Schwein gehabt – Unrühmliches aus Leipzig

Ein Königreich für ein Schwein! Jetzt nehmen sie den Kindern in Leipzig auch noch den fetten Schweinebraten weg! Bloß gut, dass Protest wirkt! Es begab sich zu jener Zeit im frühen Stadium der Erdgeschichte, dass man Kindertagesstätten mit Anschlägen drohte, wenn es kein deftiges Steak mehr zum Mittag gibt. Und darüber müssen wir reden.

Konfuzius schafft das Schwein ab

Meine Fresse, was war das für eine Aufregung dieser Tage! Da kommen Kindergärten in Leipzig auf die Idee, den dort untergebrachten Kindern kein Schweinefleisch mehr vorzusetzen und begründen das mit Rücksichtnahme auf muslimische Kinder. Was war der Aufschrei groß! Sogar das AfD-Herzblatt André Poggenburg mischte mit. Neben den lieben Medien.

Die Folge war, dass die beiden Kindergärten aufs übelste bedroht wurden. Es gab gar Berichte, dass irgendwelche erwachsenen Menschen Kindern der Einrichtungen auflauerten und diese bedrohten. Erwachsene! Die Kids einschüchtern, die keine 6 Jahre alt sind. Seid ihr alle bekloppt geworden? Spinnt ihr völlig?

Und was Poggenburg und seinen Laden „Aufbruch deutscher Patrioten Mitteldeutschland“ betrifft, muss ich echt sagen: Ihr versetzt alle Kinder dieser Einrichtungen in Angst und Schrecken. Auch die gut-deutschen Kids. Nicht nur die „Musels“, wie ihr immer wieder sagt. Was seid ihr nur für Menschen? Moment, ich ziehe die Frage zurück, denn das ist nicht menschlich.

Das Poggenbürschlein wollte erst mit seinem Laden vor dem Kindergarten „Konfuzius“ demonstrieren. Vor einem Kindergarten! Demonstrieren! Echt jetzt? Das war den Betreibern dann doch zu viel. Sie zogen ihre Entscheidung zurück, auf Schweinefleisch und Gelatine zu verzichten. Dann – plötzlich – sagte das Poggenbürschlein seinen Aufmarsch wieder ab.

Und so etwas wollen etwa 25 – 29% der sächsischen Wahlberechtigten wählen? Ehrlich? Ich bin stinksauer, wenn ich sowas mitbekomme. Mit der Angabe meine ich alle AfD-Wähler. Wissen die alle nicht, wie laut skandierte Schlachtrufe auf Kinder wirken? Aber das Schwein, das hatte am Ende wenigstens Schwein gehabt.

Muss es denn so eine Sauerei sein?

Also erstmal bin ich selbst Vater. Von daher weiß ich, wie das laufen kann mit der Auswahl des Essens. Da wird zwar vorgegaukelt, dass es „Wahlessen“ geben würde. Aber dann wird doch das beim Catering bestellt, was am meisten ausgewählt wurde. Ach, und was am günstigsten ist. So und nicht anders, ganz ehrlich.

Jetzt nehmen wir mal an, in einer Gruppe sind 15 Kinder und zwei davon mit arabischen Wurzeln. Natürlich wählen die Eltern auch mal Rindergulasch, Fisch, Milchreis und sowas aus. Aber eben auch Schweinebraten oder sowas. Das könnten Kinder mit arabischen Wurzeln nie mitessen. Ja, die rechten Labersäcke brüllen dann: „Selbst schuld, dann haut doch ab!“

Es ist aber auch so, dass Schweinefleisch gar nicht so gesund ist. Mal mit, ok. Aber andere Fleischsorten dürfen gern eine größere Rolle spielen als das gute, alte Schwein. Und wie ist es denn um die Haltung der Tiere bestellt? Ja, wenn eine Tierschutzorganisation einen blutüberströmten YouTube-Clip zeigt, dann haben wir die große Betroffenheit. Und sonst?

Vielleicht wäre das Alles ein gutes Statement gewesen: Wenn es wirklich echte Auswahl gäbe, und wenn die Tiere fair gehalten werden und wenn die Eltern dazu bereit wären, ein echtes Essensgeld zu bezahlen, dann könnte man Bio-Schwein als Wahl neben vegetarischer Kost und anderem Fleisch anbieten. Aber da sind mehrere Wenns enthalten, also funktioniert das nicht.

Nein, es muss nicht immer Schweinefleisch sein. Und Kinder müssen die Chance haben, sich vielfältig zu ernähren. Dafür könnte man demonstrieren, liebes Poggenbürschlein. Aber das ist ja nicht populistisch genug. Und es richtet sich auch nicht ausschließlich an Minderheiten. Es ist absolut würdelos, so eine Show abzuziehen, wenn man Alternativen erarbeiten könnte.

Alle paar Jahre wieder

Irgendwann diese Woche brach bei mir im Blog ein richtiger Run auf diesen ziemlich alten Artikel aus. So, wie es ihn alle paar Jahre immer wieder gibt. Auf alle möglichen Themen. Wie auch auf St. Martin und den Umzug. Wieso gibt es immer wieder so einen Empörungstourismus? Wer hat etwas davon? Es ist für mich komplett unverständlich.

Zumal: Was „Konfuzius“ betrifft, so liest man immer wieder vom „Schweinefleisch-Verbot“. Leute, das gab es zu keiner Zeit. Die Kita hatte sich dazu entschlossen, erstmal kein Schwein mehr anzubieten. Ist das schlimm? Wenn ja, wieso? Sie haben es komisch ausgedrückt, das ist aber auch alles. Und so geht das immer wieder Jahr ein, Jahr aus. Das macht mich müde.

Und da soll man mehr davon erzählen, wo man herkommt? Wenn man so einen Unsinn liest, schämt man sich für die Region, aus der man stammt. Da will niemand auch noch einen Blogartikel darüber verfassen. Oder gerade erst recht? Denn vielleicht müssen wir den Spinnern den Raum wegnehmen. Und vielleicht müssen wir zeigen, dass nicht alle so sind. Mahlzeit!

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