DSGVO-Unsinn: Was habt ihr da angerichtet?

Seit Freitag gilt nun die Datenschutz-Grundverordnung. Und ich betone es gern immer wieder: An sich ist das Ganze eine gute Sache. Datenschutz kann gar nicht hoch genug eingestuft werden. Aber dieser DSGVO-Unsinn? Was meinen Sie, warum ich das so nenne? Es trifft nicht die Großen, die getroffen werden sollen. Nein… Die DSGVO trifft die kleinen Webseiten-Betreiber: Den Schützenverein, der Kinderchor, die vielen privaten Blogger. Und das soll man gut finden?

Warum DSGVO-Unsinn?

Ich nenne den ganzen Hokuspokus deshalb DSGVO-Unsinn, weil es genau ein solcher ist. Man wollte den europäischen Bürgern die Hoheit über ihre Daten wieder zurückgeben. Soweit der Ansatz in Brüssel. Der Ansatz ist ja auch gut. Wie oft schon habe ich Werbenetzwerke kritisiert, dass sie ahnungslosen Internetnutzern ungefragt in die Unterwäsche gucken? Aber wie wurde das denn eigentlich umgesetzt?

Ich habe hier im Blog mein bestmögliches getan. Ich habe sogar meinen Newsletter bei MailChimp abgeschafft und eine lokale Lösung gebastelt, die scheinbar gar nicht richtig funktioniert. Ich habe viel Aktionismus walten lassen, was auch viele meiner Leser genervt haben dürfte. Alles zum Wohle des Datenschutzes. Aber ich bin ehrlich: Ich habe keine Ahnung, ob ich denn wirklich durch bin.

Und das ist doch das Grundproblem an der ganzen Nummer. Datenschutz hin oder her, der muss einfach sein. Ich will auch, dass mit meinen Daten sorgsam umgegangen wird. Aber dazu brauche ich doch genaue Anweisungen, was zu tun ist. So wird man eben komplett allein gelassen. Man hat einen Sack voll Fragen. Und die, die für den DSGVO-Unsinn verantwortlich sind, weichen aus und beantworten nicht.

Was habt ihr da nur angerichtet?

Wir Blogger sind so doof, wir haben nur die DSGVO komplett falsch verstanden. Das unterstellen uns die Herrschaften, die für den Quatsch verantwortlich sind. Damit haben die Lobbyisten ja sogar Recht. Denn dieses Pamphlet versteht kein Mensch. Nicht mal Rechtsexperten steigen zur Gänze durch. Darüber hinaus gibt es ganze Zugladungen voll mit Menschen, die meinen, einem den Datenschutz erklären zu können.

Die Datenschutz-Lobbyisten hinterlassen ein riesiges Chaos. Und Google, Facebook und Co. machen munter weiter wie bisher. Facebook hat seinen Nutzern sogar das Recht untergejubelt, ungefragt das Gesichterscannen einzuführen. Und Facebook lässt WhatsApp-Nutzerdaten zu sich transferieren. Ähnlich Google, Amazon etc. Diverse US-Medien sind nun erstmal gar nicht mehr in Europa aufrufbar, weil die sich nicht mit der DSGVO beschäftigen wollen.

Und hierzulande schließen unzählige Blogs, Vereinswebseiten und Foren, weil man diesen ganzen DSGVO-Unsinn nicht versteht. Das wurde hier einmal zusammengetragen. Die Leidtragenden sind also die kleinen Webseiten. Familienblogs, Sportvereine etc.: Hier ging es querbeet zur Sache. Und ich frage mal in Richtung Brüssel und zur Datenschutz-Lobby: Was habt ihr da nur angerichtet?

Wie geht es nun weiter?

Man hängt vor den Schlagzeilen, Tweets und Blogartikeln herum und sagt sich immer wieder: Das kann doch nicht deren Ernst gewesen sein. Mit dem 25. Mail 2018 und damit mit der Einführung der Datenschutz-Grundverordnung wurde ein gewaltiger Teil der Internet-Kultur kaputt gemacht. Egal, was die Leute da behaupten, die diesen Quatsch erfunden haben.

Ich lasse in meinem Blog immer ein Plugin nach kaputten Links durchforsten. Und seit dem vergangenen Freitag musste ich hunderte Links entfernen. Wenn das so weitergeht, dann haben die Internet-Riesen, die Politiker und die Medien ihr Internet wieder für sich allein. War das Sinn der Sache? Wie es weitergeht, weiß kein Mensch. Es gibt Gerüchte, dass da noch mehr hinterher kommt. Aber daran will ich erstmal noch nicht denken.

Jetzt wurden erstmal Google und Facebook auf mehrere Milliarden US-Dollar verklagt. Der Internet-Aktivist Max Schrems begründete die Klagen damit, dass Facebook (mit WhatsApp und Instagram etc.) und Google (mit all seinen Diensten) die Zustimmung zur Datenverarbeitung von ihren Nutzern erzwungen haben. Vielleicht tut sich so noch etwas. Sonst sehe ich schwarz für das Internet.

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4 Kommentare

  1. Hallo Henning,
    sehe es ähnlich wie du, doch liegt es weniger an der DSGVO selbst, sondern auch daran, dass kein ordentliches Anpassungsgesetz in DE gemacht wurde, das die unbestimmten Begriffe genauer definiert, für kleine Publisher entschärft etc. Die Politiker sind weit weg von der Netzkultur, wie wir sie kennen und haben vor allem die Großen im Blick – die ja durchaus getroffen sind, ihre Prozesse neu ordnen und den Usern mehr Rechte einräumen müssen.
    Hinzu kommt die Panikmache vieler Publisher, das alte Elend, dass Ängste schüren mehr Klicks bringt…
    Es ist zum Beispiel sehr unwahrscheinlich, dass überhaupt nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb UWG von XYZ abgemahnt werden könnte. Denn ein Konkurrent muss ja behaupten, durch den Datenschutzverstoß eines Konkurrenten einen Schaden zu erleiden. Und die Aufsichtsbehörden haben verkündet, dass sie zunächst „mit Augenmaß“ vorgehen werden – also erstmal Kontakt aufnehmen und beraten, bevor sie (bei Uneinsichtigen) zu Bußgeldern schreiten (die wiederum nicht am oberen Ende des Möglichen ansetzen werden.
    Von den 64 Blogs in meinen Blogrolls sind genau 2 auf „privat“ gesetzt. Liegt daran, dass meine Auswahl nur aktive Blogs listet, keine Webleichen mit uralten Artikeln. Heißt für mich: Wer sein Blog wertschätzt, macht sich auch die Arbeit der Anpassung. Wer sowieso nicht oder kaum mehr bloggte, sieht das weniger ein und gibt lieber auf.
    Uns insgesamt gibt es jetzt so viele Webseiten von Unternehmen und Institutionen, die noch nicht konform sind, dass kaum zu erwarten ist, dass kleine Blogs die ersten Ziele irgendwelcher Maßnahmen sein werden.

    1. Ich glaube schon, dass kleine Blogs und kleine Unternehmen die Ziele erster Massnahmen sein werden. An die Grossen traut sich doch niemand ran. Das Einzige was bei facebook passieren könnte, wäre der Fall, dass sich Herr Zuckerberg tot lacht.

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