Heimat: Das Paradies ist zerstört

Lassen Sie uns mal über den Begriff Heimat philosophieren. Das Wort gehört ja in Deutschland zu den Schmuddel-Begriffen, wie man lesen kann. Wie immer kommen auch bei so einem Wort Blitzmerker auf die Idee, irgendein „völkisch-nationalistisches Gedankengut“ hineinzugeheimnissen. Hinter jedem Grashalm wird sofort der Vernichtungsfantasien träumende Nazi gesehen. Aber warum eigentlich?

Was bedeutet eigentlich Heimat?

Home is where the Heart is.

Englisches Sprichwort: „Zuhause ist da, wo das Herz ist“

Heimat ist die räumlich-soziale Einheit, in der Menschen sich sicher und vertraut fühlen, wo sie Verlässlichkeit des Daseins erfahren können und wo man Identität erlebt. In gewisser Weise hat alles auch mit der heilen Welt zu tun. Ja, und das Ganze hat auch etwas damit zu tun, wie man sich einrichtet. Denn Heimat kann auch ein Territorium sein, dass man neu hinzu gewinnt.

Man gehört dazu. Flapsig gesprochen, ist „Er gehört zu mir wie mein Name an der Tür“ auch ein Bekenntnis zum Begriff Heimat. Das Gleiche gilt für „Du bist mein Zuhause“. Wir haben es also mit einem vertrauten Rückzugsort zu tun. Jeder Mensch sollte eine Heimat haben. Und deshalb ist der Umgang mit dem Begriff hierzulande auch so beschämend.

Lied aus der Schulzeit

Unsre Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer, 
unsre Heimat sind auch all die Bäume im Wald.
Unsre Heimat ist das Gras auf der Wiese,
das Korn auf dem Feld und die Vögel in der Luft
und die Tiere der Erde
und die Fische im Fluß sind die Heimat.
Und wir lieben die Heimat, die schöne
und wir schützen sie, 
weil sie dem Volke gehört,
weil sie unserem Volke gehört.

„Unsre Heimat“ (Text: Herbert Keller / Musik: Hans Naumikat)

Das Lied wurde uns zur Schulzeit eingebläut. Das war quasi die DDR-Version von „Kein schöner Land“. Natürlich war es das Lied der Pionierorganisation. Der Begriff wurde im Lied behandelt und der Umgang mit den Folgen des Nationalsozialismus. Es handelt sich nicht um ein Lied mit ideologischem Zeigefinger. Und deshalb ist es nach wie vor vielen Menschen präsent.

Der umstrittene Dresdner Satiriker Uwe Steimle nutzt das Lied. Und andernorts wird der Begriff „Heimat“ vielerorts von rechten Truppen missbraucht. Und das ist dann auch der Grund, warum der Begriff oftmals als verbrannt angesehen wird. Daran kann das Lied nichts ändern. Und Steimle kann nichts dafür.

Heimat verteidigen?

Von der Verklärung der DDR-Zeit kommen wir mal zu ganz aktuellen Begebenheiten. Anfang Juni wurde der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke tot aufgefunden. Erschossen mit Kopfschuss. Zuvor war er auf einer schwarzen Liste aufgetaucht. All jene auf der schwarzen Liste würden durch ihre Ideologie die Zerstörung des Heimatlandes betreiben. Hier der Buchstabe „L“:

Schwarze Liste – Buchstabe L – Sie sollen die Heimat zerstören?

Spätestens jetzt gab es also den ersten Toten. Und die Kölner Oberbürgermeisterin Reker ist auch zu finden. Jede Menge Medienvertreter, Politiker, Anwälte, Blogger etc. stehen auf der schwarzen Liste. Betrieben wird das Alles durch ein „Netzwerk demokratischer Widerstand“. Wie die Seite heißt, sage ich Ihnen nicht. Denn sie ist gewaltverherrlichend.

Verteidigt man so die Heimat? Ist jetzt klar, wieso der Begriff so in Verruf gekommen ist? Rechtsextremen Terror gab es in der deutschen Geschichte immer wieder, und immer bezog man sich auf den immer gleichen Begriff. Ist es dann ein Wunder, dass der Begriff als verbrannt, kontaminiert, unsagbar und unbenutzbar gilt?

Heimat – Next Generation

Wir müssen vermutlich anfangen, den Begriff neu zu denken. So, wie wir auch Deutschland neu denken müssen. Ich bin in Sachsen zuhause und weiß daher, was das bedeutet. Na klar, man denkt bei dem Begriff zunächst einmal an den ersten und zweiten Weltkrieg, an die Heimatfilme und Heimatromane. Nichts davon hat irgendwas mit dem Ort der Identifikation zu tun.

Auch haben sich die Biografien vieler Menschen verändert. Wir wissen doch von den vielen Jobnomaden, von Vertriebenen, von Flüchtlingen, von Ausgegrenzten. All jene tragen dennoch ein Stück Heimat in sich. Und sei es nur der Gedanke an die eigene Familie oder der Geruch des Waldes, der an die Kindheit erinnert.

Eigentlich müsste man sich hinstellen und gerade jetzt die Heimat verteidigen. Gegen all die, die den Begriff und alles, was er bedeutet, missbrauchen und vergewaltigen. So, wie sie auch den Ausspruch „Wir sind das Volk“ missbrauchen und vergewaltigen. Sie sind nicht das Volk. Und sie tun der Region, wo sie tun, was sie tun, auch nicht gut.

Wir müssen dorthin, dass jeder Mensch einen Platz hat, mit dem man sich identifizieren kann. Das muss offen diskutiert werden. Ohne Scheuklappen, ohne Hetze, ohne Waffen. Ich hatte mal dazu aufgerufen, das Positive in Sachsen aufzuschreiben, weil mir die Hetze und die Gewalt einfach auf den Geist gingen. Interessiert hatte es leider nicht.

Die ärmsten Menschen sind die ohne Heimat. Die dümmsten sind die, die sie zerstören. Wenn wir den gesamten Themenkomplex neu definieren, kommen wir vielleicht voran. Andernfalls zerstören wir weiter das, was „Hoch droben auf dem Berg“ thematisiert hatte. Und als Soundtrack schlage ich „Aller Herren Länder“ von Heinz-Rudolf Kunze vor.

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