Ins Rippachtal: Ehemalige Zugstrecke gesucht

Die Bahnstrecke Leipzig-Plagwitz – Pörsten führte in grauer Vorzeit ins malerische Rippachtal. Viel ist nicht davon übrig geblieben. Vor 20 Jahren fuhr der letzte Zug, den Sie oben im Titelbild sehen. Heute haben wir da den Elster-Saale-Radweg. Ich war mal auf der Suche nach den Bahnhöfen dieser vergessenen Strecke. Das war spannend, war es doch eine Art Schnitzeljagd. So etwas hatte ich schon mal mit der Waldbahn gemacht. Nun also die Rippachtal-Bahn.

Wissenswertes zur Rippachtal-Bahn

Zunächst einmal: Ich nenne sie so. Dieser Zug wurde im September 1897 in Betrieb genommen und wurde im August 1999 stillgelegt. Über ein Jahr vorher wurde der Reisezugverkehr eingestellt. Und die DB Netz AG baute im Jahr 2005 die Strecke ab. Die Zuglinie hatte im Volksmund einen Spitznamen, der sich nicht nur rund um die Strecke festsetzte, sondern in der ganzen Region bekannt war: „Lausen-Lützen-London-Express“.

Nun gibt es also die ominöse Rippachtal-Bahn schon 20 Jahre nicht mehr. Geblieben sind Überreste und Gebäude. Auch Kilometer-Steine sind vorhanden. Und manches ist kaum noch zu erkennen. Das imposanteste Bauwerk der Strecke ist wohl das Viadukt über die Rippach. Ich schrieb auch mal davon, dass es Gedanken gab, diese Strecke wieder auferstehen zu lassen. So richtig kann ich mir das aber nicht vorstellen. Warum ich das so sehe, werden Sie im Folgenden erkennen.

Bahnhof Plagwitz: Umgebaute Industriebrache

Das Bahnhofsgebäude des Bahnhofs Leipzig-Plagwitz wird derzeit umgebaut. Das Haus wird ja eh schon länger nicht mehr als Bahnhofsgebäude benutzt. Hier begann die Rippachtal-Bahn. Man sieht noch den alten Güterumschlag-Platz, der nun ein Spielplatz ist, man sieht Gleisreste, verrottete Bahnanlagen und halb verfallene Gebäude. Dort beginnt der Grünzug, ein Radweg, der meiner Meinung dann später zum Elster-Saale-Radweg wird.

Haltepunkt Leipzig-Schönauer Straße

Man erkennt es kaum noch. Die Schönauer Straße verbindet die Leipziger Stadtteile Grünau (genauer: Schönau) und Großzschocher und wird später zur Rippachtalstraße und zum Zubringer zur A38. Hier an den Meyerschen Häusern polterte der Zug über die Straße. Und gleich danach war ein Haltepunkt: Ein Stückchen Bahnsteig mit blauem Geländer und Haltepunkt-Schild. Der Zugang war direkt am Lausner Weg, vielleicht 4 Meter von Siedlungshäusern entfernt. Viel ist davon nicht mehr übrig, wie Sie sehen.

Haltepunkt Leipzig-Südwest

Ein Stückchen weiter stoßen zwei Siedlungsstraßen auf den Lausner Weg, an dem die Bahnstrecke entlang führte. Die Windsheimer und Rothenburger Straße kennzeichnen die Lage des Haltepunkts Leipzig-Südwest. Auch dort ist nicht mehr viel von der damaligen Bahnanlage übrig geblieben. Dennoch habe ich das Ganze mal dokumentiert.

Der Bahnhof Lausen

Zur Blütezeit der Bahnstrecke war Lausen eine eigenständige Gemeinde. Dann wuchs die Leipziger Großsiedlung Grünau immer näher heran, und 1994 wurde Lausen eingemeindet. Nach der Einstellung des Zugbetriebs wurde das Bahnhofsgebäude offenbar umgebaut und dient nun als Wohnhaus. Am Bahnhof selbst muss aber auch so etwas wie dörflicher Güterverkehr stattgefunden haben, wie mir die Überreste zeigten.

Göhrenz-Albersdorf

Die beiden Dörfer Göhrenz und Albersdorf teilten sich den Bahnhof. Das Gebäude befindet sich auch quasi zwischen beiden Ortschaften, die inzwischen zur Kleinstadt Markranstädt gehören. Inzwischen begleitet uns der Elster-Saale-Radweg. Der Bahnhof wurde zum Wohnhaus umgestaltet. Und statt eines Bahnübergangs haben wir nun Drängelgitter. Niemand ahnt, dass hier einmal Zugverkehr stattfand.

Der Bahnhof Kulkwitz-Süd ist gar nicht in Kulkwitz

Ich suchte dann den nächsten Bahnhof. Der hieß Kulkwitz-Süd. Kulkwitz ist bekannt durch den Kulkwitzer See südwestlich von Leipzig. Aber wo zum Geier ist Kulkwitz-Süd? Wer den Elster-Saale-Radweg entlang fährt, kommt drauf, wenn man genau hinschaut. Zu Kulkwitz gehören die südlich gelegenen Ortschaften Gärnitz und Seebenisch. Ich wusste durch eine frühere Arbeit, als ich regelmäßig mit einer Kelterei in Seebenisch zu tun hatte, dass Seebenisch einen Bahnübergang und einen Bahnhof hatte.

