Der PRISM-Whistleblower und sein Outing

Zunächst einmal zur Begriffsklärung: Ein Whistleblower ist ein Begriff, den es so nicht im Wörterbuch gibt. Man leitet den Begriff ab von „to blow a whistle on somebody“, was soviel bedeutet wie „Jemanden verpfeifen“. Ed Snowden hat sich jetzt bekannt. Und dem Ganzen gebührt hoher Respekt.

Es geht um die unsägliche Geschichte mit der Überwachungs- und Schnüffel-Lösung PRISM, von der ich nur im Ansatz die Tage etwas geschrieben habe. Im Ansatz deshalb, weil niemand wirklich umfassend das Ausmaß der Spionage durch US-Behörden abschließend beurteilen kann.

Und dann sitzt ein Ex-CIA-Mann da und sagt: Leute, ich war das mit der Veröffentlichung von den PRISM-Daten. Er hat damit nicht nur völlige Unsicherheit ob der Daten im Internet gebracht. Er hat auch geschafft, dass die amerikanische Politik und viele Wirtschaftsunternehmen unter Druck stehen. Und der politische Saubermann Barrack Obama hat nun ein gehöriges Problem. Mit einem derartigen gesellschaftlichen Fiasko hat niemand gerechnet.

Mit der PRISM-Enthüllung hat eigentlich jeder, der ein bisschen lesen möchte, mitbekommen, dass die schlimmsten Befürchtungen von Orson Wells „1984“ Wirklichkeit geworden sind. Es passiert alles unter dem Deckmäntelchen der Verbrechens- und Terrorismusbekämpfung. Und darum kursiert Obamas Werbslogan „Yes, we can“ mittlerweile als Karikatur „Yes, we scan“.

Snowden befindet sich auf der Flucht. Er ist mit seiner Enthüllung sozusagen der Staatsfeind Nr. 1 geworden. Ich denke, er ist den amerikanischen Behörden ein größerer Dorn im Auge als es Osama bin Laden jemals war.

Ja, Ed Snowden wird im Internet gefeiert. Denn es ist unterm Strich doch so: Das Internet lässt sich nicht ausspionieren. Wann immer das in der Vergangenheit versucht wurde, ist der Versuch jedes Mal aufgeflogen. Und wer behauptet, dass man das Internet kontrollieren müsste, weil da so viele Kriminelle sind, der irrt.

Der Spiegel hat von der Veröffentlichung berichtet und veröffentlichte ein Interview zwischen Snowden und dem Guardian. Sie sollten sich den dazu gehörigen Artikel wirklich einmal antun. Ich denke, hier könnten jetzt einige Dämme brechen und weitere Dinge veröffentlicht werden. Und dann wird die Politik hoffentlich feststellen, dass man so mit den Menschen nicht umgeht.

Das könnte Sie auch interessieren:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

×SaveYourInternet

Liebe Besucherin, lieber Besucher,

vielen Dank für Ihr Interesse. Leider steht unser Service heute nicht zur Verfügung. Wir protestieren gemeinsam mit der Autorenschaft der Wikipedia gegen Teile der geplanten EU-Urheberrechtsreform, die im Parlament der Europäischen Union Ende März verabschiedet werden soll, und schalten unsere Seite für 24 Stunden ab.

Monatelang haben EU-Kommission, EU-Parlament und der EU-Rat im sogenannten Trilog hinter verschlossenen Türen an einem neuen EU-Urheberrecht gearbeitet. Im Kern geht es darum, die finanziellen Interessen der großen Medienkonzerne gegenüber Betreibern von Internetplattformen durchzusetzen.

Ausgetragen wird dieser Konflikt auf den Rücken der Internetnutzer und Kreativen. Diese müssen nach dem aktuellen Entwurf mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Das freie Internet, wie wir es kennen, könnte zu einem „Filternet“ verkommen, in dem Plattformbetreiber darüber entscheiden müssen, was wir schreiben, hochladen und sehen dürfen. Denn das geplante Gesetz schreibt Internetseiten und Apps vor, dass sie hochgeladene Inhalte präventiv auf Urheberrechtsverletzungen prüfen müssen. Selbst kleinere Unternehmen müssten demnach fehleranfällige, teure und technisch unausgereifte Uploadfilter einsetzen (Artikel 13) und für minimale Textausschnitte aus Presseerzeugnissen Lizenzen erwerben, um das sogenannte Leistungsschutzrecht einzuhalten (Artikel 11).

Wenn Sie unsere Kritik an der geplanten Urheberrechtsreform teilen, werden Sie aktiv: