re staying
Together

„It doesn’t matter“ von Depeche Mode

Die beiden Alphamännchen Dave Gahan und Martin Gore haben immer wieder Testosteron-Kämpfe gefochten, beide haben schwierige Zeiten hinter sich, die Band stand immer mal wieder vor dem Aus. Genau das ist auch elektronische Musik. Nicht nur im Rock’n’Roll heißt es „Live fast, die young“. Und Andy stand mit seiner Sonnenbrille und seinen roten Haaren am Rand und hat den Laden wieder zusammen geschweißt.

Die Musikwelt trauert. Weil eben Depeche Mode durch seinen Tod vor dem Aus steht. Und viele Menschen in meinem Alter trauern. Weil damit ein Stück Kindheit, Emanzipation vom Elternhaus, Rebellion und auch ein riesengroßes „Fuck you“ gestorben ist. In diesen Tagen trauern irgendwie alle. Dabei hätte Andy vielleicht gesagt, dass er doch eh unwichtig war. Wir sehen doch aber alle, dass das nicht stimmt.

DEPECHE MODE - Black Celebration [Live@BBK BILBAO FEST 11.07.13] HQ
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Meine Musik

Ich bin mit Karat, Bruce Springsteen und den Beatles aufgewachsen. Und es waren die Achtziger, die mich geprägt haben. Es war elektronische Musik, die immer ein besonderes Flair versprüht hatte. New Wave und Alternative Rock waren immer zentral in meinem Leben vorhanden. Ob es Depeche Mode, OMD, Alphaville oder Kraftwerk auf der einen Seite oder New Order, The Cure und Bruce Springsteen auf der anderen Seite waren: Alles hatte irgendwie seinen Sinn.

Ich wollte immer so coole Musik machen wie OMD oder Alphaville, aber auch irgendwelche Rock-Einflüsse wie bei New Order oder Springsteen und die Düsternis und Melancholie wie bei Depeche Mode oder The Cure einbringen. Ich kann mit diesem glatt gewetzten Kram im Formatradio nicht allzu viel anfangen. Vermutlich hat mich deshalb diese spezielle elektronische Musik so sehr gepackt. Und sie lässt mich einfach nicht los.

Wahrscheinlich ist es so, dass sie irgendwie Punker sein müssen. Alphaville entstammen der Berliner Hausbesetzer-Szene. OMD waren der in die Merseyside verlängerte Arm von The Velvet Underground. Depeche Mode haben ihre Wurzeln im Punk. New Order waren bis zum Selbstmord von Ian Curtis die Punkband Joy Division. Nur Springsteen, der kommt aus der amerikanischen Folk-Musik. Aber irgendwie passt das Alles ziemlich gut zusammen.

Und so ist es eben so, seitdem ich wieder Musik mache, dass ich eben auch Rock-Einflüsse in meine Stücke lasse. Ich habe seit einiger Zeit schon nichts mehr gemacht. Aber vor zwei Monaten habe ich mich in die Welt des Alternative Rock begeben. So, wie heutzutage eben auch OMD, Alphaville und Depeche Mode klingen. Und schon ist es wieder rund. Und elektronische Musik begleitet mich auch weiter.

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