Und das war die Lösung. An der Straße „Am alten Bahnhof“, die durch das Nest führt, kommt der Radweg heraus. Und man sieht ein Café, an dem eine Bahnhofsuhr hängt. Hier ist der Bahnhof Kulkwitz-Süd. Also keineswegs im namensgebenden Kulkwitz.

In Schkölen-Räpitz bei Markranstädt

Die Stadt Markranstädt hatte im Leipziger Südwesten jede Menge Dörfer eingemeindet. So auch Schkölen und Räpitz. Die liegen nur ein paar Schritte auseinander. Und auch sie teilten sich einen gemeinsamen Bahnhof. Aber auch hier wurde das Bahnhofsgebäude mittlerweile zum Wohnhaus umgebaut. Imposant ist das Klinker-Gebäude aber immernoch.

Meuchen, kurz vor Lützen

Mittlerweile in Sachsen-Anhalt angekommen, gelangte man mit dem Zug dann in das kleine Örtchen Meuchen. Dort gibt es sogar eine Bahnhofstraße, die allerdings auf einer Wiese endet. Zwischen dieser und dem allgegewärtigen Radweg befindet sich das ehemalige Bahnhofsgebäude des Dorfes, das nun mittlerweile auch umgewidmet wurde.

Lützen und die Bahnhofsruine

Im Lützner Süden endet der Elster-Saale-Radweg. Aber die Bahnstrecke verlief weiter. Über üble Kopfsteinpflaster-Straßen gelangt man an die Ruine des Bahnhofs. Daneben wurden Häuser neu errichtet. Und die Bahnhofsruine zeugt davon, dass dort mal etwas mehr Bahnbetrieb los war. Wenn man das Gelände anschauen will, muss man aufpassen, dass man sich nicht die Beine bricht.

Röcken: Auf den Spuren von Friedrich Nietzsche

In Röcken, das inzwischen auch zu Lützen gehört, wurde der Philosoph Friedrich Nietzsche geboren. Ihm zu Ehren gibt es in dem Dorf eine Gedenkstätte und eine Skulpturengruppe „Röckener Bacchanal“. Auch hier hielt der Zug damals. Auch hier ist das Bahnhofsgebäude inzwischen Wohnhaus. Es steht zwischen der Hauptstraße namens Weißenfelser Straße und dem Radweg, der anstelle der Bahntrasse verläuft.

Ende einer Schnitzeljagd: Pörsten

Weiter geht es die Weißenfelser Straße, die wir schon seit Lützen verfolgen. Wir kommen durch die Ortschaft Rippach hindurch und kommen dann nach Pörsten. Bevor wir dort ankommen, passieren wir hinter Röcken eine alte Kies-Waschanlage und die A38. Und flugs sind wir aus Pörsten wieder raus. Aber wo ist der alte Bahnhof? Ich dachte erst, ein Haus mit einem Friseur sei der Bahnhof. Aber da irrte ich. Auf einer Anhöhe waren aber Gleisanlagen zu sehen.

Nun denn, ich suchte nach einem Weg, auf die Anhöhe zu gelangen. Hinter Pörsten fand ich einen Bahnübergang, der Lichtsignale hat. Das konnte doch unmöglich die alte Rippachtal-Bahn sein. War sie auch nicht. Es handelte sich dabei um die Bahnstrecke Großkorbetha – Deuben. Auch eine abenteuerliche Einfahrt führte mich nicht zum Ziel. Ich wollte schon unverrichteter Dinge heim fahren.

Zwischen Pörsten und Rippach allerdings fand ich einen Wegweiserstein. Auf dem war der Bahnhof Pörsten angeschlagen. Ich fand ihn. Er befindet sich fast in Rippach-Poserna und hat ein grünes Siedlungsschild an der Straße. Die dazu gehörende Brücke ist allerdings auch mehr oder weniger in abenteuerlichem Zustand. Und damit war ich am Ziel meiner Schnitzeljagd.

Anmerkungen

Das Rippachtal ist sehr sehenswert. Die namensgebende Rippach ist ein kleines Flüsschen, das bei Teuchern in der Nähe von Pörsten entspringt und in die Saale mündet. Nach diesem Flüsschen wurde das Rippachtal benannt, das durch ein Autobahnkreuz große Bekanntheit erlangte. Die von mir so genannte Rippachtal-Bahn war ein Kleinod der Eisenbahn und brachte die Kleinstadt Lützen näher an Leipzig heran.

Nach allem, was ich gesehen habe, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie die Behauptung zustande gekommen sein soll, diese Strecke würde man wiederbeleben können. Das ist schlichtweg nicht möglich. Oder es wäre nur mit enormem Aufwand möglich. Also lassen wir lieber alles so, wie es ist. Die Tour war es wert. Es ist nicht so doof, dass diesen Weg auch andere mal machen.

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